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07. April 2020, 09:57
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Autor Thema: Corona-Virus - Hysterie und Panikmache oder ernsthafte Bedrohung?  (Gelesen 311 mal)
admin
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« Antworten #7 am: Heute um 09:45 »

Liebe "Mit-Wirker" und pflegebetroffene Menschen,

die aktuelle Situation mit den angeordneten Maßnahmen mit der Corona-Krise empfinde ich als unerträglich. Warum? Weil die veröffentlichten Zahlen keinen Aufschluß darüber geben, wieviel Menschen tatsächlich an dem Virus versterben bzw. verstorben sind und wieviel "nur" mit ihm. Damit will und kann ich nicht die Sterberate "kleinreden". Denn jeder Mensch, der nun (früher) verstirbt, z.B. weil sein Immunsystem die zusätzliche Infektion nicht abwehren konnte, ist ein Alarmsignal. Ein Alarmsignal vor allen Dingen hinsichtlich der Personal- und Materialausstattung in Kliniken und Pflegeeinrichtungen.

Drastische Strafen bei Corona-Verstößen!

Alles zum Schutz der Bürger? Welche Bürger sind am stärksten gefährdet? Werden sie ausreichend vor Ansteckung geschützt? Wer kann sie am ehesten anstecken - Angehörige, Betreuer oder Kranken-/Pflegekräfte? Gibt es ausreichend Schutzmaterial für alle Personen, die in Kliniken und Heimen tätig sind? Wird dieser Personenkreis überhaupt auf das Virus getestet? Oder gibt es gar Anweisungen, dass Infizierte trotz Virus in Kliniken und Heimen ihre Arbeit verrichten müssen?

Der Bußgeldkatalog gegen freiheitsliebende Bürger, offenbart leider wieder, wie mit zweierlei Maß gemessen und gehandelt wird. Aktuell die nicht zielgerichteten Maßnahmen gegen uns alle, mit Bußgeldandrohung bei geringsten Verstößen der Auflagen. Andererseits die zögerliche Vorgehensweise gegen Pflegeanbieter, die durch nachweislich mangelhafte Pflege - wie z.B. Körperverletzung (Wundliegen etc.) - auffallen, aber mit "Beratung" durch die Heimaufsicht davon kommen und erst nach mehrfacher "Beratungsresistenz" mit härteren Sanktionen rechnen "dürfen".

Wohl gemerkt: Meine Argumentation zielt nicht gegen Pflegekräfte, die seit vielen Jahren unter immer prekäreren Bedingungen ihre "systemrelevante" Arbeit machen - und dabei zu oft über ihre eigenen physischen und psychischen Leistungegrenzen hinaus gehen müssen. Würden das gesamte dort tätige Personal auf eine Virusinfektion getestet und gäbe es ausreichend Material, wäre das ein wichtiger, notwendiger Schritt zum Schutz der Haupt-Risikogruppe und auch für die "systemrelevanten" Arbeitskräfte.

Aber womit sind die unterschiedlichen Regelungen, Vorgehensweisen und rechtlichen Ahndungen zu erklären oder gar zu rechtfertigen? Ist das alles so weiterhin akzeptabel und hinnehmbar?

Gerechtigkeit sieht anders aus ...


Hier noch ein paar interessante Links zum Thema:

- Infiziertes Pflegepersonal soll trotzdem arbeiten
=> https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-geno-will-infizierte-arbeiten-lassen-_arid,1903737.html

- Polnische Pflegerinnen bleiben zu Hause
=> https://www.tagesschau.de/inland/corona-pflegekraefte-polen-101.html

- Heribert Prantl -  Coronakrise und Grundrechte
=> https://www.radiobremen.de/bremenzwei/aktuell/corona-grundrechte-prantl102.html

- Dr. Bodo Schiffmann - Obduktionen ...
=> https://www.youtube.com/watch?v=gSn_YaOYYcY und gestern https://www.youtube.com/watch?v=gSn_YaOYYcY

Corona-Verordnungen sind verfassungswidrig -
Beate Bahner kündigt Normenkontrollklage an und fordert sofortiges Ende des Shutdown - aktualisierte Pressemitteilung der Fachanwaltskanzlei BAHNER vom 3. April 2020
=> http://www.beatebahner.de/


Herzliche Grüße aus dem sonnigen Bremen
+ bleiben Sie gesund!
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 was wir tun, sondern auch für das,
was wir nicht tun" (Jean Molière)
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« Antworten #6 am: 02. April 2020, 10:29 »

Zitat
Corona in Bremer Pflegeheimen
Zwei Tote, viele Fragen

Die ersten Corona-Toten in Bremen lebten in einem Pflegeheim. Weitere Bewohner*innen sind infiziert. Eine Ideallösung für Heime ist nicht in Sicht.


von Lotta Drügemöller - Autorin taz-Bremen, 31.03.2020

BREMEN taz | In Wolfsburg grassiert das Coronavirus aktuell in einem Altenpflegeheim, etwa die Hälfte der Bewohner*innen ist infiziert, 15 von ihnen sind bis Montagmorgen gestorben. Auch in Bremen sind zwei Einrichtungen der Risikogruppe betroffen – mitbekommen hatte das die Öffentlichkeit, weil der erste in Bremen am Coronavirus Verstorbene ein 76-jähriger Bewohner des Heims war. Mittlerweile ist ein zweiter 90-jähriger Patient aus dem Heim gestorben.
Der zweite Verstorbene ist der Bewohner, bei dem Corona im Heim als erstes diagnostiziert worden war. Bei diesem Index-Patienten war die Krankheit schon am 16. März festgestellt worden. Danach waren neun weitere Bewohner*innen positiv auf das Virus getestet worden. Er war bereits im Krankenhaus untergebracht, bis zum Wochenende hieß es aber, sein Zustand sei stabil.

