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Autor Thema: Qualifizierte Leichenschau: Mehr Aufklärung nicht natürlicher Todesfällen  (Gelesen 23537 mal)
admin
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« Antworten #8 am: 22. Oktober 2009, 19:38 »

"Ein von der Politik ungeliebtes Thema"

Als der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel im Sommer seine Studie zum Pflegezustand älterer Menschen vorstellte, war die Empörung groß. Drei Monate später ist von greifbaren Ergebnissen wenig in Sicht


INTERVIEW FRIEDERIKE GRÄFF

taz: Ist die Aufmerksamkeit für die Situation älterer Menschen in Hamburg schon wieder erlahmt, Herr Püschel?

Klaus Püschel: Ich habe keine nachhaltigen Reaktionen wahrgenommen, vor allem keine systematischen. Es wurden keine Verfahren geändert, es gibt keine aktive Öffentlichkeitsarbeit, es werden keine Leitlinien, Überprüfungen oder Fortbildungen gemacht. Das Einzige, was ich wahrgenommen habe, ist eine Sitzung des Sozialausschusses in Hamburg gewesen.

Es soll eine sektorenübergreifende Erfassung von Durchliegegeschwüren geben.

Da ist es dringlich erforderlich, dass es wirklich zur Umsetzung kommt.

Im Ausschuss haben Sie das Angebot gemacht, bei auffällig schlechtem Pflegezustand den Sterbeort öffentlich zu machen. Gab es ein Interesse der Politik daran?

Bisher nicht.

Skeptiker sagen, dass Verbesserungen im Qualitätsmanagement eher über ein Einbinden der Institutionen als über Kontrollmaßnahmen gelängen.

Das ist auch meine Meinung. Aber ich sehe den anderen Weg nicht beschritten. Es ist jetzt meine Überlegung, wie man überhaupt Bewegung in dieses Feld bringen kann. Und wenn es auch mit dem runden Tisch und Coaching nicht zu etablieren ist, fragt man sich, ob das System der Kontrolle und öffentlichen Benennung nicht leichter einzurichten ist und ob es auch funktioniert.

Gab es nach Ihrer ersten Studie 1999 zum Thema greifbare Veränderungen?

Es gab einen runden Tisch zum Thema Pflege. Daraufhin wurde die Dokumentation des Pflegezustands sehr viel besser, es gab Fortbildungen und allmählich ein wirkliches Bewusstsein, um die Durchliegegeschwüre zu verhindern. Deren Zahl hat in der Folge abgenommen, und es gab weitere wissenschaftliche Untersuchungen zusammen mit dem Albertinen-Krankenhaus.


Hat die Öffentlichkeit zehn Jahre später das Gefühl, dass das Ende der Fahnenstange erreicht ist?


Entweder habe ich nicht den richtigen Nerv getroffen oder nicht den richtigen Zeitpunkt. Vielleicht bräuchte man mehr Rückendeckung von anderen. Oder man müsste andere Wege beschreiten: Es ist ja sehr bedrückend zu sehen, dass manchmal die Skandalisierung von Einzelfällen zu mehr Dynamik führt als eine anonyme systematische Darstellung.

Sie sprechen in Ihrer Studie von Menschen, "die im Schatten stehen". Was meinen Sie damit?

Ich meine alle, die mit dem Alter in zunehmende Isolation kommen und zunehmend krank sind. Ich fürchte, dass es eine vergleichbar große Gruppe ist.


Im Krankenhaus und Pflegeheim ließen sich mehr Kontrollen einrichten. Fallen gerade die zu Hause Gepflegten durch die Maschen?

Die häusliche, familiäre Pflege ist natürlich besonders zugewandt. Auf der anderen Seite gibt es da große Defizite, weil sich die Leute oft wenig mit Pflege auskennen. Da fehlt die Kontrollinstanz ganz.

Fehlt es an Ideen oder an der Bereitwilligkeit, Geld auszugeben?

Ich denke, das Hauptproblem ist die fehlende Kreativität beim Bereitstellen der Gelder. Es gab bereits viele Vorschläge und Initiativen, aber es ist ein von der Politik ungeliebtes Thema. Ich frage mich, wo der politische Wille dieser Menschen wahrgenommen wird - und wie wählen sie eigentlich?


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Die Alters-Studie

Für die im Juli dieses Jahres vorgelegte Studie zur Situation älterer Menschen in Hamburg und Umgebung hat Klaus Püschel mit KollegInnen 8.518 Verstorbene ab dem 60. Lebensjahr obduziert.

 Über drei Prozent der Obduzierten hatten ein Durchliegegeschwür 3. oder 4. Grades. Davon waren 38 Prozent im Krankenhaus verstorben, 35 Prozent im Pflegeheim, 23 Prozent im privaten Bereich, vier Prozent im Hospiz.

 35 Prozent der Verstorbenen waren eher übergewichtig, 15 Prozent eher untergewichtig. Nur rund ein Prozent von 1.224 Obduzierten besaß die Lebensqualität verbessernden Zahnimplantate.

 Das Risiko älterer Menschen, einsam zu sterben, steigt. Etwa ein Drittel der Wohnungen der längere Zeit vor ihrem Tod vermissten Menschen war verwahrlost.

 Eine ähnliche, bundesweit beachtete Studie hatte Püschel bereits 1999 vorgelegt. Deren Ergebnisse sind aber nur begrenzt mit der aktuellen vergleichbar.

