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Autor Thema: Protest gegen Pflege-Notstand: Menschenwürde in der Pflege! Wie soll das gehen?  (Gelesen 5415 mal)
admin
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« Antworten #1 am: 23. August 2013, 18:42 »

Zitat
Für Menschlichkeit gibt es keine Vergütung

„Uns reicht’s!“ skandieren die Demonstranten und: „Pflege steht auf“. Sie schieben ein Bett über die Hauptstraße, vollgepackt mit Aktenordnern. Pflegekräfte halten Schilder hoch: „Aktenpflege statt Menschenpflege“ steht darauf und: „So wird die Pflege zum Pflegefall“. 100 Menschen sind am Donnerstagabend auf die Straße gegangen. Sie fordern mehr Geld für die Pflege von alten und kranken Menschen. Mehr Geld, mehr Personal und mehr Zeit für Zuwendung.

VON MICHAEL WILKE

Lilienthal. Stressig war der Job im Krankenhaus schon immer. „Aber das war ein gesunder Stress“, findet Bärbel Pols, die seit 24 Jahren in der Lilienthaler Klinik arbeitet. „Man war kaputt, wenn man Feierabend hatte, aber es war ein angenehmes Gefühl.“ Die Arbeit war getan, die Patienten waren versorgt. Nach Schichtende war die Krankenschwester zufrieden mit sich und ihrer Arbeit. Heute ist das anders. „Ich funktioniere nur noch“, sagt Bärbel Pols. „Man fliegt nur noch so in die Zimmer und wieder raus. Man hat keine Zeit mehr, sich den Patienten zuzuwenden. Hinterher hat man ein schlechtes Gewissen.“

Sie könne nicht mehr abschalten, sagt die Krankenschwester. „Man nimmt alles mit nach Hause.“ Nach Feierabend plagt sie die Angst, etwas vergessen zu haben. Heute müssten Pflegekräfte die gleiche Arbeit mit halb so vielen Leuten schaffen wie Ende der 80er-Jahre, klagt Pols. Die gleiche Arbeit? Eher mehr. Heute muss jede pflegerische Handlung genau dokumentiert werden. Auf der Strecke bleiben der Mensch und eine menschenwürdige Pflege, das steht für die Krankenschwester fest. Statt ständig zu dokumentieren, würde sie sich lieber den Patienten zuwenden, wenn die reden wollen. Dafür fehlt die Zeit. Darum steht Bärbel Pols an diesem Donnerstagabend in der ersten Reihe des Demonstrationszuges, der sich vom Borgfelder Landhaus zum Lilienthaler Ortskern bewegt. Zusammen mit zwei Kolleginnen trägt sie ein Transparent. „Uns reicht‘s!“ steht darauf, und: „Die Politik muss schnellstens handeln!“

Vor den Demonstranten trommelt eine Sambagruppe in bunten Kostümen, das sorgt für Aufmerksamkeit. An den Straßenrändern bleiben Menschen stehen und schauen auf das bunte Treiben. Unterdessen versucht Werner Kollmitz, Organisator der „Aufweck-Demo“ gegen den Pflegenotstand, den wenigen Passanten mit dem Megafon zu erklären, worum es den Protestierern geht. Wenn nichts passiert, dann bricht das System zusammen, davon ist Kollmitz, der jahrelang in der Pflege gearbeitet hat, überzeugt. Immer mehr alte und kranke Menschen, chronische Unterfinanzierung, miese Arbeitsbedingungen und die permanente Überforderung der Pflegekräfte – wie soll das gehen? „Wir lassen uns nicht verheizen!“, ruft Kollmitz ins Megafon.

Ramona Trüper hilft, das Bett mit den Aktenordnern über den Asphalt zu schieben. Die Pflegedienstleiterin beim ambulanten Pflegedienst Lilienthal findet es „wunderbar“, dass endlich auch in Lilienthal Pflegekräfte auf die Straße gehen. Traurig sei, dass nicht mehr gekommen seien. Wie berichtet, hatte Kollmitz beim Ordnungsamt eine Demo mit 500 Menschen angemeldet. „Es reicht!“, sagt Ramona Trüper und nicht nur sie, das sagen alle, die nach Feierabend auf der Straße sind. „Ich bekomme keine examinierten Pflegekräfte mehr“, klagt Trüper. Für junge Menschen sei der Beruf unattraktiv – anstrengende körperliche Arbeit, schlecht bezahlt. Die Verweildauer in der Pflege sei auf drei bis fünf Jahre geschrumpft, viele, die hoch motiviert starteten, stiegen nach wenigen Jahres frustriert aus.

Monika Grauenhorst, einer erfahrenen Pflegekraft des Pflegedienstes Lilienthal, reicht es auch. Die Zeiten für die Pflege würden immer mehr gekürzt, zürnt sie, von menschlicher Zuwendung ganz zu schweigen. Dagegen werde die geforderte Pflegedokumentation immer umfangreicher, dafür gingen heute schon über 30 Prozent der Arbeitszeit drauf. Monika Grauenhorst zeigt auf das Plakat. „Schreibst Du noch oder pflegst Du schon?“ steht darauf. Menschlichkeit koste unbezahlte Überstunden, sagen beide, Grauenhorst und Trüper. „Wenn wir eine Stunde länger brauchen, weil ein Mensch im Sterben liegt, bekommen wir dafür keine höhere Vergütung“, erklärt die Pflegedienstleiterin. Aber einfach die Tür hinter sich zu schließen, das brächten die Pflegekräfte nicht übers Herz. Vielleicht sei das Kalkül, vermutet die Altenpflegerin. „Das wird wohl von uns erwartet, das Helfersyndrom.“

