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Autor Thema: Angehörige melden große Probleme im "Haus O`Land" (Convivo-Gruppe)  (Gelesen 981 mal)
Ange_Hoeriger
Ehrenamtl. Heimmitwirkung
Newbie
**
Beiträge: 1


« Antworten #1 am: 01. August 2017, 11:51 »

Man kann sich kein rundes Bildes von der Situation machen, wenn man es nicht selbst erlebt oder mit etwas Abstand beobachtet hat. Häufig fehlen einem auch die passenden Worte oder Formulierungen den Zustand richtig zu beschreiben.

Über eines sollte man jedoch einfach mal nachdenken: Der normale Ablauf sieht so aus, dass ein Bewohner in ein Heim einzieht und Bewohner und Angehörige sich erst einmal orientieren müssen. Dabei vergeht vielleicht ein halbes Jahr an Zeit. Ansonsten hat man ja gleich zu Beginn die Möglichkeit wieder auszuziehen. Aber man kennt sich eben nicht aus und beobachtet, vergleicht und schließlich bewertet man. Wenn man an diesem Punkt angekommen ist, wartet man vielleicht auf das nächste Angehörigentreffen zusammen mit der Heimleitung. Dann ist man an dem Punkt, dass die besprochenen Ansätze doch nicht weiter verfolgt werden oder sich einfach nichts ändert.

Jetzt greift man zum Telefonhörer und versucht die Heimaufsicht auf den Mißstand aufmerksam zu machen. Vielleicht findet auch ein persönliches Gespräch statt. Ab diesem Zeitpunkt beginnt die Heimaufsicht bei berechtigten Gründen mit dem Heim zu sprechen. Vielleicht gibt man dem Heim auch noch eine Chance von selbst etwas zu ändern. Wieder vergeht einige Zeit und es passiert nichts, so dass die Angehörigen die Heimaufsicht erneut kontaktieren. Bis hierhin ist vielleicht schon ein dreiviertel Jahr vergangen. Bei weiteren intensiven Kontakten mit der Heimaufsicht fängt diese vielleicht an, die Heimleitung zu beraten. Für Transfer von Wissen und Umsetzung der erforderlichen Maßnahmen räumt die Heimaufsicht wieder einige Zeit ein und beobachtet im günstigsten Fall die Veränderungen. Die gewünschten Änderungen finden jedoch nicht sofort statt, da ja die Mitarbeiter im Schichtdienst nicht gleichzeitig erreicht werden und von dem Rest vielleicht noch einige im Urlaub sind. Also vergeht wieder Zeit. Es ist Geduld gefragt. Das geht aber nicht, weil die Uhr tickt.

Die Heimaufsicht darf einfach nicht warten und beraten. Die Forderung lautet, dass die Heimaufsicht SOFORT tätig werden muss. Die Heimaufsicht ist DIE kontrollierende Instanz, die die Bewohner und die Angehörigen vertritt. Der Bewohner hat von sich aus keinerlei Möglichkeiten tätig zu werden. Wer einmal mit älteren Herrschaften aus dem Heim gesprochen hat weiß, dass diese nicht in der Lage sind ihre Interessen selbst zu vertreten. Wer hat denn schon einmal von Internetzugängen in Demenzheimen gehört? Wer hat davon gehört, dass Heimbewohner mit starker Demenz selbst die Räume der Behörde (Heimaufsicht) besucht haben? Wo laufen denn die Heimbewohner mit den Aktenordnern unterm Arm durch das Heim? Wo können sie einen Beschwerdebrief schreiben und ausdrucken?

Der Gesetzgeber hat die Rechte der Heimbewohner (oder wahlweise "Geldgeber") sehr stark beschnitten oder festgelegt, dass die Interessen von anderen vertreten werden sollen. Das darf aber nicht durch Beraten und Warten erfolgen, sondern durch Handeln! Ich frage mich immer wieder, warum z. B. die Adresse und die Ansprechpersonen der Heimaufsicht bei den Heimbewohnern nicht bekannt sind. Ich erwarte, dass diese Angaben und die Daten für die zuständige Stelle beim MDK am Schwarzen Brett aushängen und leicht zu finden sind.

Nein, was in Bremen praktiziert wird, läuft in die andere Richtung: Aussitzen und auf die biologische Lösung warten. Das dürfen wir den Heimbewohnern nicht zumuten!

Vielleicht einmal ein Überblick:
- ein Druckgeschwür kann innerhalb von Stunden entstehen
- Wunden durch mangelnde Hygiene innerhalb von Stunden oder Tagen
- Entzugserscheinungen durch falsche Medikamentengabe innerhalb von einem Tag
- Austrocknung oder Dehydrierung innerhalb mehrer Tage

Die Beispiele lassen sich fortsetzen. Laut statistischem Bundesamt und anderer Quellen beträgt die Verweildauer im Pflegeheim etwa 29 Monate (zweieinhalb Jahre - einfach googlen : "Verweildauer Pflegeheim Statistik"). Mein oben angeführtes Beispiel zeigt, dass der Bewohner darauf angewiesen ist, dass die Heimaufsicht SOFORT handelt, damit eine Änderung herbeigeführt wird. Das Leben der Heimbewohner endet auch nicht abrupt. Gegen Ende befindet sich der der Bewohner in Phase, in der man ihn nicht mehr umziehen lassen möchte. Aber genau in dieser Phase ist die Heimaufsicht noch mit der Beratung unterwegs.