Der erste Verstorbene dagegen soll laut Gesundheitsbehörde am 22. März, einem Sonntag, erste leichte Symptome gezeigt haben – sechs Tage nach Patient eins. Am Montag wurde er getestet, das positive Ergebnis lag dann am Dienstag vor. In der Nacht war er ins Krankenhaus Bremen-Mitte gebracht und dort sofort auf die Intensivstation gelegt worden. Am Mittwochmorgen starb er dort an Herzstillstand.

Obwohl der 76-Jährige schwere Vorerkrankungen hatte, war er also weder beim ersten Verdacht noch direkt nach dem positiven Testergebnis in die Klinik verlegt worden. „Es war vorher medizinisch nicht angezeigt“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin. Seine Symptome seien schließlich nur leicht gewesen. „Bislang werden die betreut, die eine Krankenhausbehandlung nötig haben.“ Die Entscheidung sei vom Personal vor Ort gefällt worden – ob von Pflegenden oder Ärzt*innen lässt die Gesundheitsbehörde indes unbeantwortet.

Zitat
„Die Pflegenden sind die ersten, die den Virus in die Heime tragen können. Hier ließe sich die Gefahr sinnvoll verkleinern“
Reinhard Leopold, Interessensvertretung alter und pflegebetroffener Menschen

Dass künftig – solange es die Krankenhauskapazitäten zulassen – auch Fälle mit leichten Verläufen früher in die Klinik kommen, wenn sie unter Vorerkrankungen leiden, sei im Bereich des Möglichen, so Fuhrmann auf Nachfrage. Rolf Dembinski, Klinikleiter der Intensivmedizin am Klinikum Bremen-Mitte, bleibt zurückhaltend: „So eine Empfehlung kann man keinesfalls generell aussprechen“, so Dembinski. „Ob ein Patient stationär im Krankenhaus aufgenommen werden muss, ist eine Einzelfallentscheidung.“

Dembinski hatte den ersten Verstorbenen behandelt und hält für unwahrscheinlich, dass ihn eine frühere Einweisung gerettet hätte. „Wir müssen vielmehr davon ausgehen, dass es sich um einen ungewöhnlich schnellen, schicksalhaften Verlauf gehandelt hat“, so der Klinikleiter. Das Leben in der Pflegeeinrichtung geht derweil weiter. Für die nachgewiesen Infizierten wurde eine Isolierstation eingerichtet.

Der Verstorbene selbst hatte die ersten Symptome sechs Tage nach dem positiven Test­ergebnis von Patient eins. Bis dahin war er auf der normalen Station untergebracht – obwohl er zu den direkten Kontaktpersonen des ersten Erkrankten gehört hatte. Dass weitere Bewohner*innen infiziert sind und sich infizieren werden, ist auch in Bremen nicht ausgeschlossen, auch wenn man von Wolfsburger Verhältnissen weit entfernt ist.

Laut Behörde wird die Gesundheit aller Heim-Bewohner*innen täglich durchs Amt überprüft. Das weitere Vorgehen müsse im Laufe der Pandemie entwickelt und angepasst werden: Ursprünglich hatte man die Heime auf Pläne des Robert-Koch-Instituts von 2005 und 2013 verwiesen, die sich allgemein auf Atemwegserkrankungen beziehen und auch bei einer normalen Grippewelle Anwendung finden.

In der Praxis ergreift man mittlerweile strengere Maßnahmen: Es gilt nicht nur das Besuchsverbot der Allgemeinverfügung, sondern das gesamte Heim steht unter Quarantäne: Alle, also auch Bewohner*innen ohne Symptome, bleiben auf ihren Zimmern, wo sie versorgt werden.

Die Ideallösung für Pflegeheime gibt es dabei nach Ansicht von Expert*innen nicht. Wenn auch für bisher nicht betroffene Heime vorsorglich ähnliche Isolationsregeln gelten würden, würde das die Risikogruppe wohl effektiver vor dem Virus schützen – aber dabei große Probleme mit sich bringen. Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) warnt davor, die Rechte von Heimbewohner*innen über Gebühr einzuschränken.

Zumal Demenzkranke hätten Probleme, nachzuvollziehen, warum kein Besuch mehr käme. „Das Ziel, mehr Schutz und Sicherheit für die Bewohner zu erreichen, kann sich dadurch ins Gegenteil verkehren: Isolation, Vernachlässigung oder fehlende Mobilität aufgrund der Schutzmaßnahmen werden gravierende Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit haben“, heißt es in einem Positionspapier der BIVA.

Heime sind weitgehend unkontrolliert

Auch Reinhard Leopold, Vorsitzender der Bremer Angehörigen-Selbsthilfegruppe Heim-Mitwirkung und Regionalbeauftragter der BIVA, sieht in den Schutzmaßnahmen selbst eine Gefahr: „Sämtliche soziale Kontakte werden aufgegeben, es gibt keine Beschäftigungsangebote mehr. Die psychischen Schäden, die das hervorrufen kann, bleiben völlig unberücksichtigt.“

Erschwerend komme hinzu, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen momentan nicht zu Kontrollbesuchen in die Heime kommen. Die Wohn- und Betreuungsaufsicht hat laut Sozialbehörde nach wie vor keine freien Kapazitäten für anlasslose Regelkontrollen. Sie kommt wie bisher weiterhin in die Heime, sofern es Beschwerden gibt. Da die Angehörigen die Lage vor Ort aber nicht mehr sehen können, sind die Kontrollmöglichkeiten de facto stark eingeschränkt.

