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Autor Thema: Angehörige gründen Interessengemeinschaft gegen Pflege-Missstand  (Gelesen 3531 mal)
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« am: 11. Oktober 2016, 15:00 »

Zitat
Interessengemeinschaft gegründet
Angehörige machen auf Missstände im Altenzentrum Kirchen aufmerksam


von Tina Falkenhain

Kirchen. Das Wort „Pflegenotstand“ dürfte den meisten Menschen ein Begriff sein. Bundesweit herrscht akuter Personalmangel in den Pflegeberufen – auch im Bereich der Altenpflege. Das hat oft Auswirkungen auf die Pflegebedürftigen, denn Stress und Zeitmangel erschweren die Arbeit der Pflegekräfte. Die Angehörigen der Bewohner des Evangelischen Altenzentrums Kirchen haben deshalb jetzt eine Interessengemeinschaft gegründet, um auf eben solche Missstände in Kirchen aufmerksam zu machen. 13 Angehörige trafen sich am Donnerstagabend zum gemeinsamen Austausch.

Auslöser für dieses Zusammentreffen war vor allem die sogenannte Krätze oder auch „Skabies“, unter der seit dem Sommer einige Bewohner des Kirchener Seniorenheims litten. Diesbezüglich gab es seitens des Altenzentrums Mitte September dann einen Infoabend zum Thema „Krätze“.

Viele Angehörige machen mangelnde Hygiene und Sauberkeit verantwortlich für die Erkrankung der Bewohner. Diesen Vorwurf konnte der Hausarzt Dr. Volker Thielmann, der einige Bewohner im Altenheim betreut, allerdings entkräften: „Skabies ist immer ein Problem in Gemeinschaftseinrichtungen mit älteren und immungeschwächten Menschen.“ Wenn ein Patient betroffen sei, könne sich das in solchen „Intensivpflegestätten“ mit teilweise hochbetagten Menschen ganz schnell verbreiten. Das gesamte Gebäude sei einer „Sanierung“ – so der Fachbegriff – unterzogen und die Bewohner entsprechend behandelt worden. „Man darf die Dinge nicht vermischen“, warnte Dr. Thielmann. Hier sei Rationalität und ein entspannter Umgang mit dem Thema gefragt.

Dennoch wurde an diesem Abend deutlich, dass die Angehörigen zunehmend unzufrieden mit der Pflegesituation im Altenheim sind. Dafür machen sie vor allem den Personalmangel verantwortlich. Das sieht auch Helmut Ermert vom Seniorenbeirat der Verbandsgemeinde Kirchen so. „Es gibt Probleme im pflegerischen Bereich, es ist einfach zu wenig Personal da.“ „Zwei Pflegekräfte kommen in Kirchen auf 30 pflegebedürftige Menschen pro Station“, stellte eine Angehörige fest. „Das ist nicht zu schaffen, jedenfalls nicht so, wie es sein sollte“, meint auch Birgit Wirths, deren Mutter im Kirchener Seniorenheim lebt. Das alles wirke sich zunehmend auf die Pflege der Bewohner aus, da waren sich alle Anwesenden einig. „Hauptkritikpunkt ist für uns vor allem die mangelnde Hygiene“, so Mitinitiator Manfred Schütz. Seine Aussage deckt sich mit den Schilderungen der anderen Angehörigen. „Wenn man auf die Stationen kommt, riecht es an jeder Tür nach Kot und Urin“, so Michaela Sandweg, ebenfalls Mitinitiatorin der Interessengemeinschaft. „Das kann einfach nicht sein.“ Menschen würden viel zu lang im eigenen Kot oder Urin sitzengelassen, manche müssten knapp eine Stunde warten, bis das Pflegepersonal Zeit findet, um sie zur Toilette zu bringen. Auch hapere es an alltäglichen Dingen wie dem Nägelschneiden. „Auf mehrfache Bitten wurde uns mitgeteilt, dass das Personal es zeitlich einfach nicht schafft,“ so eine Angehörige. Armin Brast berichtet, dass sein dementer Vater teilweise Kot unter den Nägeln habe, was einen massiven Nagelpilz verursacht hätte. Zudem werde er teilweise schon um 15 Uhr bettfertig gemacht, um abends Zeit zu sparen, berichtet seine Enkelin Anjulie Heidrich.

Zudem fehle es an ausreichend Handtüchern und „die Bettwäsche wird nur nach Sichtkontakt gewechselt“, berichtet Michaela Sandweg. Für die Anwesenden „unzumutbare Zustände“.

„Uns geht es nicht darum, dass Personal schlecht zu machen“, betont Birgit Wirths, die selber aus dem Krankenhaussektor kommt. „Das Personal steht mit dem Rücken zur Wand.“ Auch Dr. Volker Thielmann weiß, wo es hakt. Zwar könne er den Pflegezustand schlecht beurteilen, allerdings spüre er eine zunehmende Über- und auch Belastung des Personals. „Es ist ein extremes Bemühen da, aber vieles verschwimmt im Rahmen der zunehmenden Hektik.“ Früher habe man sich auf Station gekannt, das Personal habe gewusst, „wo es brennt“ und über die Patienten genau Bescheid gewusst. Das sei seit einiger Zeit nicht mehr der Fall. „Das Personal ist sehr durcheinandergewürfelt worden.“ Solche Strukturen müsse man aber wachsen lassen.

„Uns liegt viel an unserem Altenheim in Kirchen und wir wollen nicht, dass es geschlossen wird“, so Manfred Schütz. Eines wurde jedoch an diesem Abend ganz klar: Alle wollen, dass sich die Situation für ihre pflegebedürftigen Angehörigen verbessert, die „gefühlt immer schlechter wird“.

„Sie müssen sich jetzt überlegen, wie sie weiter vorgehen möchten,“ riet Helmut Ermert den Angehörigen. Ursprünglich planten diese, ihre Anliegen gesammelt an die Heimaufsicht in Koblenz weiterzuleiten. Davon riet Dr. Volker Thielmann allerdings ab: Dies könne noch mehr organisatorische Auflagen und Dokumentationen der Arbeitsabläufe zur Folge haben, die auch nicht dazu führen würden, dass das Personal mehr Zeit für die Pflegebedürftigen habe. Eine weitere Alternative sei laut Manfred Schütz eventuell die Bundesinteressengemeinschaft für alte und Pflegebedürftige Menschen (BIVA) mit Sitz in Bonn. Thomas Schächter, der Geschäftsführer des Altenzentrums, war bis Redaktionsschluss nicht mehr für eine Stellungnahme zu erreichen. „Es ist gut, dass wir hiermit schonmal einen Beginn haben“, fasste Manfred Schütz zusammen.

Info: Wer sich der Interessengemeinschaft anschließen und sich mit anderen Angehörigen austauschen möchte, kann sich bei Manfred Schütz unter ig-altenzentrumkirchen @ online.de melden.
Quelle: http://www.siegerlandkurier.de/lokales/kirchen/angehoerige-machen-missstaende-altenzentrum-kirchen-aufmerksam-6818897.html, 07.10.2016
« Letzte Änderung: 11. Oktober 2016, 15:34 von admin » Gespeichert

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