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Autor Thema: PERSONAL: Billig-Jobs verdrängen reguläre Arbeitsplätze  (Gelesen 12555 mal)
admin
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« Antworten #7 am: 08. September 2009, 18:26 »

Flexibilität und Sicherheit für Leiharbeitskräfte

Zeitarbeit in der Krise
 

Seit Mitte letzten Jahres ist die Beschäftigung im Wirtschaftsbereich Arbeitnehmerüberlassung um rund ein Drittel zurückgegangen. Die Wirtschaftskrise dürfte jedoch die steile Wachstumskurve der Zeitarbeitsbranche nur zeitweilig unterbrechen. Dagegen verschärft sich für die Leiharbeitskräfte ihre z. T. prekäre Situation, denn der Grundsatz „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ kommt trotz Tarifverträgen in der Praxis kaum zum Tragen. Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen.

Laut Gesetz haben Leiharbeitskräfte in Deutschland ein Recht auf gleichen Lohn und gleiche Arbeitsbedingungen wie die Stammkräfte im Entleihbetrieb. Abweichungen sind jedoch erlaubt, wenn sie auf Basis eines Tarifvertrages erfolgen. „Dies hat bislang vor allem zum Abschluss tariflicher Niedriglöhne geführt“, kritisiert der IAQ-Arbeitsmarktexperte Achim Vanselow. Die Einstiegslöhne in der Zeitarbeit liegen nur bei rund 50 Prozent des mittleren Lohns und damit auf einem Niveau, das nach internationalen Standards als „Armutslohn“ bezeichnet wird. Die durchschnittlichen Monatsentgelte von Leiharbeitskräften in NRW sind zwischen 1999 und 2006 um 7 Prozent gesunken, die Lohndifferenzen zwischen Zeitarbeitern und Stammbeschäftigten betragen bis zu 45 Prozent.

Bis zu 45 Prozent Lohndifferenz
„Die Kombination von niedriger Entlohnung und kurzer Beschäftigungszeit hat zur Folge, dass, wenn überhaupt, dann nur geringe Ansprüche auf Lohnersatzleistungen aufgebaut werden können, die kaum die Existenz sichern“, so Vanselow. Schon vor der Krise bezogen 91.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte im Wirtschaftsbereich „Personal- und Stellenvermittlung, Überlassung von Arbeitskräften“ gleichzeitig Grundsicherung („Hartz IV“). Das entspricht 12,6 Prozent aller Beschäftigten in der Branche und liegt deutlich über dem Vergleichswert für die Gesamtwirtschaft (2,8%). Vanselow: „Besonders bedrückend ist die Tatsache, dass 84.000 dieser Beschäftigten trotz einer Tätigkeit in Vollzeit auf Transfers angewiesen sind.“

Als Scharnier am Übergang zwischen Erwerbslosigkeit und Arbeitsmarkt kann der Zeitarbeit eine wichtige Funktion zukommen. Die Qualität der Jobs weicht aber nach wie vor in Lohn, Beschäftigungssicherheit oder Interessenvertretung von der Gesamtwirtschaft ab. Die Balance zwischen Flexibilität und Sicherheit geht dort verloren, wo Leiharbeit als Umgehungsinstrument für Lohn- und Sozialstandards dient, so Vanselow.

Zeitarbeit zur Umgehung tariflicher Regelungen
Einige Betriebe setzen Zeitarbeit nicht mehr für kurzfristige Spitzenabdeckungen ein, sondern in großer Zahl und über lange Zeiträume. Vanselow kritisiert besonders die Variante des konzerninternen Verleihs, der offensichtlich weniger der Mobilisierung von Flexibilisierungspotenzialen dient, sondern schlicht der Umgehung von tariflichen Regelungen und von als zu kostspielig erachteten Versorgungssystemen.

Der massive Beschäftigungsrückgang bietet jetzt die Chance, Gestaltungsdefizite zu korrigieren und einer Aufteilung in „gute“ Stammarbeitsplätze und „schlechte“ Leiharbeitsplätze entgegenzuwirken, hofft Vanselow. Dazu zählen etwa die wirkungsvolle Begrenzung der Lohnentwicklung nach unten z. B. durch Mindestlöhne, die in vielen Ländern existieren, oder eine Verpflichtung der Arbeitgeber, sich finanziell an Weiterbildungs-Fonds zu beteiligen, um die Beschäftigungsfähigkeit von Leiharbeitskräften und die Übernahmewahrscheinlichkeit zu erhöhen.