Eine Lösung für das Problem der infizierten Heime kennt auch Leopold nicht. Um Infektionen besser vorzubeugen,z schlägt er aber regelmäßige Tests des Personals vor: „Die Pflegenden sind die ersten, die den Virus in die Heime tragen können. Hier ließe sich die Gefahr sinnvoll verkleinern.“ Und tatsächlich: Neben den beiden Einrichtungen mit kranken Bewohner*innen ist mittlerweile in einem dritten Heim der Coronavirus festgestellt werden – bei einer Pflegekraft.
Quelle: https://taz.de/Corona-in-Bremer-Pflegeheimen/!5672644/

* taz-HB_Tote aus dem Heim_200331.pdf (1811.79 KB - runtergeladen 0 Mal.)
« Letzte Änderung: 03. April 2020, 20:36 von admin » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 31. März 2020, 23:03 »

Zitat
Corona - Auswirkungen für die häusliche Pflege

Sorgende und Pflegende Angehörige veröffentlichen Petition für mehr Aufmerksamkeit der Auswirkungen in der Corona-Krise

30.03.2020 - Im Rahmen der derzeitigen Corona-Krise werden überall weitreichende Maßnahmen ergriffen. Die Auswirkungen stellen nicht nur schwer kranke und behinderte Menschen jeden Alters sondern auch ihre sorgenden und pflegenden Angehörigen vor große Herausforderungen und Risiken.

Die nun meist isolierten Menschen müssen besonders beachtet und geschützt werden. Wie sieht dieser Schutz aus?

79 % aller pflegebedürftigen Menschen in Deutschland - nahezu 3 Millionen- werden zu Hause von ihren Angehörigen rund um die Uhr - oft über viele Jahre hinweg - unentgeltlich gepflegt und betreut. Doch an diese Gruppe und die Folgen der Isolierungsmaßnahmen wurde offensichtlich nicht gedacht:

• Es brechen nun viele Hilfsangebote weg, z.B. Tagespflege, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Niedrigschwellige Entlastungsleistungen, Alltagsbegleitungen, Haushaltshilfen, Kinder- und Schulbegleitung, Intensivpflege, ambulante Pflegedienste, Therapien und vieles mehr.
• Fehlende Kontakt- und Pflegemöglichkeiten bringen viele von ihnen an die psychischen und physischen Grenzen.
• Zudem verfügen sie über keinerlei Schutzmaßnahmen - es fehlt an Mundschutz, Handschuhen, Desinfektion - Nachschub ist auch hier nicht in Sicht!
• Fragen nach Verdienstausfall und Mehrausgaben werden nicht beantwortet.
• Persönliche Pflegeberatungen zu Hause sind ausgesetzt, auch nach § 37 SGB XI. Man wird allein gelassen und bleibt alleine.

Viele pflegen z.B. ihre Eltern und haben kleine Kinder. Was macht das mit der pflegenden Mutter? Alle bewegen die bangen Fragen: "Was ist mit unseren Angehörigen, wenn wir sie oder uns anstecken, wenn wir als Pflegepersonen ausfallen? Wer kümmert sich um sie?

Wenn der/die Pflegebedürftige ins Krankenhaus muss wegen Corona: Darf der Pflegende Angehörige als Begleitung im Krankenhaus dabei sein, wie er es normalerweise immer ist, um die Pflege sicherzustellen, z.B. bei Pflegegrad 4 oder 5?

Ein vor Kurzem noch bestehendes System bricht größtenteils weg. Finanzielle Sorgen, die jetzt aufgrund der wegbrechenden Pflegeangebote zu Hause bleiben müssen, bei berufstätig pflegenden Angehörigen kosten Kraft.
Doppelt Pflegende werden von ihren ständigen Ängsten zermürbt, müssen beruflich pflegen und danach zu Hause. Sie haben keinen Anspruch auf Pflegezeitgesetz. Freistellung nicht möglich! Auch Diejenigen, die im Einzelhandel arbeiten. Welche Möglichkeiten bleiben ihnen? Gibt es finanzielle Ausgleiche?

Für Eltern mit Kindern, die jetzt nicht in KITAS oder Schulen gehen gibt es ein Rettungspaket, warum nicht auch für Pflegende Angehörige? Sorgende und Pflegende Angehörige müssen einkaufen, zum Arzt, zur Apotheke und bringen vielleicht den Virus nach Hause?

Und sie geben trotzdem Alles, teilweise über ihre eigenen Grenzen. Sie leisten tapfer ihren Teil in dieser Zeit. Und: Sie werden weder erwähnt noch unterstützt.


Millionen von pflegenden Angehörigen werden übergangen! Sicher: Diese große Gruppe hat vielfach weder Zeit noch Stimme, um auf ihre Notlage aufmerksam zu machen. Ihre Zahl beträgt noch weit mehr, nimmt man die "Sorgenden Angehörigen" hinzu, die von Ferne bisher Hilfen für ihre Lieben organisierten oder sie in einer stationären Einrichtung mitversorgten. Nun nicht mehr möglich! Die seelischen Qualen dieser Angehörigen durch Besuchsverbote müssen hier auch erwähnt werden. Ist dies nicht auch ein großes Opfer?

Über 10 Mio. Sorgende und pflegende Angehörige dürfen gerade jetzt nicht ohne Schutz und Unterstützung bleiben! Sie benötigen dringend Schutzmaßnahmen und finanziellen Ausgleich, wo dieser geboten ist. Die Folgen, sollten diese ausfallen, wären nicht nur im Einzelfall sondern auch für unsere Gesellschaft eine weitere verheerende und unlösbare Katastrophe.