Quelle: http://www.taz.de - mit freundlicher Genehmigung der Autorin und der taz - die tageszeitung  Küsschen
« Letzte Änderung: 22. Oktober 2009, 19:44 von admin » Gespeichert

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« Antworten #7 am: 03. August 2009, 00:32 »

Systematische Vernachlässigung der Alten in einem der reichsten Länder der Welt

Kommentar von Ursula Biermann, Buchautorin und Wissenschaftsjournalistin

Das, was das UKE in seiner Studie veröffentlicht, ist nichts Neues, sondern seit Jahren bekannt, wird mmer wieder publiziert und regelmäßig ignoriert. Die Missstände in deutschen Pflegeheimen sind weltweit in der Kritik. So forderten die Vereinten Nationen die Bundesregierung bereits 2001 auf, »eilige Maßnahmen« zur Verbesserung der Situation Pflegebedürftiger in deutschen Heimen zu ergreifen - ohne spürbare Reaktion. Ein Vertreter der UN-Menschenrechtskommission aus der Ukraine zeigte sich damals empört über »die Arroganz der Deutschen«, die von anderen Ländern die Menschenrechte einfordern, die eigenen Alten aber in Pflegeheimen verhungern und verdursten lassen. Heute, acht Jahre später, ist immer noch nichts passiert, um die Situation wesentlich zu verbessern und die Menschen in Würde alt werden zu lassen:

Viele der Probleme entstehen in Krankenhäusern und Pflegeheimen durch den Mangel an Pflegepersonal, vor allem an qualifizierten Kräften. Die Unterbesetzung wird in vielen Einrichtungen durch den massiven Einsatz von Psychopharmaka kompensiert, durch die die Alten ruhiggestellt werden, damit sie weniger Pflegeaufwand erfordern. Die Nebenwirkungen sind aber nicht nur geistige Verwirrung, sondern auch massive Koordinationsschwierigkeiten, weswegen es oftmals zu Stürzen und Verletzungen kommt. Ein Teufelskreis: denn um dies zu verhindern werden alte Menschen in Krankenhäusern und Pflegeheimen mit Gurten fixiert mit manchmal fatalen Folgen: die alten Menschen verheddern sich in den Gurten und es kommt zu Strangulationen, wie die Studie von Prof. Dr. Andrea Berzlanovich, Professorin am Institut für Rechtsmedizin der Ludwig- Maximilian-Universität in München, belegt. Eine Fixierung bedarf immer der Zustimmung eines Richters - weder Pflegepersonal noch Ärzte können sie ohne dessen ausdrückliche Genehmigung vornehmen. Dieses Gesetz wird jedoch regelmäßig übergangen.

Viele Patienten bemängeln, dass notwendige Medikamente oft nicht verabreicht werden - mit dem Hinweis darauf, dass es sich bei den gesundheitlichen Beschwerden nur um gewöhnliche Alterserscheinungen handele. Umfragen zufolge leidet etwa die Hälfte aller Menschen über 65 Jahren häufig unter Schmerzen. Prof. Dr. Gerd Glaeske, Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, belegt in seiner Studie, dass 80 Prozent der Älteren mit Schmerzmitteln unterversorgt sind. Einem Patienten die schmerzlindernde Spritze zu versagen ist eine eindeutige Diskriminierung und die Verweigerung medizinischer Hilfe. Klaus Kutzer, Vorsitzender Richter am Bundesgerichtshof a.D. erklärt ausdrücklich, dass es einen Rechtsanspruch auf eine ausreichende Schmerztherapie gibt. Trotzdem bekommen sie viele nicht.

Grund für dieses Verhalten gegenüber der Alten ist deren mangelnder Stellenwert in unserer Gesellschaft. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit hat sich in Deutschland inzwischen eine Drei-Klassen-Medizin etabliert. Neben der Unterteilung in Privat- und Kassenpatienten gibt es die Gruppe der älteren Patienten. in Deutschland werden für sie Gesundheitsleistungen längst rationiert, selbst wenn sie ihnen laut Gesetz zustehen. Besonders dann, wenn keiner ihre Ansprüche einfordert, sind sie einem Gesundheitssystem ausgeliefert, das sie mehr und mehr außen vor lässt. Denn es wird ihnen vorgeworfen, den Großteil der finanziellen Ressourcen der Krankenkassen für sich zu verbrauchen. Tatsächlich belegt aber eine Studie der Bremer Sozialwissenschaftlerin Hilke Brockmann, dass sie mit zunehmendem Alter weniger Mittel für sich in Anspruch nehmen. Trotzdem werden ihnen notwendige Therapien oft verweigert, wie zum Beispiel Reha-Maßnahmen, die einem älteren Menschen nach einem Schlaganfall oder einer Operation erst wieder ermöglichen, selbstständig zu leben, ohne zum Pflegefall zu werden.

Damit sich - auch im Sinne der Abmahnung der Vereinten Nationen - die Situation in Deutschland verbessert, müssen viel mehr Pflegekräfte eingestellt werden: Zigtausende in Krankenhäusern, Pflegeheimen und im ambulanten Pflegedienst. Die Arbeitsbedingungen der Kräfte in Altenarbeit, Geriatrie und Gerontopsychiatrie müssen verbessert werden. Nur so kann dafür gesorgt werden, dass die hohe Fluktuation in diesen Berufsfeldern sinkt. Dazu gehört auch, dass das Pflegepersonal im Falle von Missständen anonym ein Anzeigerecht bei Aufsichtsbehörden haben muss. Bisher wird Personal, das Missstände meldet, in der Regel einfach entlassen.