„Da kriegt man direkt Angst, wenn man ans eigene Alter denkt“, sagt Christa Schadeweg, Altenpflegerin im Bremer Johanniterhaus. Zu wenig Geld, zu wenig Personal, zu wenig Zeit – Menschenwürde und Menschlichkeit blieben auf der Strecke. „Man geht immer mit einem schlechten Gewissen nach Hause“, klagt die Pflegerin.
Quelle: www.weser-kurier.de | Wümme-Zeitung, 24.08.2013



Protestaktionen in der Region
Mehr Geld für Pflegekräfte gefordert

In Lilienthal (Kreis Osterholz) sind rund 100 Pflegekräfte für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Sie kritisierten zunehmende Bürokratie und Ausbeutung in der Pflegebranche. Die Lilienthaler Hauptstraße blieb für die Demonstration eine Stunde lang gesperrt. Zuvor hatte es bereits Proteste von Pflegepersonal in Bremerhaven gegeben. ...


Quelle: http://www.radiobremen.de/politik/nachrichten/pflegeverdi100.html



Fotos der Lilienthaler Protestveranstaltung stehen zum Download bereit.
Rechtefreie Verwendung mit der Quellenangabe "Foto: Reinhard Leopold/Heim-Mitwirkung.de" gestattet.


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« am: 20. August 2013, 11:08 »

Protest gegen Pflege-Notstand:
„Menschenwürde in der Pflege! Wie soll das gehen?“


(20.08.2013) Seit Jahren werden Mängel im deutschen Pflegesystem beklagt. Menschenwürdige Pflege kann unter den derzeitigen Bedingungen nicht geleistet werden. Die bisherige Hinhaltetaktik der Politik und die zögerlichen Maßnahmen haben die Situation für Pflegebedürftige, Angehörige und Pflegekräfte immer weiter verschlechtert. Das ist nicht länger hinnehmbar. Nach Bremen regt  sich auch in Niedersachsen Widerstand. Am Donnerstag, 22. August 2013, ist ein Protestmarsch durch Lilienthal und im Anschluss daran eine Diskussionsveranstaltung im „Borgfelder Landhaus“ geplant.

„Wir brauchen eine völlige Neuausrichtung der Pflege und eine Diskussion über Menschenwert und Menschenwürde." Werner Kollmitz ist Organisator des Protestmarsches gegen den Pflege-Notstand und weiß, wie es in der Pflege zugeht. Dreißig Jahre hat der Lilienthaler selbst im Pflegebereich gearbeitet und war zehn Jahre davon in der Mitarbeitervertretung der Diakonie aktiv. Der 63-jährige fordert ehemalige Berufskollegen, Heimleitungen, Pflegedienste und die Bevölkerung auf, sich dem Protest anzuschließen und auf die Strasse zugehen. Der Protestzug sammelt sich um 17 Uhr 30 beim „Borgfelder Landhaus“ in Lilienthal. Mit Unterstützung von lautstarker Sambamusik und verschiedenen Aktionen geht es durch Lilienthal und dann zurück zum Gasthaus. Der Organisator und Mitglied der  Bremer „Heim-Mitwirkung“ rechnet mit über 500 Teilnehmern und hofft, dass sich viele Bürger einreihen, um der Politik zu zeigen, dass es so nicht weitergehen darf.

„Menschenwürde in der Pflege! Wie soll das gehen?“ ist das Thema der anschließend ab 19 Uhr stattfindenden Diskussionsveranstaltung im „Borgfelder Landhaus“. Der Kreisverband OHZ der Partei Die Linke, die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Bremer Selbsthilfe-Initiative „Heim-Mitwirkung“ sind sich einig: Pflege im Minutentakt ist menschenunwürdig! Was sich künftig ändern muss, das wollen sie mit eingeladenen Gästen und dem Publikum diskutieren. Als Teilnehmer im Podium sind vorgesehen: Harald Weinberg (MdB, Die Linke), Volker Mörbe (Pflege und Betriebsrat, Klinikum Stuttgart), Uwe Schmid (ver.di Bremen/Nord-Niedersachsen), Reinhard Leopold (Selbsthilfe-Initiative „Heim-Mitwirkung“, Bremen), Klaus-Wilhelm Portermann (Sozialverband VdK, Kreisverband OHZ) und Monika Skibicki (Förderverein zur Errichtung einer Pflegekammer, Schortens).

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Ansprechpartner für die Presse-Info:

 
Herbert Behrens, MdB
Die Linke, KV OHZ,
Am Hochzeitswald 56
27711 Osterholz-Scharmbeck
T. 0171 / 3630913
herbert.behrens@bundestag.de


Uwe Schmid
ver.di HB/Nordniedersachsen
Bahnhofsplatz 22  
28195 Bremen
T. 0421 / 3301138
uwe.schmid@verdi.de


Reinhard Leopold
c/o „Heim-Mitwirkung
Rembertistr. 9
28203 Bremen
T. 0421 / 33659120
info@heim-mitwirkung.de

* Flyer_Protestmarsch22-08-2013_Druck_130809.pdf (302.33 KB - runtergeladen 321 Mal.)
* Flyer_Veranstaltung22-08-2013_web.pdf (436.11 KB - runtergeladen 276 Mal.)
* Gemeinsame_Presse-Info_130820_final.doc (34 KB - runtergeladen 320 Mal.)

* Pflege-Notstand_130820.jpg (48.97 KB, 1000x755 - angeschaut 724 Mal.)
« Letzte Änderung: 20. August 2013, 11:28 von admin » Gespeichert

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