Der Verein Pflegende Angehörige e.V. erstellte hierzu eine Petiton: "Denkt auch an uns Sorgende und Pflegende Angehörige! So kann es nicht weitergehen!" https://www.openpetition.de/petition/online/denkt-auch-an-uns-sorgende-und-pflegende-angehoerige-so-kann-es-nicht-weitergehen#petition-main
Quelle: https://www.openpr.de/news/1082035/Corona-Auswirkungen-fuer-die-haeusliche-Pflege.html
« Letzte Änderung: 31. März 2020, 23:06 von admin » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 28. März 2020, 03:04 »

Zitat
Besuchssperren in Heimen wegen Coronavirus
„Viele Angehörige befürchten einen Schub in der Demenz“


Für Bewohner von Pflegeheimen sei es bitter, wegen der Coronakrise keinen Besuch mehr zu bekommen, sagte Ulrike Kempchen vom BIVA-Pflegeschutzbund im Dlf. Besuchsverbote seien rechtens, allerdings gehe es um Verhältnismäßigkeit, um kreative Problemlösungen – und um genug Personal dafür.


[Ulrike Kempchen im Gespräch mit Jule Reimer >>]
https://www.deutschlandfunk.de/besuchssperren-in-heimen-wegen-coronavirus-viele.697.de.html?dram:article_id=473616



Zitat
Donnerstag, 26. März 2020
Besuchsbeschränkungen in Pflegeheimen aufgrund der Corona-Krise

BIVA-Positionspapier

Der BIVA-Pflegeschutzbund wendet sich angesichts der durch Covid-19 bedingten Besuchsbeschränkungen und vielerorts absoluten Besuchsverboten mit Ausgangssperren in Pflegeeinrichtungen an alle beteiligten Ministerien, Behörden und an alle Pflegeeinrichtungen. Diese Maßnahmen müssen aus pflegerischen und humanitären Gründen dringend einer Verhältnismäßigkeitsprüfung unterzogen werden. Zugleich müssen dauerhafte Lösungen zur Verhinderung von Ansteckung gefunden werden.

Alte Menschen gehören zu den Hauptrisikogruppen der Lungenkrankheit Covid-19. In der gegenwärtigen unbekannten und zugleich lebensbedrohlichen Situation sind besondere Schutzmaßnahmen in Altenpflegeheimen notwendig. Dafür hat jeder Verständnis. Diese können aber zu unverhältnismäßig harten Konsequenzen für die betroffenen Bewohner führen. Dies zeigen zahlreiche Beratungsanrufe von Angehörigen. Der BIVA-Pflegeschutzbund sieht die Gefahr, dass die Rechte der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen und deren Angehörigen über das erforderliche Maß hinaus eingeschränkt und beschnitten werden. Das Ziel, mehr Schutz und Sicherheit für die Bewohner zu erreichen, kann sich dadurch ins Gegenteil verkehren: Isolation, Vernachlässigung oder fehlende Mobilität aufgrund der Schutzmaßnahmen werden gravierende Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit haben. Eine aktuelle BIVA-Umfrage zu den Erfahrungen der Betroffenen mit den derzeitigen Besuchseinschränkungen bestätigt diese Befürchtung.

So wird etwa übersehen, dass viele Angehörige regelmäßig bei der pflegerischen Versorgung unterstützen. Das überlastete Pflegepersonal ist auch ohne krankheitsbedingte Ausfälle häufig nicht in der Lage, die nötige zeitaufwendige Hilfe bei der Nahrungsaufnahme zu leisten. Viele Angehörigen befürchten nun, dass es aufgrund der fehlenden pflegerischen Unterstützung durch sie und der fehlenden individuellen Ansprache bei den Bewohnern zu ernsten körperlichen und seelischen Schäden kommt. Letzteres gilt vor allem bei dementiell Erkrankten, die aufgrund ihrer Krankheit die Notwendigkeit der Einschränkungen nicht nachvollziehen können.

Die angekündigte Ausnahmeregelung, dass das Besuchsverbot im Sterbefall aufgehoben wird, bietet Sterbenden und ihren Angehörigen keine Sicherheit. Die Gewährung der Ausnahme ist abhängig von der Entscheidung der Einrichtung. Dabei kann es schon an der Auslegung scheitern, wann ein Sterbeprozess beginnt. Viele Angehörige befürchten daher, ihre Liebsten gar nicht mehr wiederzusehen, etwa weil sie sich schon im Palliativstadium befinden oder sich deren gesundheitlicher Zustand wegen des fehlenden Kontakts mit dem Familienmitglied rapide zu verschlechtern droht.

In einigen Pflegeeinrichtungen wird sogar für die Bewohner selbst eine absolute Ausgangssperre verhängt. Sie dürfen ihre Zimmer und die Einrichtung nicht verlassen. Den Angehörigen wird trotz Zusicherung von Sicherheitsvorkehrungen verweigert, die pflegebedürftigen Menschen zu einem kurzen Spaziergang auf dem Gelände an der Tür abzuholen. Damit wird zusammen mit einem strikten Besuchsverbot de facto eine Quarantäne angeordnet. Es handelt sich aber hierbei um eine freiheitsbeschränkende Maßnahme, die nur entweder gerichtlich oder im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes durch die zuständigen Behörden – und nicht alleine durch die Einrichtung – angeordnet werden kann.