Pflegeheime sollten zurückgebaut und die Menschen stattdessen in Alters-WGs, Mehrgenerationenprojekten und dergleichen versorgt werden - nach den Vorbildern von Belgien, Dänemark und Holland, wo mehr und mehr vom ambulanten Pflegedienst übernommen werden kann. Die Menschen sollten sich von unabhängigen Pflegediensten versorgen lassen, sodass sie bis zu ihrem Ende selbst bestimmen können, wie und durch wen sie gepflegt werden sollen. Wir brauchen neue Rehabilitationskonzepte die sich stärker an individuellen Bedarfslagen und Bedürfnissen orientieren und die Mobilität älterer Menschen wieder herstellen. Hausärzte müssen in Geriatrie fortgebildet werden, sie sollte ein Schwerpunkt hausärztlicher Versorgung werden. Sie sollten Fachärzte für Geriatrie unterstützen, die aber auch erst ausgebildet werden müssen. Wir brauchen ein flächendeckendes Netz von Palliativteams, die Schwerstkranke und Sterbende zu Hause versorgen können, mit angemessener Honorierung durch die Krankenkassen. Überhaupt müssen die Gelder anders verteilt werden. Das heißt: das Pflegepersonal in Krankenhäusern und Heimen muss für seine anstrengende Arbeit ein entsprechend attraktives Gehalt bekommen. Heime müssen besser kontrolliert werden, was sie mit den Geldern machen. Personal, das als bezahlt ausgewiesen wird, muss vorhanden sein und nicht nur auf dem Papier auftauchen.

Das sind nur einige wenige der Punkte, die sich ändern müssten um eine gute und selbstbestimmte Pflege zu gewährleisten, damit Menschen in Würde altern können. Wichtig ist aber auch die Selbsthilfe: die Pflege von Freundschaften, so dass im Notfall Freunde eine angemessene Versorgung einfordern und überwachen, wenn man selbst nicht mehr dazu in der Lage ist.



Über Ursula Biermann
Ursula Biermann bereiste in den 70-er Jahren über zehn Jahre mit einem Freien Fernsehteam verschiedene afrikanische Länder und berichtete für die ARD, den Weltspiegel, die BBC und andere TV-Sender. Seit 1983 lebt sie als Freie Wissenschaftsjournalistin in Freiburg und arbeitet seitdem regelmäßig für den SWR, ARTE und 3Sat. Sie arbeitete als Lehrbeauftragte für Wissenschaftsjournalismus. Ihr Buch »Der Alte stirbt doch sowieso«. Der alltägliche Skandal im Medizinbetrieb erschien 2009 im Herder Verlag.

Quelle: http://diegesellschafter.de/tagebuch/eintrag.php?eid=1270 - Mit freundlicher Genehmigung der Autorin
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« Antworten #6 am: 14. Juli 2009, 20:23 »

Die Pflegesysteme sind reformbedürftig

(openPR) - Neuer Pflegebedürftigkeitsbegriff mit leistungsrechtlichen Folgerungen, deutliche Personalausweitungen und eine angemessene Stärkung der Angehörigenrechte sind überfällig!

Das Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) hat am 08.07.2009 in einer umfangreichen Pressemitteilung die Ergebnisse einer neuen Studie zur Versorgung älterer Menschen in Hamburg vorgestellt. Im Rahmen dieser Studie wurden mehrere Aspekte zur medizinischen Versorgung älterer Menschen gleichzeitig parallel analysiert. Es ging dabei u.a. um die bereits seit Jahren aufgrund von MDK-Prüfungen bekannten Mängel in den Bereichen Mobilität, Ernährung und Mundgesundheit.

Prof. Dr. Klaus Püschel, Leiter der Rechtsmedizin am UKE, bemerkte dazu u.a.:

„Die hier präsentierte Basisdokumentation zur Situation älterer Menschen in Hamburg und Umgebung lehrt uns allerdings wenn auch nicht das Fürchten, so doch eine erhebliche Skepsis. Unsere Problembeschreibung und die daraus resultierende Zukunftsangst haben einen realen Kern. Der demographische Wandel droht uns zu überrollen. Dieser Konflikt muss entschärft werden.“

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk nimmt die Hamburger Studie nochmals zum Anlass, bereits früher erhobene Forderungen bezüglich der notwendigen Reformmaßnahmen zu wiederholen:

Das Pflegeversicherungssystem (SGB XI) muss – im Zusammenwirken mit der Betroffenenseite (pflegebedürftige Menschen und Angehörige) - grundlegend reformiert werden. Überfällig ist eine Überarbeitung des Pflegebedürftigkeitsbegriffes (§ 14 SGB XI) mit einer Ausweitung des Leistungsrechts. Dabei muss der Grundsatz „ambulant vor stationär“ eine Stärkung erfahren. Die Rechte der Angehörigen, die die größte Gruppe der Pflegenden stellen, müssen ausgeweitet bzw. gestärkt werden. Dabei sollte der Leitgedanke: „Angehörige und Pflegekräfte gemeinsam zum Wohle der Pflegebedürftigen“ als Orientierung dienen.

Wir müssen im Zusammenhang mit einer Neuordnung sämtlicher Pflegesysteme (einschließlich Krankenhäuser und Rehabilitationseinrichtungen) auch darüber diskutieren und entscheiden, welche Pflege wir (uns leisten) wollen. Bei dieser Diskussion wird das Ausmaß der gebotenen leistungsrechtlichen Ausweitungen festzulegen sein. Die BürgerInnen müssen im Rahmen solcher Erörterungen erfahren, welche Leistungen die Pflegesysteme zukünftig erbringen (können) und inwieweit ggf. Individualvorsorge zu betreiben ist. Der (10.) Neusser Pflegetreff, Anfang 2010, wird genau dieses Thema aufgreifen und mit allem Nachdruck für entsprechende Folgerungen eintreten.