Aktuelle Publikation:
Vanselow, Achim, 2009: Entfesseln oder einhegen? Zeitarbeit in der Krise. Duisburg: Institut Arbeit und Qualifikation. IAQ-Report, Nr. 2009-06

http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2009/report2009-06.pdf

Weitere Infos: Achim Vanselow, T. 0203/379-2394, achim.vanselow@uni-due.de 


Quelle: http://www.iaq.uni-due.de, Presse-Mitteilung 08.09.2009
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« Antworten #6 am: 08. Juli 2009, 13:44 »

    IAQ: Niedriglohnbeschäftigung 2007 weiter gestiegen
    - zunehmende Bedeutung von Niedrigstlöhnen


    Thorsten Kalina und Claudia Weinkopf

    Auf den Punkt ...

    [IAQ-Report 2009-05 als PDF >>]

    • Die Zahl der Niedriglohnbeschäftigten in Deutschland lag 2007 um rund 350.000 höher als noch 2006.
    • Unter allen abhängig Beschäftigten lag der Anteil von Niedriglöhnen 2007 bei 21,5% - d.h. mehr als jede/r Fünfte arbeitete für einen Stundenlohn unterhalb der Niedriglohnschwelle.
    • Der Anteil ist damit trotz der deutlichen Zunahme der Betroffenen im Vergleich zu 2006 nur leicht gestiegen, weil auch die Beschäftigung insgesamt zugenommen hat.
    • Gleichzeitig franst das Lohnspektrum nach unten aus, Stundenlöhne von weniger als 6 € brutto sind längst keine Seltenheit mehr.
    • Die Durchschnittslöhne im Niedriglohnsektor sind inflationsbereinigt gegenüber 1995 nicht gestiegen und in Westdeutschland in den letzten Jahren sogar nominal gesunken.



    Quelle: http://www.iaq.uni-due.de
    « Letzte Änderung: 08. Juli 2009, 13:46 von admin » Gespeichert

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    « Antworten #5 am: 10. Juni 2009, 20:08 »

    Kaum Chancen für Ein-Euro-Jobber

    Frankfurt/Main (epd). Eine Umfrage unter Ein-Euro-Jobbern im Auftrag der Bundesagentur für Arbeit (BA) hat nach einem Bericht der „Frankfurter Rundschau" gravierende Reditsverstöße offengelgt. Nach eigener Aussage verdrängt fast jeder zweite Ein-Euro-Jobber mit seiner Tätigkeit entgegen der gesetzlichen Vörschrift reguläre Arbeitsplätze.

    Bei einer repräsentativen Befragung gaben 45 Prozent an, die gleiche Arbeit zu verrichten wie festangestellte Kollegen. Jeder Vierte sagte, für den Ein-Euro-Job sei eigentlich eine abgeschlossene Ausbildung erforderlich.

    Nicht etfüllt hat sich der Studie zufolge auch die Hoffnung, Ein-Euro-Jobs könnten Türen zum regulären Arbeitsmarkt öffnen. Zwei Drittel der Befragten erklärten, dass sich ihre Beschäftigungschancen durch die mit Steuergeldem finanzierten Beschäftigungsprograxnme nicht verbessert hätten.

    Nur jedem Achten wurde überhaupt eine normale Vollzeitstelle angeboten.

    Quelle: www.weser-kurier.de, 30.05.2009
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    « Antworten #4 am: 23. März 2009, 15:27 »

    Unterschiede in den Beschäftigungs- und Arbeitszeitstrukturen in Ost- und Westdeutschland
    IAQ/HBS Arbeitszeit-Monitor 2001 bis 2006

    Andreas Jansen / Angelika Kümmerling / Steffen Lehndorff

    Auf den Punkt ...

    * Der Anteil vollzeiterwerbstätiger Arbeitnehmer an allen abhängig Beschäftigten geht im Zeitraum zwischen 2001 und 2006 sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland kontinuierlich zurück. Dabei ist der Rückgang in Ostdeutschland (Frauen: 8,9 Prozentpunkte/ Männer: 5,4 Prozentpunkte) stärker als in Westdeutschland (Frauen: 5,8 Prozentpunkte/Männer: 4,2 Prozent-punkte).