Die bisher durch die zuständigen Ministerien der einzelnen Bundesländer ergangenen Erlasse, Verfügungen oder Empfehlungen sind uneinheitlich und damit nicht hilfreich. Die Regelungen reichen von einem absoluten Besuchsverbot bis zur Besuchsregelung „pro Bewohnerin bzw. Bewohner eine Person für eine Stunde pro Tag“. Wird die Angemessenheit dieser Maßnahmen von Kreisen und Gemeinden nicht im Rahmen von Allgemeinverfügungen geregelt, bleibt die Entscheidung den einzelnen Pflegeeinrichtungen überlassen. Diese werden mit der folgenschweren Entscheidung allein gelassen und entscheiden sich häufig für die weitreichendste Maßnahme. Aber auch dort, wo die lokalen Behörden konkrete Regelungen erlassen, bleibt die Tendenz dieselbe: Meist wird die Regelung der Landesregierung verschärft.

Man muss davon ausgehen, dass einschränkende Schutzmaßnahmen für die Bewohner noch viele Monate, vielleicht sogar Jahre, notwendig bleiben. Der BIVA-Pflegeschutzbund fordert von allen Verantwortlichen daher, grundrechtseinschränkende Maßnahmen verhältnismäßig zu treffen und die Befristung klar zu formulieren. Alle Beteiligten – die Einrichtungen voran – sind jetzt gefordert, angemessene neue Ideen für den Umgang mit den Gefahren der Ansteckung zu entwickeln. Diese können von besonderen Hygienemaßnahmen bis zu digitalen Lösungen reichen. Zu einem würdigen Leben in einer Pflegeeinrichtung gehören auch zwischenmenschliche Beziehungen und die Begegnungsmöglichkeit mit den Angehörigen.
Quelle: https://www.biva.de/positionspapier-besuchsbeschraenkungen-pflegeheim/



Besuchseinschränkungen in Alten- und Pflegeheimen wegen Corona
Die Regelungen in den einzelnen Bundesländern


—– Aufgrund der aktuellen Krise überschlagen sich die Ereignisse und es ist fast nicht möglich, alle Einzelregelungen zu überblicken. Wir bemühen uns um größtmögliche Aktualität und aktualisieren diesen Artikel fortlaufend – wir können dafür aber nicht garantieren. Zuletzt aktualisiert: ... Uhr—-

[zurr Übersicht >>]

Umfrage: Wir möchten Ihre Erfahrungen mit den derzeitigen Besuchsrechten Ihrer/Ihres Angehörigen sammeln. Nehmen Sie sich bitte kurz Zeit und berichten Sie darüber, wie Ihre Einrichtung mit der Krise umgeht: https://www.surveymonkey.de/r/heimbewohner-besuchen
« Letzte Änderung: 31. März 2020, 00:47 von admin » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 28. März 2020, 02:52 »

Zitat
Besuchssperren wegen Corona:
„Bleib bloß weg, hat sie gesagt“


Wie gehen Angehörige und Bewohner:innen damit um, dass sie wegen der Corona-Pandemie ihre Lieben nicht sehen können? Fünf Protokolle von Betroffenen.

von Teresa Wolny - Freie AutorIn | taz 20.03.2020

Bettina Peters besucht ihre Mutter normalerweise vier Mal pro Woche in einem Pflegeheim in Bremen-Schwachhausen. Als Heimfürsprecherin vertritt sie die Interessen der Menschen im Heim

Seitdem ich sie nicht mehr besuchen kann, telefoniere ich jeden Tag mit meiner Mutter. Die Heimleitung hat mich telefonisch über das Besuchsverbot informiert, das ich verstehe. Auf keinen Fall möchte ich das Virus in die Pflegeeinrichtung tragen.

Meine Mutter, die 78 ist, findet die Entscheidung ebenfalls richtig. „Bleib bloß weg“, hat sie gesagt. Für andere Menschen im Heim ist es jedoch teilweise nur schwer nachvollziehbar, was draußen passiert.

Wir sind alle verunsichert aufgrund der Situation und haben alle ein bisschen Angst. Ich bin dankbar, dass Politik und Heimleitung diese Maßnahmen ergriffen haben. Das Pflegepersonal ist sehr liebevoll und im Moment ist eine Einrichtung schließlich auch ein Ort, wo sich jemand um die Menschen kümmert. Ich finde es wichtig, Pflegeheime als Orte zu betrachten, wo Menschen gut aufgehoben sind, oft besser als bei sich zu Hause. Die alten Menschen, die jetzt isoliert zu Hause sind, vereinsamen total. Bei meinem Vater etwa kommt zwar noch der Pflegedienst, der ist aber nicht da, um Gesellschaft zu leisten, dafür fehlt die Zeit. Im Heim versucht man so gut wie möglich aufzufangen, was jetzt an Kontakt fehlt.

Bei mir hat sich bisher auch noch niemand gemeldet und sich über die Maßnahmen beschwert. Die Trauer, sich nicht mehr sehen zu können, ist natürlich trotzdem da. Aber wir müssen unsere Alten schützen, sie sind nun mal Risikogruppe.

Michaela Babitzke, besucht ihren Sohn normalerweise täglich in seiner Einrichtung in Bremen-Nord

Mein Sohn lebt in einem Heim für junge Erwachsene mit Schädel-Hirn-Trauma. Wir als Angehörige wurden schon vor zwei Wochen telefonisch über die Besuchssperre informiert, weil es einen Verdachtsfall gab, der sich allerdings nicht bestätigt hat. Am Anfang hielt ich das für übertrieben, das hat sich im Laufe der Zeit aber geändert. Es ist natürlich traurig und es fällt mir extrem schwer, dass ich meinen Sohn nicht sehen kann, andererseits möchte ich auch, dass er geschützt wird.

Normalerweise sehen wir uns täglich, das letzte Mal ist jetzt zwei Wochen her. Eigentlich haben wir ihn an einem Wochenendtag bei uns zu Hause, auch das geht nicht mehr.