Bei all dem gilt es u.a. zu bedenken: Die Zahl der pflegebedürftigen Menschen wird in nächster Zeit deutlich zunehmen. Im Jahre 2030 wird es allein rd. 2 Millionen dementiell erkrankte Menschen geben. Die Hamburger Studie macht auf diesen Aspekte ebenfalls aufmerksam und folgert: „Unsere Problembeschreibung und die daraus resultierende Zukunftsangst haben einen realen Kern. Der demographische Wandel droht uns zu überrollen.“ Man darf auch von einer möglichen Pflege-Katastrophe sprechen!

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk tritt im Zusammenhang mit den gebotenen Reformanstrengungen auch für eine deutliche Verbesserung der Pflegestellenpläne (in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäusern) ein, weil nur eine ausreichende Zahl von Pflege(fach)- und sonstigen Betreuungskräften die allseits gewünschte Zuwendung einschließlich Begleitung in schwierigen Situationen (z.B. palliativmedizinisch-/ pflegerische Betreuung, Sterbebegleitung) gewährleisten kann. Um solche Verbesserungen alsbald erreichen zu können, ist es u.a. erforderlich, im Pflegeversicherungsrecht einen neuen erweiterten Pflegebedürftigkeitsbegriff und ein bundeseinheitliches Personalbemessungssystem (an Stelle von unzulänglichen regional unterschiedlichen Stellenschlüsseln) einzuführen. Auch dieser personalwirtschaftliche Aspekt gehört zwingend zu den notwendigen Reformmaßnahmen. Pflegekräfte verdienen uneingeschränkt unsere Wertschätzung – und dies müssen wir in einer alternden Gesellschaft deutlich herausstellen. Daher wird es auch darum gehen müssen, über eine angemessene Erhöhung der Vergütungen für Pflegekräfte zu befinden.

Solange es eine Reform der Pflegesysteme „an Haupt und Gliedern“ nicht gibt, macht es wenig Sinn, auf die entsprechenden Einrichtungen mit „Schulnoten“ und anderen ähnlichen Druckmitteln eine bessere Pflege erzwingen zu wollen. Dies ist zum Scheitern verurteilt! Im Übrigen sind die entsprechenden Bewertungssysteme auch nicht mit der Betroffenenseite abgestimmt worden. Sie beruhen lediglich auf Abstimmungen, die allein zwischen dem GKV-Spitzenverband Bund und den Verbänden der Pflegeeinrichtungen stattgefunden haben. Durch die vielfältigen Einflussnahmen der Trägerverbände auf die Ausgestaltung der Bewertungssysteme wurde der „Bock zum Gärtner“ gemacht; - so formulierte u.a. ein MDS-Vertreter beim Neusser Pflegetreff am 17.02.2009.

Ohne grundlegende Veränderungen an den Pflege-Rahmenbedingungen wird es keine nachhaltigen Verbesserungen der Pflege geben. Dies auch deshalb, weil sich die pflegerischen Probleme durch den demographischen Wandel gravierend verschärfen werden.

Wir müssen bei allen Erörterungen um eine Verbesserung der Pflege-Rahmenbedingungen darauf achten, dass wir nicht unnötig Ängste bei den hilfe- und pflegebedürftigen Menschen schüren. Überzogene Skandalberichte (im Sommerloch) verzerren das Bild der Pflege.

Werner Schell

Pro Pflege – Selbsthilfenetzwerk
Unabhängige und gemeinnützige Initiative
Vorstand, Dozent für Pflegerecht, Buchautor:
Werner Schell – Harffer Straße 59 – 41469 Neuss
Tel.: 02131 / 150779
www.pro-pflege-selbsthilfenetzwerk.de

Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk versteht sich als Lobby (Interessenvertretung) für pflegebedürftige und behinderte Menschen (Patienten) bzw. ihrer Rechtsvertreter / (pflegenden) Angehörigen und ist bei Bedarf um Beratung und Hilfe bemüht. Dabei wird die Selbsthilfe einen herausragenden Stellenwert einnehmen. Die Unterstützung bzw. Veranlassung von entsprechenden Selbsthilfeaktivitäten, z.B. regelmäßige Pflegetreffs, Gesprächskreise und sonstige Gruppentreffen, wird eine wichtige Aufgabe sein
 
Quelle: Pro Pflege - Selbsthilfenetzwerk, Pressemitteilung vom 13.07.2009



Im Forum von Pro Pflege findet eine lebhafte Debatte zum Thema statt:
http://www.wernerschell.de/forum/neu/viewtopic.php?t=12335&postdays=0&postorder=asc&start=0
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« Antworten #5 am: 12. Juli 2009, 21:59 »

NDR: Pflegestudie des UKE schlägt hohe Wellen
Ausgemergelt, ungepflegt, zahnlos: Vor ihrem Tod sind viele alte Menschen in einem bemitleidenswerten Zustand. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Instituts für Rechtsmedizin am Hamburger Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Für das Papier, das NDR 90,3 vorab exklusiv vorlag, wurden mehr als 8.500 Verstorbene untersucht, die älter als 60 Jahre alt waren. Im Schnitt waren sie 81 Jahre alt.
Entsetzen bei Patientenverbänden

Vor zehn Jahren hatte das UKE eine ähnliche Studie vorgelegt und damit eine Schockwelle ausgelöst, wie NDR 90,3 am Donnerstag berichtete. Getan hat sich seitdem zu wenig, wie Ursula Preuhs vom Landesseniorenbeirat Hamburg beklagt. Insbesondere bei der Behandlung von Druckliegegeschwüren, sogenannten Dekubiti, müsse es Fortschritte geben. "Es läuft nichts an neuen Maßnahmen, an Überlegungen zur Verbesserung der Situation. Und ich finde, jeder Dekubitus ist einer zu viel", sagte Preuhs. Kerstin Hagemann, Gründerin der Hamburger Patienten-Initiative, ist erschüttert, dass das Thema erst "nach zehn Jahren Schrecksekunde" wieder aufgegriffen wird. Dennoch findet Hagemann es richtig, dass sich jetzt alle Beteiligten wieder an einen Tisch setzen wollen, um Missstände in der Pflege zu verringern.

