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Autor Thema: Gewalt vermeiden: Marte Meo – Praktische Unterstützung für Menschen mit Demenz  (Gelesen 3964 mal)
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« am: 03. November 2013, 17:50 »

Zitat
Alles erklären – wie bei einem Baby

Die Niederländerin Maria Aarts hat sich in den 1980er-Jahren die Frage gestellt: Was machen Eltern, deren Kinder sich gut entwickeln? Aarts beschäftigte sich damit, weil sie als Kinderpädagogin häufig beobachten musste, dass gut gemeinte Beratungsgespräche mit Kind und Eltern, auch wegen der üblichen pädagogischen Fachsprache, kaum wirkten. Daraus entwickelte sie die Marte-Meo-Methode, die heute nicht nur in bremischen Demenzabteilungen wirkt.


VON EDWIN PLATT

Osterholz. Birgit Ulma vom Norddeutschen Marte-Meo-Institut hat im kleinen Saal des Stiftungsdorfs Osterholz die Fernbedienung in der Hand. Wie gebannt blicken weit über 20 Zuschauer auf den Bildschirm. „Marte Meo – Praktische Unterstützung für Menschen mit Demenz“ ist die Veranstaltung überschrieben, bei der aber erst mal Bilder von Johanna und ihrem Papa zu sehen sind.

Der Vater wäscht das Baby. „Sehen Sie hier, und vor allem hören Sie. Johanna sagt ,Äh’ und ihr Papa wiederholt ,Äh’, er geht dicht ran und schaut sie an. Jetzt gehört ihre Aufmerksamkeit ihm“, erläutert Birgit Ulma. Sie stoppt die Szene nach wenigen Sekunden, damit jedes Wort, jede Bewegung, jeder Blick, jede Aktion und jede Reaktion beachtet werden kann. „Das ist nichts Neues, aber Marte Meo sagt uns, wie wichtig die erste Kontaktaufnahme ist.“

Der Papa zeigt Johanna in dem Film den Waschlappen und sagt: „Wir waschen jetzt dein Gesicht. Erst dieses Auge, dann das andere Auge, Nase, Kinn.“ Birgit Ulma erklärt die Bedeutung: „Johanna lernt dabei, ihren Körper zu benennen, und bekommt ein Gefühl für die Teile ihres Körpers. Und das ist bei demenziell Erkrankten ebenso wichtig.“ Als die wenigen Szenen vom Waschen eine Dreiviertelstunde lang kommentarreich vom Publikum und Birgit Ulma erörtert sind, startet die Fachfrau eine weitere Videoaufzeichnung. Eine Pflegerin wäscht eine Demenzpatientin, was ebenso harmonisch abläuft wie beim Baby. Die Parallelen verblüffen. „Diese Demenzpatientin war ein schwieriger Fall. Sie galt als aggressiv“, erklärt Birgit Ulma.

Petra Scholz von der Bremer Heimstiftung schildert Erfahrungen aus dem eigenen Haus: „Wir haben einen Demenzpatienten der, selbst groß und massig, das Anziehen und Waschen verweigerte. Manchmal waren zwei Pflegekräfte nicht genug, um ihn nicht verwahrlosen zu lassen.“ Eine zierliche Pflegerin habe bereits Angst vor ihm entwickelt, und die Pflegekräfte hätten sehr unter den Auseinandersetzungen gelitten – ebenso wie der Betroffene. „Mit der Marte Meo-Methode ist es gelungen, dass er sich unter Anleitung selber anzieht. Wenn er vorher ein Hemd anziehen sollte, wusste er gar nicht, wo es hingehörte, oben oder unten und schon gar nicht, wo der Arm reinmusste. Das machte ihn aggressiv“, sagt Petra Scholz.

Wie weit das Körpergefühl verloren gehen kann, zeigte den Pflegekräften auch die einfache Frage eines Bewohners: „Was, so weit weg?“ Das war seine Antwort auf „Dahin den Kopf und dahin die Beine“, womit ihm die Pflegekraft beim ins Bett gehen Orientierung geben wollte. „Der Bewohner hatte kein Gefühl für seine eigene Länge“, sagt Petra Scholz, und beschreibt damit gleichzeitig eine Alltagssituation, die leicht zu einem Machtspiel zwischen Pflegendem und Demenzerkranktem werden kann.

Als die Aufnahme vom Waschen des Gesichts, dem Freimachen des Oberkörpers und dem Waschen von Hals, Armen und Achseln endet, ist der erste und erwartete Einwand aus dem Publikum: „Dafür muss man Zeit haben und die fehlt heute überall.“ Birgit Ulma startet das Video neu. Ohne Diskussionen vergehen nur gut drei Minuten, vom Eintreffen der Pflegekraft, bis ein frisches Hemd angezogen ist. „Ja, aber wenn Sie Ihr Bremer Beispiel nehmen, mit dem schweren Mann“, wird eingewandt. Darauf entgegnet Petra Scholz: „Sie haben recht, mit den Zeiten der Minutenpflege ist manches nicht zu machen, aber früher waren zwei bis drei Pflegekräfte bei dem Mann und heute ist es eine“.

Birgit Ulma unterrichtet anhand persönlicher Video-Aufzeichnungen aus dem Pflegealltag mit der Marte-Meo-Methode, die die positive Kontaktsuche zum Pflegenden und den erklärenden Umgang für ein positives Miteinander einsetzt. „Wichtig ist auch das Tempo“, sagt Ulma, „viele brauchen etwas länger als wir es gerne hätten.“

Eine wichtige Frage richtet sich an Petra Scholz: „Gibt es Möglichkeiten für Angehörige in Bremen, Marte Meo zu lernen?“ Noch nicht, antwortet sie. „Wir bilden weiter aus, und erste Mitarbeiter können bald selbst ausbilden-“
„Marte Meo ist mit diesen einfachen Beispielen nicht erschöpft“, sagt Birgit Ulma zum Ende des Abends. „Prothesenträger mit wundem Kiefer verweigern oft die Zahnreinigung, auf die der Zahnarzt gerade dann so viel Wert legt. Das angeleitete Selberputzen ist mit Marte Meo oft möglich.“

Kontakt: Bremer Heimstiftung, Marcusallee 39, Telefon: 24 340. Norddeutsches Marte-Meo-Institut (NMMI), Davidsweg 63, 26817 Rhauderfehn, Telefon: 04952/896733, E-Mail: mail@nmmi.de.
Quelle: www.weser-kurier.de - Stadtteilausgabe Mitte, 02.11.2013



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« Letzte Änderung: 03. November 2013, 18:08 von admin » Gespeichert

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