Auch für das Pflegepersonal ist die Situation nicht leicht, einige Angehörige machen sich so große Sorgen, dass sie durch die Fenster schauen, da gibt es durchaus auch Misstrauen. Mein Sohn ist zwar aus dem Wachkoma raus, braucht aber wie die anderen Patienten jeden Tag Therapie und Mobilisierung. Auch diese Therapien sind aber nur noch sehr, sehr eingeschränkt möglich, obwohl gerade junge Menschen ganz besonders viel Input brauchen. Die Sozialpädagogin im Haus versucht da gerade, ein Programm aufzubauen.

Ich habe das Gefühl und bin froh darüber, dass man sich über die Lage Gedanken macht. Mein Sohn kann nicht sprechen, aber er bekommt viel mit, mithilfe eines Pflegers konnte ich zumindest am Telefon mit ihm reden. Wir sind gerade erst am Anfang, eine Kommunikation über Pupillenbewegungen am Computer aufzubauen. Das pausiert jetzt allerdings alles und es wird Rückschritte geben.

Gestern konnte ich meinen Sohn kurz sehen, eine Pflegerin hat seinen Rollstuhl vor eine Zwischentür geschoben. Es gibt Schilder, auf denen „Bis hierhin und nicht weiter“ steht. Das war für mich okay. Zwar war das eine Ausnahme, aber da mein Sohn nächste Woche Geburtstag hat, ist es dann hoffentlich wieder möglich, ihn zumindest auf diese Art zu sehen.

Jonas Korte, besucht seinen Vater normalerweise vier Mal pro Woche in einem Pflegeheim in der Bremer Neustadt

Schon das letzte Mal vor einer Woche waren Besuche bei meinem Vater nur noch eingeschränkt möglich. Es wurde darum gebeten, sie auf zwei Mal pro Woche und auf eine Kontaktperson einzuschränken. Das hatte ich auch für sinnvoll gehalten. Wegen der schnellen Veränderungen ist die Informationslage momentan etwas schwierig: Einen Tag, nachdem der Brief mit der Ankündigung der moderaten Einschränkungen kam, wollte ich meinen Vater noch einmal besuchen. Das war dann schon nicht mehr möglich und ich habe den Kuchen, den ich ihm mitgebracht hatte, dem Pflegepersonal übergeben. Das soll wohl auch weiterhin gehen.

Vor der Einrichtung stehen große Schilder, auf denen „Stopp, keine Besuche“ steht. Ich mache mir keine wahnsinnigen Sorgen, sondern gehe mit der Sache eher pragmatisch um, man kann an der Situation mit Corona derzeit nichts ändern. Eine andere Frage ist allerdings, wie das weitergehen soll. Irgendwann werden die Maßnahmen gelockert werden müssen und ich frage mich, ob es dann zu einer zweiten Welle kommt. Mit den geschlossenen Heimen ist die Lage relativ sicher, aber das Risiko erhöht sich wahrscheinlich, wenn die Pflegeheime die Tore wieder öffnen.

Ich versuche, meinen Vater momentan täglich anzurufen. Er ist 69 und durch seine Krankheit eingeschränkt, ist aber im Pflegeheim mobil und besitzt ein Handy. Es klappt allerdings nicht immer, ihn zu erreichen. Bisher sind die Telefonate eher oberflächlich, ich glaube aber, dass er mit der Situation momentan relativ gut zurechtkommt.

Sabine Albrecht, geht normalerweise wöchentlich mit ihrem Sohn schwimmen, der in einem Wohnheim für schwerstbehinderte Menschen in der Bremer Neustadt lebt

Gestern wurden mein Mann und ich angerufen und über die Besuchssperre informiert. Unser Sohn ist 36 Jahre alt und lebt seit 17 Jahren in einem Wohnheim mit 25 schwerstbehinderten Menschen. Das letzte Mal habe ich ihn vor einer Woche gesehen, als wir wie jeden Freitag mit ihm schwimmen gegangen sind. Wie viele im Wohnheim, sitzt er im Rollstuhl, als Gehörloser ist er noch einmal besonders eingeschränkt, weil die körperliche Zuwendung dann besonders fehlt und es auch keine Möglichkeiten gibt, zu telefonieren.

Es fällt uns schwer, ihn jetzt nicht mehr sehen zu können. Die Einrichtung hat allerdings angeboten, dass Angehörige mit den Menschen im Rollstuhl spazieren gehen können, wenn sie die Abstandsregeln einhalten. Das ist natürlich erst mal gut, allerdings halte ich es bei schwerbehinderten Menschen für schwer umsetzbar, wirklich nur hinter dem Rollstuhl zu bleiben.

Meine anderen Kinder sind außerdem strikt dagegen, dass wir Eltern das machen, da wir ebenfalls zur Risikogruppe gehören. Das Virus macht uns durchaus Angst. Wir hatten auch überlegt, unseren Sohn zu uns nach Hause zu holen, aber auch das ist keine Lösung, weil wir das körperlich über einen längeren Zeitraum schlicht nicht können. Unsere beiden anderen Kinder kümmern sich auch und können jetzt also mit ihrem Bruder spazieren gehen, dieses Glück haben nicht alle.

Herwarth Poppe, bekommt normalerweise regelmäßig Besuch in seinem Pflegeheim in Bremen Horn, wo er Vorsitzender des Bewohnerbeirats ist

Seit gestern sind auch hier die Besuche gesperrt worden. Ich kann das gutheißen, denn wir sehen ja, wie es in Italien aussieht und ich glaube, dass wir den Ausgangssperren auf diese Weise aus dem Weg gehen könnten. Ich bin nicht immer der Meinung der Bundeskanzlerin, diesmal stimme ich aber voll und ganz mit ihr überein. Ich habe viele Kontakte, aber es ist nicht so, als ob ich von der Menge von Besuchen abhängig wäre. Man kann schließlich telefonieren und ich fühle mich außer dem Essen hier ganz wohl.