[zum Bericht >>]

TV-Bericht kann auf den Internetseiten  nachträglich angesehen werden ...
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« Antworten #4 am: 12. Juli 2009, 20:55 »

Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung:
Tausendfache Körperverletzung an alten Menschen darf nicht länger ignoriert werden
– Schwerpunktstaatsanwaltschaften müssen für Ermittlungsdruck sorgen


Berlin/ Hamburg. „Was mit pflegebedürftigen, alten Menschen in Deutschland geschieht, ist tausendfache Körperverletzung. Und das täglich“, sagt der Geschäftsführende Vorstand der Patientenschutzorganisation Deutsche Hospiz Stiftung, Eugen Brysch, zu der gestern von der Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) vorgestellten Studie. Die Forscher hatten 8.500 tote Senioren untersucht und alarmierende Beweise für Pflegemängel wie schwere Druckgeschwüre, desolate Gebisse und Unterernährung festgestellt. „Erschreckend an dieser Studie ist vor allem, dass die Ergebnisse nicht neu sind“, kommentiert Brysch. „Die Katastrophe in der Pflege ist bekannt. Was folgt, wenn wieder einmal ein Pflegeskandal an die Oberfläche kommt, ist immer das Gleiche: Zunächst gibt es einen kollektiven Aufschrei des Entsetzens, und dann gehen alle wieder zur Tagesordnung über.“

„Falschparken wird in Deutschland konsequenter bestraft als Körperverletzung“

Jetzt müssten endlich Lehren gezogen werden, fordert Brysch. „Falschparken wird in Deutschland konsequenter bestraft als Körperverletzung gegenüber pflegebedürftigen Menschen. Es gibt keinen Ermittlungsdruck. Damit sich das ändert, müssen Schwerpunktstaatsanwaltschaften eingerichtet werden. Zuständig hierfür sind die Bundesländer. Die Justizminister müssen ihre Generalstaatsanwaltschaften dazu anweisen. Nur wenn kompromisslos gegen die andauernde Körperverletzung an alten Menschen vorgegangen wird, kann sich die momentane Situation ändern.“

Quelle: http://www.hospize.de, Deutsche Hospiz Stiftung, Pressemitteilung vom 09.07.2009
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« Antworten #3 am: 12. Juli 2009, 20:55 »

Sozialbehörde: Gemeinsame Bewertung der Ergebnisse

Heute hat das Rechtsmedizinische Institut des UKE unter Leitung von Prof. Dr. Püschel eine Studie zur Pflegesituation verstorbener Seniorinnen und Senioren aus Hamburg und dem Hamburger Umland veröffentlicht.

Es handelt sich um die zweite Studie ihrer Art, in der der körperliche Zustand von verstorbenen Seniorinnen und Senioren bewertet wird.

Die Hamburger Behörde für Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz dankt Prof. Dr. Püschel und seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Durchführung der Studie.

Auch wenn die Ergebnisse im Zeitverlauf wegen unterschiedlicher Untersuchungsmaßstäbe nicht vergleichbar sind, sind sie wichtig, um die Qualität der Pflege und der ärztlichen Versorgung von älteren Menschen genauer bewerten und weiter verbessern zu können. Hierzu ist im nächsten Schritt eine gemeinsame Reanalyse mit denjenigen erforderlich, die die Verstorbenen zu deren Lebzeiten betreut und gepflegt haben, das heißt mit Krankenhäusern, Pflegeeinrichtungen sowie Ärzten der ambulanten Versorgung.

Insbesondere die Studienergebnisse zu Druckgeschwüren (Dekubitus) und zur zahnärztlichen Versorgung bedürfen eingehender Betrachtung. Druckgeschwüre sind ein Alarmzeichen, gleichwohl wird ihr Auftreten nicht immer komplett vermeidbar sein. Auch ist ein Vergleich der aktuellen und der früheren Studienergebnisse zu Druckgeschwüren nicht uneingeschränkt möglich, da früher alle Verstorbenen untersucht wurden, aktuell aber nur die über 60jährigen.

Die in der Studie getätigten Aussagen zum Zahnstatus der untersuchten Verstorbenen bedürfen ebenfalls einer tiefer gehenden Beleuchtung. So bedeutet das Fehlen einer Prothese bei einer Leiche nicht zwangsläufig, dass die Person keine Prothese hatte. Das Fehlen kann darüber hinaus zum Beispiel auch durch Krankheiten oder ablehnendes Verhalten begründet sein.