    * Neben dem rückläufigen Anteil vollzeiterwerbstätiger Arbeitnehmer ist auch die absolute Zahl dramatisch gesunken. Trotz einer insgesamt positiven Beschäftigungsbilanz gingen im Zeitraum zwischen 2001 und 2006 mehr als 1,6 Millionen Vollzeitbeschäftigungsverhältnisse verloren.

    * Dagegen weisen die geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse eine starke Wachstumsdynamik auf. Im Jahre 2006 arbeiteten bereits 13,0% der west- und 9,2% der ostdeutschen abhängig Beschäftigten ausschließlich in einem Minijob. 2001 waren es noch 9,3% (West) und 4,7% (Ost).

    * Bei den Frauen gibt es hinsichtlich der Erwerbsform noch immer große Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. So gingen 2006 63,2% der erwerbstätigen ostdeutschen Frauen einer Vollzeiterwerbstätigkeit nach, wohingegen dies nur auf 47,3% der westdeutschen Frauen zutraf.

    * Weibliche Teilzeitarbeit konzentriert sich in Westdeutschland vor allem im Bereich der „kurzen Teilzeit“ mit 20 und weniger Wochenstunden – in Ostdeutschland liegt die Spitze dagegen bei 30 Wochenstunden und somit im Bereich der „langen Teilzeit“. Während 2006 20,6% der abhängig beschäftigten westdeutschen Frauen in einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis arbeiteten, lag der entsprechende Anteil in Ostdeutschland bei 11,4%.

    Sie können diesen Report als PDF herunterladen http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2009/report2009-03.shtml oder sich im Archiv einen Überblick über alle bisher erschienenen Reports verschaffen http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/ 

    Quelle: www.iaq.uni-due.de, Pressemitteilung vom 23.03.2009
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    « Antworten #3 am: 19. Dezember 2008, 13:49 »

    Arbeitsmarktforscherin plädiert für Mindestlohn

    Frauen sind weit überdurchschnittlich von Niedriglöhnen betroffen. Sie stellten 2006 fast 70 Prozent der Niedriglohnbeschäftigten, fast jede dritte Frau (30,5 Prozent) arbeitet für wenig Geld - 1995 galt das erst für ein Viertel der Frauen. Auch bei vollzeitbeschäftigten Frauen liegt der Niedriglohnanteil mit ca. 22 Prozent etwa doppelt so hoch wie unter vollzeitbeschäftigten Männern, zeigen Berechnungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen. Laut Forschungsdirektorin Dr. Claudia Weinkopf gelang es immerhin jedem zweiten Mann, innerhalb von fünf Jahren aus einem niedrig bezahlten Job in besser bezahlte Arbeit aufzusteigen, bei den Frauen hatte es nur jede Vierte geschafft.

    Die Ausweitung von Zeitarbeit und Minijobs habe die Verbreitung von Niedriglöhnen besonders vorangetrieben, stellt das IAQ fest. Mit fast 92 Prozent im Jahre 2006 arbeitet die große Mehrheit der MinijobberInnen zu Stundenlöhnen, die unterhalb der Niedriglohnschwelle (9,61 € pro Stunde in Westdeutschland und 6,81 € in Ostdeutschland) liegen. "Bei Minijobs werden offenbar häufig Lohnabschläge vorgenommen und sonstige Rechte wie bezahlter Urlaub und Lohnfortzahlung im Krankheitsfall den Beschäftigten vorenthalten", so Weinkopf. Frauen seien von Niedriglöhnen auch deshalb deutlich stärker betroffen, weil im Dienstleistungssektor und in Kleinbetrieben, in denen sie häufig arbeiten, diese Jobs besonders verbreitet sind.

    Niedrige Stundenlöhne und kurze Arbeitszeiten kommen häufig zusammen. Eine eigenständige Existenzsicherung ist damit nicht möglich. Für fragwürdig hält Weinkopf die Einschätzung, dass Frauen in Niedriglohnjobs ohnehin nur einen "Zuverdienst" zum Haushaltseinkommen suchten. Im Dezember 2007 waren nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit 52,3 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die zusätzlich zum Arbeitseinkommen Grundsicherung benötigten, weiblich; bei den geringfügig Beschäftigten 58,2%.

