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Titel: 22.08.2013, Lilienthal: Pflege-Protestmarsch + Podiumsdiskussion
Beitrag von: admin am 16. August 2013, 15:18
(http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?action=dlattach;topic=1601.0;attach=1338;image)

[Presse-Info >>] (http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?topic=1950.0)

Zitat
Organisator rechnet mit über 500 Teilnehmern aus der Region

„Pflegepersonal wird verheizt“: Demonstration in Lilienthal


Von Michael Wilke

Lilienthal. "Es brennt in der Pflege", sagt Werner Kollmitz. "Es kocht nicht nur, es brodelt bald über. Das Personal wird verheizt." 30 Jahre hat der Lilienthaler in der Pflege gearbeitet, zehn Jahre saß er in der Mitarbeitervertretung der Diakonie. Jetzt organisiert er eine Demonstration. Seit Wochen versucht der 63-Jährige, Berufskollegen, Heimleitungen und Pflegedienste zu mobilisieren. "Alle machen mit, Altenpflegeheime, Krankenhäuser und ambulante Pflegedienste, Arbeitgeber und Arbeitnehmer", erklärt Kollmitz. "Lilienthal ist dabei, Worpswede ist dabei, Osterholz-Scharmbeck, Achim, Oyten und Fischerhude. In Bremen wollen auch viele mitziehen."

Am Donnerstag, 22. August, soll die Demo starten. Die Protestierer treffen sich um 17.30 Uhr zwischen Kanu-Scheune und Borgfelder Landhaus. Sie ziehen über die gesperrte Hauptstraße bis zur Eisdiele und dann durch die Klosterstraße und die Apothekenstraße. Über die Hauptstraße, Bahnhofstraße und Jan-Reiners-Weg geht es zurück zum Borgfelder Landhaus.

Werner Kollmitz rechnet mit über 500 Teilnehmern und hofft, dass sich viele Bürger einreihen, um die Politiker unter Druck zu setzen. "Es muss mehr Geld ins Pflegesystem. Wir brauchen eine Diskussion über Menschenwert und Menschenwürde."

Das große Medienecho auf einen Fall von Gewalt in der Pflege hat Kollmitz animiert, sich zu engagieren. Mit versteckter Kamera hatte ein Angehöriger Misshandlungen dokumentiert. So wurde sichtbar, wie eine Pflegerin eine 85 Jahre alte Frau beschimpfte, schubste und an den Haaren zog. Hier gehe es nicht um Boshaftigkeit oder Versagen, betont Kollmitz. Sondern darum, "dass die Leute so gestresst sind, dass sie nicht mehr können".

In Deutschland versorge eine Pflegekraft im Durchschnitt zwölf alte Menschen. Über 30 Prozent der Arbeitszeit gingen für Verwaltungsarbeiten und die gesetzliche geforderte Dokumentation aller Pflegearbeiten drauf. "In 24 Stunden hat ein Mitarbeiter 50 Minuten Zeit für einen pflegebedürftigen Menschen." Der Druck wachse, weil Altenpflegeheime und Pflegedienste gezwungen seien, beim Personal zu sparen. Die Pflege sei chronisch unterfinanziert. Leidtragende seien Mitarbeiter und Pflegebedürftige. Viele alte Menschen litten an Druckgeschwüren. "Die Leute liegen sich wund", sagt Kollmitz. "Wenn nichts mehr geht, kommen sie ins Krankenhaus."
Quelle: www.weser-kurier.de / Osterholzer Kreisblatt, 14.087.2013