Um oberflächliche oder vorschnelle Urteile zu vermeiden, die niemandem helfen, befürwortet die Sozialbehörde eine gemeinsame Bewertung und Reanalyse der Daten.

http://www.hamburg.de/bsg/pressemeldungen/ Pressemitteilung der Hamburger Sozialbehörde vom 08.08.2009, 15:30 Uhr
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« Antworten #2 am: 09. Juli 2009, 16:34 »

Zu viele Menschen, zu wenig Personal

Hamburger Studie zum körperlichen Zustand Älterer offenbart das Problem des Pflegesektors


Von Andre Fesser

Bremen-Hamburg. Einsam, unterernährt, schlecht versorgt - laut einer Studie von Rechtsmedizinern des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) befinden sich viele alte Menschen in einem schlechten Pflegezustand. Nach Aussagen Klaus Püschels, Leiter der Rechtsmedizin am UKE, offenbarten die Ergebnisse nicht etwa ein typisches Problem des Hamburger Raums. Vielmehr gebe es ähnliche Befunde auch in anderen deutschen Großstädten. Mitunter sei die Situation dort sogar noch viel bedenklicher.

Püschel und Kollegen haben mehr als 8500 Verstorbene vor der Einäscherung untersucht. Die Menschen waren ausnahmslos über 60 Jahre, im Durchschnitt 81 Jahre alt. Bemerkenswert: 12,1 Prozent wiesen bei der Untersuchung einen sogenannten Dekubitus auf, ein Durchliegegeschwür, das entsteht, wenn das Gewebe längere Zeit Druck ausgesetzt ist. 3,3 Prozent wiesen sogar Wunden auf, in denen mitunter die Muskeln und die Knochen freilagen.

Fast drei Viertel der Todesfälle mit Dekubitus hatten sich in Pflegeeinrichtungen ereignet, im Krankenhaus oder in einem Pflegeheim - die Menschen befanden sich also unter Aufsicht. Nach Ansicht von Martina Roes, Pflegewissenschaftlerin an der Hochschule Bremen, sei dies aber keine Überraschung: „Wenn die Menschen zu Hause sind, werden sie 24 Stunden von pflegenden Angehörigen oder professionellen Pflegern betreut." Pflegeeinrichtungen könnten diese Betreuungsdichte nicht leisten. Wobei die Deutlichkeit des Ergebnisses auch Roes aufstößt: „Der Wert ist definitiv zu hoch."

Roes zufolge seien die Ursachen nicht in der mangelnden Ausbildung des Pflegepersonals zu suchen. Vielmehr müsse man akzeptieren, dass sich die Fallzahlen erhöht haben: Mehr Menschen müssen von weniger Personal in kürzerer Zeit versorgt werden.

Die Hamburger stellten in ihrer Studie ferner fest, dass nur etwa die Hälfte der Untersuchten ein normales Gewicht aufwies. 15 Prozent waren untergewichtig, 35 Prozent übergewichtig. Letzteres spiegele die gesellschaftlichen Verhältnisse wider, sagt Martina Roes: „Man muss sich im Hinblick auf das Übergewicht nur mal die Ernährungsstatistiken anschauen, dann sieht man, dass wir hier vor einem generellen Problem stehen. "

Die Ergebnisse der Studie zum Ernährungsniveau der alten Menschen kann Michael Birkholz, Leiter des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin in Bremen, nicht bestätigen - ganz einfach, weil derartige Daten in Bremen nicht erhoben würden. Allerdings lässt sich in Sachen Dekubitus ein Vergleich anstellen. So seien die Menschen in Bremen kaum von den schmerzhaften Durchliegewunden betroffen: „Der Dekubitus ist in Bremen ausgemerzt." Den Grund dafür sieht Birkholz in der strengen Kontrolle durch die Bremer Rechtsmedizin: „Wenn wir ein Durchliegegeschwür sehen, muss uns die zuständige Pflegeeinrichtung Rede und Antwort stehen." Dies habe zu einer erhöhten Wachsamkeit für derartige Leiden geführt.

Nicht immer ließen sich diese Verletzungen vermeiden, räumt Birkholz ein. „Aber in der Regel sind sie auf Pflegefehler zurückzuführen. Die Pflegeeinrichtungen sind in diesen Fällen ihren Aufgaben nicht nachgekommen." Der Rechtsmediziner sieht auch seine Zunft in der Pflicht, bei der Leichenbeschau genau hinzusehen und etwaige Versäumnisse anzumahnen.

Bei der Vorstellung ihrer Ergebnisse wiesen die Hamburger Rechtsmediziner darauf hin, dass etwa zwei Prozent der jährlich annähernd 18000 Verstorbenen in Hamburg erst nach einer längeren Leichenliegezeit von mehr als drei Tagen aufgefunden worden waren. 26 Prozent dieser Menschen sei alkoholabhängig gewesen, ein Drittel der Wohnungen habe sich in einem verwahrlosten Zustand befunden. Zudem steige im Alter die Zahl der Selbstmorde deutlich an, die Gründe können schwere Krankheiten sein oder das Gefühl der Einsamkeit. „Die Menschen sterben vermehrt einsam und allein, keinesfalls im Schoß der Familie", betonte Studienleiter Klaus Püschel.

Nach Ansicht der Bremer Pflegewissenschaftlerin Martina Roes ist die Vereinsamung alter Menschen ein Thema, dem man sich noch intensiver widmen muss. Der Anfang in Bremen sei bereits gemacht: „Die Debatte geht dahin, dass wir künftig noch viel stärker auf hilfsbedürftige Menschen zugehen müssen. "

Quelle: Weser-Kurier, Seite 2, 09.07.2009



KOMMENTAR:

Im Artikel des Bremer Weser-Kurier erscheinen manche Angaben nicht korrekt bzw. teils widersprüchlich. Es empfiehlt sich das Lesen der Originaldokumente des UKE (vgl. Tabelle unterhalb der UKE-Pressemitteilung u. Downloads). Insbesondere bei der Unterernährung der Verstorbenen ist m.E. der geriatrische BMI interessant (> 22% !). Und zu den erwähnten 12,1% der festgestellten "geringfügigen Durchliegestellen" sind die 3,3% Dekubiti 3. und 4. Grades hinzuzurechnen - insgesamt gibt es also 15, 4% durchgelegene Verstorbene.