    Von der Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns würden Frauen überproportional profitieren. Tarifliche Mindestlöhne über Allgemeinverbindlichkeit und Entsendegesetz sind nach Einschätzung der Arbeitsmarktforscherin keine Alternative, weil sie insbesondere in typischen Frauenbranchen häufig nicht zustande kommen. Unstrittig ist, dass Mindestlöhne alleine nicht automatisch zu einer eigenständigen Existenzsicherung von Frauen führen: Selbst 7,50 oder 8 Euro reichen bei Teilzeit oder im Minijob dafür nicht aus. "Insgesamt müssen die Rahmenbedingungen für Frauenerwerbstätigkeit verbessert werden, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert, das Steuer- und Sozialversicherungssystem modernisiert und die Anreize zur Aufspaltung von Arbeitsverhältnissen (in Minijobs) verringert werden," fordert Weinkopf.

    Quelle: iaq.uni-due.de, Pressemitteilung vom 22.10.2008
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    « Antworten #2 am: 19. Dezember 2008, 13:45 »

    Gleicher Lohn für gleiche Arbeit?
    IAQ-Studie zur Gleichstellung von Zeitarbeitskräften


    Die Arbeitsbedingungen von Zeitarbeitskräften sollen durch eine Angleichung an die Rechte anderer Beschäftigter verbessert werden, darauf einigte sich nach langem Ringen kürzlich der EU-Sozialministerrat. Deutsche Zeitarbeitskräfte werden nach Einschätzung des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen davon voraussichtlich aber kaum profitieren. Denn wie bereits in Deutschland könnten sich die Grundsätze des "Equal Pay" und "Equal Treatment" auch auf der europäischen Ebene bei genauerer Betrachtung als Mogelpackung erweisen: Die Mitgliedsstaaten können zulassen, dass in Tarifverträgen andere Regelungen getroffen werden.

    In Deutschland hat eine solche Ausnahmeklausel dazu geführt, dass es mittlerweile zahlreiche Tarifverträge für die Zeitarbeit gibt. Schätzungsweise 95 Prozent aller Zeitarbeitskräfte werden tariflich entlohnt. Vor allem in den unteren Lohngruppen sind darin sehr niedrige Löhne von 7 Euro, in einigen Fällen sogar nur 4 bis 6 Euro vorgesehen. Dies ist deutlich niedriger als die Höhe der typischen Tariflöhne in Branchen, in denen viele Zeitarbeitskräfte eingesetzt werden.

    In einer Expertise für die Friedrich-Ebert-Stiftung haben Dr. Claudia Weinkopf, Vize-Direktorin des IAQ, und Achim Vanselow von der IAQ-Forschungsabteilung Flexibilität und Sicherheit, aktuelle Entwicklungen in der Zeitarbeitsbranche untersucht. So hat sich von 2003 bis 2007 die Zahl der Zeitarbeitskräfte auf über 730.000 weit mehr als verdoppelt. Vor allem größere Betriebe nutzen die Potenziale: Gut jeder dritte Betrieb mit 50 bis 249 Beschäftigten setzt Zeitarbeitskräfte ein, bei Betrieben mit 250 Beschäftigten und mehr sind es knapp 45 Prozent. Immer mehr Betriebe haben zudem die Aufhebung der Höchstüberlassungsdauer genutzt, um eigene Zeitarbeitsfirmen zu gründen und damit ihre Arbeitskosten zu senken.

    Selbst nach Einschätzung von Arbeitgeberverbänden der Zeitarbeitsbranche ist die Einführung eines Branchenmindestlohns dringender denn je notwendig, um Lohndumping flächendeckend wirkungsvoll zu verhindern. Nach Einschätzung der IAQ-Wissenschaftler würde die Einführung von Mindestlöhnen gemäß dem Mindestlohn-Tarifvertrag nur Niedrigstlöhne unterbinden und Mindeststandards auf einem relativ geringen Niveau verankern, nicht aber den Zeitarbeitsmarkt insgesamt in Schwierigkeiten bringen. Betriebliche Einsätze von Zeitarbeitskräften sollten zudem (wieder) befristet werden. Das Geschäft gewerblicher Zeitarbeitsunternehmen würde hierdurch kaum beeinträchtigt. Jedoch könnten Auswüchse unterbunden oder zurückgedrängt werden, bei denen durch die Auslagerung ganzer Abteilungen Arbeitskräfte zu ungünstigeren Bedingungen auf denselben Arbeitsplätzen wie zuvor weiter beschäftigt werden.