Natürlich gibt es Leute, die das Besuchsverbot bejammern und mit denen ich deswegen auch diskutiert habe. Auch ich habe Kinder, die gerne kommen würden, aber wir sollten uns jetzt so diszipliniert verhalten, dass wir einer Ansteckung aus dem Weg gehen. Das fällt mir durchaus nicht leicht, aber ich habe mich in meinem Leben schon auf viele Situationen einstellen müssen. Ich bin 84 und hab noch das Ende des zweiten Weltkriegs mitgekriegt. Es ist, wie es ist.

Quelle: https://taz.de/Besuchssperren-wegen-Corona/!5669259/

* taz-HB_Besuchssperren_200320.pdf (967.66 KB - runtergeladen 5 Mal.)
« Letzte Änderung: 28. März 2020, 02:58 von admin » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 28. März 2020, 02:31 »

Zitat
Bremer Klinikkonzern
Geno will Infizierte arbeiten lassen

von Jürgen Theiner und Carolin Henkenberens 19.03.2020

Ist ein Einsatz Corona-infizierter Mitarbeiter am Krankenbett denkbar? Der Bremer Klinikkonzern Gesundheit Nord bejaht das grundsätzlich. Ein entsprechendes Rundschreiben an die Mitarbeiter sorgt für Wirbel.

Im Zeichen der Corona-Krise zeigt das Bremer Gesundheitswesen erste Stresssymptome. In der Belegschaft des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) sorgt seit Dienstag ein Rundschreiben der Konzernspitze für große Irritationen.

In der Mitarbeiterinformation geht es unter anderem um das Verhalten des Personals bei eigener Covid-19-Ansteckung. Dabei werden mehrere Szenarien beschrieben. Eines davon: „Ich bin selbst mit dem Corona-Virus infiziert, fühle mich aber gut. Auch in diesem Fall kann ich grundsätzlich weiter arbeiten“, heißt es in dem Schreiben wörtlich. Vorher sei aber mit den Hygiene-Experten der Geno Rücksprache zu halten.

Diese Ansage der Geno-Spitze hat viele Beschäftigte aufgebracht. „Das ist in dieser Form nicht tragbar“, sagte ein Arzt, der an einer der beiden Corona-Ambulanzen der Geno beschäftigt ist, dem WESER-KURIER. Selbst wenn infizierte Kollegen mit einem Mund-Nasen-Schutz ausgestattet seien und alle Hygiene-Regeln befolgten, könne es nicht sein, dass sie Nicht-Corona-Patienten behandeln. So sieht das auch Bremens führender Experte, Andreas Dotzauer, Leiter des Laboratoriums für Virusforschung an der Universität Bremen: „Das irritiert mich.“ Für denkbar hält Dotzauer einen Einsatz infizierten Personals erst zwei bis drei Wochen nach Symptombeginn, wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. „Vorher geht das nicht, selbst wenn ein Arzt oder Pfleger eine Maske trägt.“

Empfehlung war abgestimmt

Nach Darstellung von Geno-Sprecherin Karen Matiszick war die Empfehlung in der Mitarbeiter-Information mit den Infektiologen des Klinikverbundes abgestimmt. Natürlich sei es weder wünschenswert noch angestrebt, dass Corona-infizierte Mitarbeiter im Krankenhausalltag eingesetzt werden. „Es könnten aber im weiteren Verlauf der Pandemie Situationen entstehen, in denen wir jede ­helfende Hand gebrauchen können“, sagt ­Matiszick.

Unterdessen richten sich nicht nur die Geno-Häuser, sondern auch die übrigen Bremer Kliniken auf steigende Corona-Patientenzahlen ein. Noch sind nur wenige Infizierte auf eine Behandlung im Krankenhaus angewiesen. „Wir rechnen damit, dass sich das rasant ändern wird“, sagt Karen Matiszick. Im Land Bremen gibt es laut Gesundheitsressort 314 Intensivbetten und 31 Betten in der Intensivüberwachungspflege, einer Zwischenstufe zwischen Normal- und Intensivstation. Die Zahl der Intensivbetten sei im Bundesvergleich ein guter Wert, so Matiszick. Sie werde aber weiter aufgestockt.

Um dem Personalengpass zu begegnen, würden Ruheständler oder Angestellte aus den Krankenpflegeschulen angeschrieben. Man habe auch Mitarbeiter der Verwaltung mit entsprechender Qualifikation aufgerufen, wieder in den Dienst am Patienten einzusteigen. „Es ist eine ernste Lage, wir merken aber auch eine unglaubliche Bereitschaft der Mitarbeiter, diese Herausforderung zu stemmen“, sagt Matiszick. Ärzte und Pfleger verschöben etwa bereitwillig ihren Urlaub.

Schutzkleidung und Masken

Auch das Rotes-Kreuz-Krankenhaus in Bremen versucht, möglichst viele Betten auf der Intensivstation freizuhalten. Operationen, die sich verschieben lassen, werden abgesagt, sagt Sprecherin Dorothee Weihe. Auch das Personal rotiere: Wer die entsprechende Qualifikation habe, wechsele von einer Normal- auf eine Intensivstation. Bei einigen werde mittels Schulungen das entsprechende Wissen aufgefrischt. Ein täglicher Krisenstab beratschlage über die Schritte. Eine der drängendsten Fragen des Krankenhauspersonals ist der Sprecherin zufolge, ob die vom Gesundheitsministerium georderte Ausrüstung wie Schutzkleidung und Masken rechtzeitig ankommt.