Im Artikel wird außerdem Michael Birkholz, Leiter des Instituts für Rechts- und Verkehrsmedizin zitiert: „Der Dekubitus ist in Bremen ausgemerzt."

Vorab hießt es im Artikel aber: "Die Ergebnisse der Studie zum Ernährungsniveau der alten Menschen könne er nicht bestätigen - ganz einfach, weil derartige Daten in Bremen nicht erhoben würden."

FAZIT: Wenn es keine Daten zu Dekubiti bei Verstorbenen gibt, würde mich brennend interessieren, wie er zu dem Ergebnis „Der Dekubitus ist in Bremen ausgemerzt." kommt ...   Huch
« Letzte Änderung: 09. Juli 2009, 17:50 von admin » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 09. Juli 2009, 11:30 »

Hamburgs Partner im Gesundheitswesen wollen Versorgung für ältere Menschen in Hamburg verbessern

Hamburgs Partner im Gesundheitswesen wollen die Versorgung älterer Menschen in Hamburg gemeinsam weiter verbessern. Aufgrund der Ergebnisse einer neuen Studie, die vor kurzem am Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) durchgeführt wurde, haben sie die Einrichtung des bundesweit ersten sektorübergreifenden Maßnahmenpools zur Erfassung, Verhinderung und Behandlung von Dekubitalgeschwüren beschlossen.

Das Auftreten von Dekubitalgeschwüren soll künftig sektorübergreifend dokumentiert und ausgewertet werden. Vor allem bei Häufungen von Entstehungsorten für Dekubitalgeschwüre wird durch die datengestützte Qualitätssicherung ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess in Gang gesetzt. Die Fachexpertise von Wundmanagern soll strukturiert allen Patienten zugänglich gemacht werden.

Für die Studie waren im Jahr 2008 bei der Krematoriumsleichenschau 8518 Verstorbene ab dem 60. Lebensjahr auf die Merkmale Dekubitus, Unterernährung, Zahnstatus, Endoprothesen und Herzschrittmacher hin untersucht worden. Die Ergebnisse zeigen, dass es in vielen Bereichen deutlichen Handlungsbedarf gibt.
  
"Für uns kommt es darauf an, einen erneuten Anstoß zu geben. Es gibt viele gute Möglichkeiten und bereits praktizierte Ansätze, die Probleme anzugehen. Aber es gibt sicher keinerlei Veranlassung, sich derzeit zufrieden zurückzulehnen. Viele alte Menschen sind sehr zufrieden, aber die nichteigenständigen, von der Öffentlichkeit nicht bewusst wahrgenommenen älteren Menschen stehen zum Teil im tiefen Schatten", sagt Prof. Dr. Klaus Püschel, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin am UKE.

"Wir sind sehr stolz darauf, dass das UKE einer der wenige Standorte in Deutschland mit einer starken  Rechtsmedizin ist. Die Ergebnisse der Studie zeigen den engen klinischen Bezug unserer  Rechtsmedizin  zu wichtigen gesellschaftlichen Themen wie Vernachlässigung und Gewalt, denen sich gerade eine Metropole wie Hamburg unbedingt stellen sollte",  sagt Prof. Dr. Jörg F. Debatin, Ärztlicher Direktor des UKE.

 "Die von der Rechtsmedizin ermittelten Daten haben gezeigt, dass Handlungsbedarf im Pflegebereich besteht. Da an der ambulanten und stationären Altenpflege viele Partner im Gesundheitswesen beteiligt sind, freue ich mich außerordentlich, dass es gelungen ist, einen bundesweit einmaligen Maßnahmenpool zum Umgang mit Dekubitalgeschwüren ins Leben zu rufen. Er wird direkte Hilfsangebote unterbreiten, damit die richtigen Behandlungsmethoden eingeleitet werden können. Ich bin sicher, dass wir das Problem damit in den Griff bekommen und die Lebensqualität alter Menschen nachhaltig verbessern", sagt Jens Stappenbeck, Geschäftsführer der Hamburgischen Pflegegesellschaft.

"Als Ärzteschaft begrüßen wir alles, was zu einer besseren Versorgung der Patienten führt", sagt Dr. Carsten Leffmann, Geschäftsführer der Fortbildungsakademie der Ärztekammer Hamburg und zuständig für Qualitätsmanagement bei der Ärztekammer. "Wir danken dem Kollegen Püschel insbesondere dafür, dass er sich so ausführlich mit der Situation der älteren Menschen beschäftigt hat. Er rückt diese Patientengruppe damit einmal mehr in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Wir wollen nun sehen, wie diese Daten zu bewerten sind und inwiefern sie Ausgangspunkt für weitere Verbesserungen sein können. Den Hamburger Ärztinnen und Ärzten ist sehr daran gelegen, dass sich die Pflegesituation älterer Menschen verbessert, und wir bieten dabei selbstverständlich unsere Hilfe an."

Auch Klaus Schäfer, Vorsitzender des Hausärzteverbands Hamburg, begrüßt die Pläne. "Der Hausärzteverband ist nicht nur bereit, sondern hochgradig daran interessiert, an diesem Projekt mitzuwirken. Wir wollen alles tun, dass die Situation sich bessert. Die Geschwüre sind für Patienten mit großem Leid und vielen Schmerzen verbunden. Wir erwarten, dass der Maßnahmenpool dazu beiträgt, bestehende Mängel zu erkennen und dann auch zu beseitigen. Es ist notwendig, dass alle Gesundheitsberufe sich gemeinsam für eine Verbesserung der Behandlung von alten Menschen einsetzen."