    In ihrem Bericht schlagen die IAQ-Wissenschaftler vor, die Einführung tariflicher Mindestlöhne in der Zeitarbeit und das Gleichbehandlungs-Gebot nach einer Einarbeitungszeit zu kombinieren. So könnten die Branchenmindestlöhne in der Einarbeitungszeit als Lohnuntergrenze fungieren und im Anschluss ein Anspruch auf Gleichbezahlung bestehen, wie dies in Deutschland vor den letzten Reformen bereits für längere Zeitarbeitseinsätze von mehr als zwölf Monaten der Fall war.

    Weinkopf, Claudia / Vanselow, Achim, 2008: (Fehl-)Entwicklungen in der Zeitarbeit? Expertise im Auftrag der Friedrich-Ebert-Stiftung. Bonn: FES. Wiso Diskurs: Expertisen und Dokumentationen zur Wirtschafts- und Sozialpolitik ; Gesprächskreis Arbeit und Qualifizierung. ISBN 978-3-89892-922-6

    Die aktuelle IAQ-Expertise ist zu finden unter http://library.fes.de/pdf-files/wiso/05403.pdf

    Quelle: iaq.uni-due.de, Pressemitteilung vom 23.06.2008
    « Letzte Änderung: 08. September 2009, 18:21 von admin » Gespeichert

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    « Antworten #1 am: 19. Dezember 2008, 13:42 »

    Einmal Niedriglohn, immer Niedriglohn
    Arbeitsmarktexperte sieht geringe Chancen für Aufstieg


    Arbeit zu Niedriglohn soll gering qualifizierten Arbeitslosen den Einstieg in den Arbeitsmarkt erleichtern - mit der Aussicht, sich später in bessere Jobs hocharbeiten zu können. Aber der Aufstieg fällt schwer. "Die Aufstiege aus dem Niedriglohnbereich sind in den letzten Jahren deutlich rückläufig", stellt der Arbeitsmarktexperte Thorsten Kalina vom Institut Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen fest.

    Ende der 80er Jahre gelang es in Westdeutschland noch fast jedem fünften vollzeitbeschäftigten Niedriglohnbeziehenden im Folgejahr einen besser bezahlten Job zu finden. Von 2004 auf 2005 war dies bei lediglich 8,6 Prozent der Beschäftigten der Fall. Über zwei Drittel (68,8 Prozent) der Niedriglohnbeschäftigten verblieben im Niedriglohnbereich. Knapp 14 Prozent waren im nächsten Jahr arbeitslos oder nicht mehr sozialversicherungspflichtig beschäftigt, die übrigen wechselten in Teilzeit oder Minijobs.

    Die Chancen, sich wieder nach oben zu arbeiten, stehen schlecht vor allem für Ältere, aber auch andere Gruppen sind überdurchschnittlich betroffen (s. Abbildung): Nur 4,2 Prozent der über 54-Jährigen und 5,5 Prozent der 45 bis 54-Jährigen gelang der Aufstieg, bei AusländerInnen waren es 6,9 Prozent und bei gering Qualifizierten 7,1 Prozent. Von den Männern schaffte immerhin jeder Achte (12 Prozent) den Aufstieg, bei den Frauen nur halb so viele (6,3 Prozent). Wer gut qualifiziert mit Universitäts- oder Fachhochschulabschluss zu Billiglöhnen arbeitet, erreichte im Zeitraum von 2004 auf 2005 immerhin zu 18,1 Prozent einen besser bezahlten Job.


    Aufstiegsmobilität aus dem Niedriglohnbereich nach Personenmerkmalen (Deutschland 2004/2005, sozialversicherungspflichtig Vollzeitbeschäftigte in 2004) Quelle: IAQ-Berechnung auf der Grundlage des BA-Beschäftigtenpanels

    Die Untersuchungen des IAQ basieren auf Zahlen aus dem Beschäftigtenpanel der Bundesagentur für Arbeit. Die Auswertung bezieht sich auf Personen, die im Ausgangsjahr sozialversicherungspflichtig vollzeitbeschäftigt waren, Auszubildende sind darin nicht enthalten.