Schließlich ist da noch der Finanzierungsaspekt. Warum zahlen die Pflegekassen und Sozialbehörden für Leistungen, die mangelhaft oder garnicht erbracht werden? Haben die Kassen zuviel Geld? "Nein" sagte man mir, "Bremen ist pleite!".

Aber eines zeigt sich doch in Bremen: Den Konflikten aus dem Weg gehen, in dem Beratung angeboten wird, ist eine angenehmere Arbeit als zu handeln. Die Schreihälse sind wir doch spätestens nach 29 Monaten los.


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« am: 31. Juli 2017, 09:48 »

Zitat
Scharfe Kritik an der Pflege

Angehörige beschweren sich über den Umgang mit Demenzkranken im Heim O’land


von ANTJE STÜRMANN

Bremen. Bernd Burchardt ist immer noch fassungslos, wenn er an das Heim „Haus O‘land“ an der Alfred-Faust-Straße denkt. „Meine 82-jährige, demenzkranke Mutter ist nach gut fünf Jahren dort ausgezogen, weil die Zustände nicht mehr tragbar waren.“ Die Pflegedienstleiterin des Hauses O‘land, das Teil der Unternehmensgruppe Convivo ist, spricht von Fachkräftemangel. Die Politik hat die Probleme aufgegriffen und will Druck machen.

„Meine Mutter ist sehr stark demenzkrank, sie kann nicht mehr sprechen, vergisst zu schlucken und zu laufen“, beschreibt Bernd Burchardt. Ein Jahr lang habe sie so im Haus O‘land im Bett gelegen. „Es hieß, wenn man sie mobilisiert, kollabiere sie.“ Seit die 82-Jährige in einem anderen Heim wohnt, werde sie jeden Tag aus dem Bett geholt und angezogen. „Und sie bricht dabei nicht zusammen“, sagt der 55-jährige Ingenieur.

Für Bernd Burchardt ist das einer von vielen Hinweisen darauf, dass die Pflege im Haus O‘land stark verbesserungswürdig ist. „Demenzkranke werden nicht motiviert, aufzustehen oder zu essen, um ihre Fähigkeiten länger zu erhalten.“ Dabei schreibe das Sozialgesetzbuch vor, dass Heimbewohner mit dem unterstützt werden müssten, was nötig sei. „Pflegekräfte sollten die Kontrolle darüber haben, was im Heim abläuft. Im O‘land kommt das zu kurz.“ Als Beispiele nennt er die Toilettengänge, die Körperhygiene und das Essen.

Mit schwerwiegenden Folgen: „Meine Mutter hatte Druckgeschwüre an Fersen und Zehen, wunde Stellen im Genitalbereich und ihre Zähne sind schwarz geworden“, sagt Burchardt. „Ihr Gewicht ist nicht kontrolliert worden“, sagt er, die Zähne seien nicht geputzt und die Vorlagen nicht oft genug gewechselt, Tabletten verwechselt worden. Mehr als zweimal habe er die Probleme bei der Heimleitung angesprochen. Ohne Erfolg.

Die Seniorin kann froh sein, dass ihr Sohn nach dem Rechten sieht: „Als die Pfleger bestimmte Tabletten nicht rechtzeitig beim Arzt nachgefordert hatten, habe ich selber ein Rezept besorgt“, sagt Burchardt. Problematisch sei auch die Sauberkeit im Haus. „Das Zimmer meiner Mutter wurde einmal in der Woche gewischt und wenn, dann nicht vollständig.“ Auf dem Fußboden hätten darum Essensreste und ausgespuckte Medikamente herum gelegen, die andere Bewohner aufgesammelt und gegessen hätten. Die Wäsche sei mehrmals über Wochen nicht gewaschen worden, sodass die Bewohner die Tage in ihren Schlafsachen oder nackt im Bett verbracht haben, so Burchardt.


Pflegepersonal ist überlastet

Dagmar Hartje* übt ebenfalls Kritik. Ihr Bruder lebt im Heim O‘land. Sie hat Angst, dass man ihn noch schlechter behandelt, wenn sie offen über die Mängel redet, und will deshalb ihren Namen nicht nennen. Dagmar Hartje berichtet, dass Kranke hinfallen und manchmal eine Stunde liegen, ehe ihnen vom Personal auf die Beine geholfen wird. „Die Pflegekräfte reichen das Essen und unterhalten sich über den Kopf der Bewohner hinweg in einer anderen Sprache.“ Das mache die an Demenz erkrankten Bewohner ungeduldig. Außerdem wechselten die zuständigen Pflegekräfte häufig. „Dieser Wechsel bedeutet für meinen Bruder Dauerstress“, sagt Hartje. Eine Frau, die nicht einmal Pflegehilfskraft gewesen sei, habe ihrem Bruder das Essen gereicht. Will sie die Mängel ansprechen oder etwas erfragen, gebe es im Heim keinen geeigneten Ansprechpartner.