Klarheit besteht seit Mittwoch darüber, wann genesene Corona-Patienten ihre häusliche Quarantäne beenden können. Zu dieser Frage hatten Betroffene in den vergangenen Tagen zum Teil sich widersprechende Informationen vom Bremer Gesundheitsamt erhalten. Das Robert-Koch-Institut hat hierzu jetzt eindeutige Vorgaben gemacht. Demnach gelten Corona-Infizierte, die bei leichtem Krankheitsverlauf häuslich interniert waren, als aus der Quarantäne entlassen, sofern der Symptombeginn mindestens 14 Tage zurückliegt und seit 48 Stunden keine Symptome mehr erkennbar waren. Voraussetzung für die Beendigung der Quarantäne ist zudem eine vorherige Rücksprache mit dem Hausarzt. Für Patienten mit schweren Verläufen, die zeitweilig im Krankenhaus behandelt wurden, gilt: Ende der häuslichen Isolierung frühestens 14 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Wie lange hält sich das Coronavirus auf ­Oberflächen? Können Kinder noch mit den Nachbarskindern spielen? Diese und andere ­Fragen von WESER-KURIER-Lesern beantwortet ­Professor Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen, im Podcast unter www.weser-­kurier.de/virologe.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-geno-will-infizierte-arbeiten-lassen-_arid,1903737.html
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« Antworten #1 am: 28. März 2020, 02:26 »

Zitat
Coronavirus und die Folgen
„Angst kann auch ansteckend sein“

von Sabine Doll 11.03.2020

Die Bremer Gesundheitspsychologin Sonia Lippke über die Angst vor dem Coronavirus, Erfahrungen aus früheren Ausbrüchen und darüber, warum Menschen in solchen Zeiten anfälliger sind für Verschwörungstheorien.

Frau Lippke, Menschen bevorraten sich mit Lebensmitteln und Toilettenpapier. Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind ausverkauft. Warum ist die Angst so groß vor dem Coronavirus?

Sonia Lippke: Risiken sind für Menschen grundsätzlich immer bedrohlich. Wenn man an andere gesundheitliche Risiken denkt, wie etwa an die Grippe, daran sind wir ein stückweit gewöhnt. Sie kommt jedes Jahr, beginnt im Herbst und ist im März oder April wieder weg, viele Menschen sind betroffen, man kann sich dagegen impfen lassen. Wenn man sich selbst ansteckt, bleibt man zu Hause, kuriert sich aus, und die Erkrankung ist in der Regel nach zwei Wochen überstanden. Insofern ist die Grippe etwas Normales und Beherrschbares. Und das, obwohl auch jedes Jahr Tausende Menschen in Deutschland daran schwer erkranken und leider auch einige daran versterben.

Was ist jetzt anders – abgesehen davon, dass das Coronavirus neu ist?

Die Medienaufmerksamkeit ist viel größer. Es wird viel mehr darüber berichtet, wie groß die Ansteckungsgefahr ist, wie viele Menschen weltweit täglich daran erkranken und auch sterben. Das Virus kommt aus China herübergeschwappt, und es ist nicht gewöhnlich. Das bedeutet: Menschen fühlen sich einer Bedrohung ausgesetzt, die sie als nicht kontrollierbar wahrnehmen und womit sie keine Erfahrung haben. ...

[zum vollständigen Artikel >>]


Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-angst-kann-auch-ansteckend-sein-_arid,1902389.html

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« am: 14. März 2020, 02:36 »

"Corona-Pandemie" - Gesetzliche Anordnungen sorgen für große Schäden

Seit Wochen berichten Medien in immer kürzeren Abständen über Corona-Infizierte und Tote aus der ganzen Welt und auch aus Deutschland. Auffällig ist daran, dass anfänglich keine weiteren Hintergrundinfos bekannt wurden über Alter und weiterer Erkrankungen der vom Corona-Virus infizierten Menschen. ...

Und in der nun als "Pandemie" eingestuften Situation werden Kitas, Schulen und andere Einrichtungen geschlossen, werden zig Veranstaltungen abgesagt, Pflegeeinrichtungen für Angehörige geschlossen und so weiter.

Ist das alles notwendig und gerechtfertigt? Die wahrscheinlich größte Ansteckungsmöglichkeit besteht meiner Meinung nach in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zigtausend Pendler fahren morgens und abends jeden Tag von A nach B und stehen teilweise dicht gedrängt in den Fahrzeugen oder sitzen in Großraumabteilen der Bahn. Anschließend sitzen sie - möglicherweise auf der Fahrt schon angesteckt - in ihren Großraumbüros. Komisch, dass die Politiker das ignorieren ;-)

Der wirtschaftliche Schaden durch die eingeleiteten Massnahmen ist noch nicht absehbar, dürfte aber ein ähnliches Ausmaß annehmen, wie damals die Bankenkrise. Ob das den politischen Entscheidungsträgern wirklich bewußt ist?



Zitat
BUNDEGESUNDHEITSMINISTERIUM
SARS-CoV-2 / Covid-19 - Tagesaktuelle Informationen zum Coronavirus

Stand: 13.03.2020

Am 12. März hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Ministerpräsidenten der Länder über den aktuellen Stand der Ausbreitung des Coronavirus informiert. „In dieser Zeit ist es wichtig, dass Bund und Länder gut zusammenarbeiten“, so Spahn. Ein wichtiger Beschluss der Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder war, dass sich die Krankenhäuser in Deutschland auf den erwartbar steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von schweren Atemwegserkrankungen durch COVID-19 konzentrieren. ... [>>]
Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/
« Letzte Änderung: 14. März 2020, 02:58 von admin » Gespeichert

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