    Die Gründe für die sinkende Aufwärtsmobilität liegen unter anderem im "Outsourcing", der Ausgliederung schlecht bezahlter Tätigkeiten in auswärtige Unternehmen oder auch Leiharbeit, denn innerbetrieblicher Aufstieg wird damit abgeschnitten. Kombilohnmodelle - auch die Kombination von Teilzeitarbeit und Arbeitslosengeld II - und Minijobs mit weniger Abgaben halten schlecht Bezahlte in diesen Tätigkeiten fest.

    Quelle: iaq.uni-due.de, Pressemitteilung vom 04.03.2008
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    « am: 19. Dezember 2008, 13:35 »

    6,5 Millionen arbeiten für Niedriglohn
    Jeder Fünfte ist laut einer IAQ-Studie betroffen


    Der Anteil der Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland ist seit 1995 um gut 43 Prozent gestiegen. 6,5 Millionen Menschen, das sind 22 Prozent aller abhängig Beschäftigten, arbeiten für wenig Geld. Im internationalen Vergleich hat Deutschland inzwischen einen hohen Anteil von Niedriglöhnen und eine fast beispiellose Ausdifferenzierung des Lohnspektrums nach untern. Das zeigen aktuelle Untersuchungen des Instituts Arbeit und Qualifikation (IAQ) der Universität Duisburg-Essen auf Grundlage der Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP) von 2006. Das SOEP ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung von 12.000 Privathaushalten in Deutschland, die das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung alljährlich durchführt.

    Als Niedriglöhne gelten nach internationalen Standards Bruttostundenlöhne unterhalb von zwei Dritteln des mittleren Stundenlohns in Deutschland. 2006 lag diese Schwelle bei 9,61 Euro in West- und 6,81 Euro in Ostdeutschland. Im Durchschnitt verdienten die Niedriglohnbeschäftigten 2006 Bruttostundenlöhne von 7,12 Euro in West- und 5,43 Euro in Ostdeutschland und damit sogar etwas weniger als im Vorjahr.

    Teilzeit- und Minijobs machen mit knapp 54 Prozent inzwischen mehr als die Hälfte der Niedriglohnbeschäftigung aus, der Anteil der Minijobs hat sich zwischen 1995 und 2006 von 15 auf 29,7 Prozent fast verdoppelt.
    "Das Argument, dass niedrige Löhne bei Minijobs kein Problem seien, weil die Betroffenen häufig anderweitig abgesichert sind, greift aber zu kurz", kritisieren die IAQ-Arbeitsmarktexperten Dr. Claudia Weinkopf und Thorsten Kalina. "Das Lohngefüge insgesamt ist durch billige Minijobs, aber auch durch Zeitarbeit und die Ausgliederung von Tätigkeiten in Bereiche ohne Tarifbindung unter Druck geraten - und die Politik hat mit umfassenden Deregulierungen noch die Schleusen geöffnet für die weitere Ausdehnung der Niedriglohnbeschäftigung."

    Der Vergleich mit anderen an einer IAQ-Studie beteiligten Ländern (Dänemark, Frankreich, Niederlande) zeigt, dass Deutschland inzwischen den höchsten Niedriglohnanteil unter den kontinental-europäischen Ländern hat. Auffällig ist weiter, dass in Deutschland ein hoher Anteil der Niedriglohnbeschäftigten nicht aus dem Kreis der gering Qualifizierten stammt, stellte das IAQ fest. Gut drei Viertel aller Niedriglohnbeschäftigten haben eine abgeschlossene Berufsausbildung oder sogar einen akademischen Abschluss. "Das zeigt, dass Niedriglöhne den Kern der Beschäftigung erreicht haben!"

    Den aktuellen IAQ-Report "Weitere Zunahme der Niedriglohnbeschäftigung: 2006 bereits 6,5 Millionen Beschäftigte betroffen" können Sie unter http://www.iaq.uni-due.de/iaq-report/2008/report2008-01.shtml einsehen.

    Quelle: iaq.uni-due.de, Pressemitteilung vom 31.01.2008
    « Letzte Änderung: 10. Juni 2009, 20:12 von admin » Gespeichert

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