Reinhard Leopold von der unabhängigen Selbsthilfe-Initiative Heim-Mitwirkung in Bremen sagt: „Die Heimaufsicht hat zu kontrollieren, ob ein Heim ordnungsgemäß geführt wird. Wenn es Mängel gibt, dann erwarten Angehörige, dass sie ohne Verzögerung abgestellt werden.“ Seiner, Bernd Burchardts und Dagmar Hartjes Ansicht nach dauert das in Bremen zu lange. Leopold fordert: „Die Heimaufsicht sollte solche Einrichtungen nicht mehr kostenlos beraten, sondern Konsequenzen androhen und bei nicht ausreichendem Handeln sanktionieren.“ Burchardt schlägt vor: „Der Gesetzgeber sieht vor, wenn Leistungen nicht erbracht werden, dass die Pflegekassen ihre Zahlungen mindern können.“ Das, pflichtet Leopold bei, würde Druck auf die Anbieter ausüben. Außerdem fehle Personal, glaubt Burchardt. „Das Pflegepersonal muss deshalb teilweise Unmögliches leisten.“

Mit den Missständen im Pflegeheim O‘land beschäftigt sich dem Vernehmen nach auch die Politik. In nicht öffentlicher Sitzung habe sich die Sozialdeputation mit dem Thema befasst und Berichte angefordert, heißt es. Die Politiker wollen Druck machen. „Die Einrichtung ist motiviert, etwas zu unternehmen“, so eine gut informierte Quelle.

Der Sprecher der Sozialbehörde, Bernd Schneider, räumt indes ein: Das Haus O‘land habe bis vor sechs, sieben Wochen Probleme gehabt, ausreichend qualifiziertes Personal zu gewinnen. Weil es zu wenig Personal gab, habe die Heimaufsicht einen Belegungsstopp ausgesprochen. Das heißt: Frei gewordene Plätze seien bei gleicher Personalausstattung nicht wieder belegt worden. „Dem Träger tut das weh, weil er weniger Einnahmen hat. Da muss man nicht gleich die Einrichtung dicht machen“, so Schneider. Eine solche Strafe führe möglicherweise dazu, dass Heimbetreiber Probleme vertuschen. Unterstütze die Wohn- und Betreuungsaufsicht (früher Heimaufsicht) die Betreiber aber mit Tipps, gebe es einen offeneren Umgang mit Problemen.  „Die Heimaufsicht bekommt früh mit, dass etwas nicht stimmt.“ Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung habe im Haus O‘land Mängel festgestellt – aber auch viele Verbesserungen. Die Pflege dort entwickle sich zum Positiven.

Auch Pflegedienstleiterin Sabine Zinke sieht das Haus O‘land auf einem guten Weg. Zwei Monate lang habe die Pflegedienstleitung mit der Heimaufsicht kommuniziert, inzwischen beschäftige das Haus wieder genügend Fachkräfte. Der Belegungsstopp könne deshalb aufgehoben und statt 60 wieder alle 82 Betten belegt werden. Zinke: „Das verbessert die Arbeitsbedingungen und die Qualität der Pflege.“

Nach den Sommerferien wollen sich die Politiker der Sozialdeputation berichten lassen, was sich genau verbessert hat.

*Name von der Redaktion geändert
Quelle: http://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-scharfe-kritik-an-der-pflege-_arid,1630648.html, 31.07.2017



KOMMENTAR
:
Heimaufsicht und MDK in Bremen haben bereits seit langer Zeit Kenntnis von den Problemen in dieser Convivo-Einrichtung! Die Belastungen für die pflegebedürftigen Menschen, für ihre Angehörigen ebenso wie für die Pflegekräfte, haben zwischenzeitlich ein unerträgliches Maß angenommen. Es ist nicht nachvollziehbar, warum die aufsichtführenden Institutionen wieder einmal nicht konsequent genug auf die Beseitigung der Probleme gedrängt und dem Betreiber nicht kurzfristiger und härtere Sanktionen auferlegt haben.

Es braucht viel Mut und Überwindung für Angehörige und Pflegekräfte, Mängel und Missstände anzuzeigen. Mit unserer unabhängige Selbsthilfe-Initiative "Heim-Mitwirkung" und der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) bieten wir dazu notwendige Informationen und Unterstützung.


* Scharfe-Kritik-an-Pflege_Haus-O´Land_wk170731.jpg (614.46 KB, 1184x835 - angeschaut 35 Mal.)
« Letzte Änderung: 31. Juli 2017, 12:31 von admin » Gespeichert

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"Wir sind nicht nur für das verantwortlich,
 was wir tun, sondern auch für das,
was wir nicht tun" (Jean Molière)
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