"In der Versorgung Dekubituskranker in Hamburger Krankenhäusern zeigt sich, dass durch speziell ausgebildete Fachkräfte, optimierte Behandlungs- und Pflegeabläufe sowie fortlaufende Dokumentation und Qualitätssicherung Druckgeschwüre seltener werden ", so Dr. Claudia Spenk, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft (HKG).
"Seit 2001 führen die Hamburger Krankenhäuser eine externe Qualitätssicherung zur  Dekubitus-Behandlung durch. Seitdem nimmt die Anzahl von Dekubiti von Jahr zu Jahr ab. Dies ist ein Erfolg der Qualitätssicherung, der zeigt, dass sowohl die kritische Reflektion des eigenen Handelns, als auch der freiwillige Vergleich mit anderen, einen Prozess in Gang setzt, der die Qualität nachhaltig verbessert. Um gemeinsam mit den Partnern des Gesundheitswesens die Situation älterer Menschen noch weiter zu verbessern, setzen wir uns für eine sektorübergreifende Qualitätssicherung ein."

Quelle: www.uke.de, Pressemitteilung vom 08.07.2009



UKE-Studie:            Pflege-Versorgung älterer Menschen in HH
Untersuchte Sterbefälle ab dem 60. Lebensjahr im Jahr 2008
           






Untersuchte Prozent
VERSTORBENE gesamt 8.518 100,0%
Sterbeort Privat 1.934 22,7%

Krankenhaus 3.603 42,3%

Pflegeheim 2.615 30,7%

Hospiz 366 4,3%




PFLEGE Dekubitus, gesamt 1.312 15,4%
Sterbeort Privat 295 22,5%

Krankenhaus 502 38,3%

Pflegeheim 462 35,2%

Hospiz 52 4,0%




ERNÄHRUNG Fehlernährung 5.425 64,14%

Unterernährung (geriatr. BMI) 1.882 22,1%

Übergewichtig 2.981 35,0%

Magensonde (d. Bauchdecke) 562 6,6%




ZÄHNE Zahnstatus,            erhoben bei 1.224 100,0%

vollst. Gebiss 33 2,7%

Implantate 16 1,3%

Teilprothese (Diff.) 487 39,8%

keine Prothese 688 56,2%




BEINE künstl. Gelenke 1.805 21,2%

Hüftgelenk 1388 16,3%

Kniegelenk 417 4,9%




Quelle: Pressemitteilung UKE, Hamburg, Studie der Rechtsmdeizin 08.07.2009           (Auszug der erähnten Zahlen)
      

* UKE-Studie_Pflege-Versorgung älterer Menschen_090708.pdf (103.92 KB - runtergeladen 388 Mal.)
* UKE_10-Punkte-Programm_verbesserte Versorgung ältere Menschen_090708.pdf (201.91 KB - runtergeladen 380 Mal.)
« Letzte Änderung: 17. Oktober 2014, 20:33 von admin » Gespeichert

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« am: 20. Juni 2009, 14:50 »

Der angesehene Pathologe Professor Michael Tsokos* hat viele tausend Leichen obduziert und äußerte sich im Interview des ZDFmittagsmagazin am 16.06.2009 zu Todesfällen in Heimen.

Zitat
... Es gibt mit Sicherheit eine sehr große Dunkelziffer, gerade, was nicht natürliche Todesfälle anbelangt. Zum Beispiel Vergiftungen, Erstickungen mit weicher Bedeckung. Ich denke, da kennen wir nur die Spitze des Eisberges, da Leichenschauen häufig unprofessionell durchgeführt werden - häufig vom Hausarzt, der die Bewohner oder Patienten vorher schon behandelt hat. Der natürlich im Prinzip nicht ganz frei ist von Vorbelastungen. In sofern gehört da eigentlich das System der Leichenschau verbessert. ...

Quelle: http://www.zdf.de/ZDFmediathek/



Literatur-Hinweis (Buch erschien im März 2009):


Kurzbeschreibung
Ein verkohltes Skelett auf der Rückbank eines ausgebrannten Wagens. Eine Wasserleiche, gekleidet im Stil des 19. Jahrhunderts. Ein halbnackter Mann, der bei eisiger Kälte tot aufgefunden wird. Michael Tsokos, Deutschlands bekanntester Rechtsmediziner, erzählt von zwölf mysteriösen Todesfällen, die er allesamt selbst untersucht hat. Zugleich liefert er eine verständliche Einführung in die Arbeitsweise der Forensik: Welche Untersuchungsmethoden gibt es? Was ist ein Polytrauma? Und wie erkennt man, ob jemand Suizid begangen hat oder ermordet wurde? Hochinformativ und spannend wie ein Krimi.

Über den Autor
Prof. Dr. Michael Tsokos, 42, leitet das Institut für Rechtsmedizin der Charité und das Landesinstitut für gerichtliche und soziale Medizin in Berlin. Als Mitglied der Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes war er an zahlreichen gerichtsmedizinischen Projekten im In- und Ausland beteiligt, u.a. 1998 in Bosnien. Für seinen Einsatz zur Identifizierung deutscher Tsunami-Opfer in Thailand erhielt er 2005 den Medienpreis Bambi.

Quelle: www.amazon.de
« Letzte Änderung: 19. September 2016, 10:18 von admin » Gespeichert

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