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Autor Thema: Lilienthal: 100 Pflegekräfte demonstrieren für bessere Arbeitsbedingungen  (Gelesen 4829 mal)
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« am: 24. August 2013, 11:37 »

Zitat
Für Menschlichkeit gibt es keine Vergütung

Pflegekräfte fordern mehr Geld, mehr Personal und mehr Zeit für die Patienten / Demo mit Aktenbett

„Uns reicht’s!“ skandieren die Demonstranten und: „Pflege steht auf“. Sie schieben ein Bett über die Hauptstraße, vollgepackt mit Aktenordnern. Pflegekräfte halten Schilder hoch: „Aktenpflege statt Menschenpflege“ steht darauf und: „So wird die Pflege zum Pflegefall“. 100 Menschen sind am Donnerstagabend auf die Straße gegangen. Sie fordern mehr Geld für die Pflege von alten und kranken Menschen. Mehr Geld, mehr Personal und mehr Zeit für Zuwendung.

VON MICHAEL WILKE

Lilienthal. Stressig war der Job im Krankenhaus schon immer. „Aber das war ein gesunder Stress“, findet Bärbel Pols, die seit 24 Jahren in der Lilienthaler Klinik arbeitet. „Man war kaputt, wenn man Feierabend hatte, aber es war ein angenehmes Gefühl.“ Die Arbeit war getan, die Patienten waren versorgt. Nach Schichtende war die Krankenschwester zufrieden mit sich und ihrer Arbeit. Heute ist das anders. „Ich funktioniere nur noch“, sagt Bärbel Pols. „Man fliegt nur noch so in die Zimmer und wieder raus. Man hat keine Zeit mehr, sich den Patienten zuzuwenden. Hinterher hat man ein schlechtes Gewissen.“

Sie könne nicht mehr abschalten, sagt die Krankenschwester. „Man nimmt alles mit nach Hause.“ Nach Feierabend plagt sie die Angst, etwas vergessen zu haben. Heute müssten Pflegekräfte die gleiche Arbeit mit halb so vielen Leuten schaffen wie Ende der 80er-Jahre, klagt Pols. Die gleiche Arbeit? Eher mehr. Heute muss jede pflegerische Handlung genau dokumentiert werden. Auf der Strecke bleiben der Mensch und eine menschenwürdige Pflege, das steht für die Krankenschwester fest. Statt ständig zu dokumentieren, würde sie sich lieber den Patienten zuwenden, wenn die reden wollen. Dafür fehlt die Zeit. Darum steht Bärbel Pols an diesem Donnerstagabend in der ersten Reihe des Demonstrationszuges, der sich vom Borgfelder Landhaus zum Lilienthaler Ortskern bewegt. Zusammen mit zwei Kolleginnen trägt sie ein Transparent. „Uns reicht‘s!“ steht darauf, und: „Die Politik muss schnellstens handeln!“

Vor den Demonstranten trommelt eine Sambagruppe in bunten Kostümen, das sorgt für Aufmerksamkeit. An den Straßenrändern bleiben Menschen stehen und schauen auf das bunte Treiben. Unterdessen versucht Werner Kollmitz, Organisator der „Aufweck-Demo“ gegen den Pflegenotstand, den wenigen Passanten mit dem Megafon zu erklären, worum es den Protestierern geht. Wenn nichts passiert, dann bricht das System zusammen, davon ist Kollmitz, der jahrelang in der Pflege gearbeitet hat, überzeugt. Immer mehr alte und kranke Menschen, chronische Unterfinanzierung, miese Arbeitsbedingungen und die permanente Überforderung der Pflegekräfte – wie soll das gehen? „Wir lassen uns nicht verheizen!“, ruft Kollmitz ins Megafon.
Ramona Trüper hilft, das Bett mit den Aktenordnern über den Asphalt zu schieben. Die Pflegedienstleiterin beim ambulanten Pflegedienst Lilienthal findet es „wunderbar“, dass endlich auch in Lilienthal Pflegekräfte auf die Straße gehen. Traurig sei, dass nicht mehr gekommen seien. Wie berichtet, hatte Kollmitz beim Ordnungsamt eine Demo mit 500 Menschen angemeldet. „Es reicht!“, sagt Ramona Trüper und nicht nur sie, das sagen alle, die nach Feierabend auf der Straße sind. „Ich bekomme keine examinierten Pflegekräfte mehr“, klagt Trüper. Für junge Menschen sei der Beruf unattraktiv – anstrengende körperliche Arbeit, schlecht bezahlt. Die Verweildauer in der Pflege sei auf drei bis fünf Jahre geschrumpft, viele, die hoch motiviert starteten, stiegen nach wenigen Jahres frustriert aus.

Monika Grauenhorst, einer erfahrenen Pflegekraft des Pflegedienstes Lilienthal, reicht es auch. Die Zeiten für die Pflege würden immer mehr gekürzt, zürnt sie, von menschlicher Zuwendung ganz zu schweigen. Dagegen werde die geforderte Pflegedokumentation immer umfangreicher, dafür gingen heute schon über 30 Prozent der Arbeitszeit drauf. Monika Grauenhorst zeigt auf das Plakat. „Schreibst Du noch oder pflegst Du schon?“ steht darauf. Menschlichkeit koste unbezahlte Überstunden, sagen beide, Grauenhorst und Trüper. „Wenn wir eine Stunde länger brauchen, weil ein Mensch im Sterben liegt, bekommen wir dafür keine höhere Vergütung“, erklärt die Pflegedienstleiterin. Aber einfach die Tür hinter sich zu schließen, das brächten die Pflegekräfte nicht übers Herz. Vielleicht sei das Kalkül, vermutet die Altenpflegerin. „Das wird wohl von uns erwartet, das Helfersyndrom.“

„Da kriegt man direkt Angst, wenn man ans eigene Alter denkt“, sagt Christa Schadeweg, Altenpflegerin im Bremer Johanniterhaus. Zu wenig Geld, zu wenig Personal, zu wenig Zeit – Menschenwürde und Menschlichkeit blieben auf der Strecke. „Man geht immer mit einem schlechten Gewissen nach Hause“, klagt die Pflegerin.
Quelle: www.weser-kurier.de | Wümme-Zeitung, 24.08.2013



Protestaktionen in der Region
Mehr Geld für Pflegekräfte gefordert

In Lilienthal (Kreis Osterholz) sind rund 100 Pflegekräfte für bessere Arbeitsbedingungen auf die Straße gegangen. Sie kritisierten zunehmende Bürokratie und Ausbeutung in der Pflegebranche. Die Lilienthaler Hauptstraße blieb für die Demonstration eine Stunde lang gesperrt. Zuvor hatte es bereits Proteste von Pflegepersonal in Bremerhaven gegeben. ...


Quelle: http://www.radiobremen.de/politik/nachrichten/pflegeverdi100.html



Fotos der Lilienthaler Protestveranstaltung stehen [zum Download >>] bereit.
Rechtefreie Verwendung mit der Quellenangabe "Foto: Reinhard Leopold/Heim-Mitwirkung.de" gestattet.
« Letzte Änderung: 24. August 2013, 22:05 von admin » Gespeichert

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