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Autor Thema: Corona-Virus - Leid und Einschränkungen für Pflegebetroffene  (Gelesen 1547 mal)
admin
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« Antworten #8 am: 04. Juni 2020, 22:19 »

Zitat
Kontaktbeschränkung in Pflegeheimen:
Besuch von nur einem Menschen

Noch immer gelten strenge Auflagen für Besuche in Bremer Altenheimen. Der Besuch ist nur einer einzigen Bezugsperson einmal pro Woche erlaubt.


von Lotta Drügemöller, taz-Nord AutorIn - 29.05.2020

BREMEN taz | Seit gut zwei Wochen dürfen Menschen in Bremer Pflegeheimen wieder Besuch empfangen. Die Bedingungen dafür sind allerdings eng umrissen: Ein Besuch ist nur einmal in der Woche möglich, für 45 Minuten. Dabei kann nicht mal die Tochter, mal der Sohn und dann ein Freund vorbeikommen: „Ein Wechsel der Bezugsperson ist nicht zulässig“, heißt es in der Coronaverordnung. Die Familie muss sich einigen, wer als Einziger Mutter oder Vater, Großmutter oder Onkel besuchen darf.

Zu eng finden manche diese Bedingungen. „Welch ein unlogischer Irrsinn angesichts der Öffnungen bezüglich Reisefreiheit ins europäische Ausland und privater Zusammenkünfte“, schreibt eine taz-Leserin, deren Mutter in einer Einrichtung lebt. Auch die Caritas und die Sozialbehörde berichten von Beschwerden der Angehörigen. „Jetzt, wo überall gelockert wird, sind die Regeln schwerer zu vermitteln“, so Martina kleine Bornhorst vom Vorstand der Caritas.

Tatsächlich hatte die Sozialbehörde Anfang Mai weitergehende Ideen: Ein bis zwei Stunden am Tag müsse Besuch möglich sein, von unterschiedlichen Personen. Diese Lockerungen waren bereits als Verhandlungsgrundlage für eine Senatssitzung angekündigt – doch nicht mit den Trägern der Heime abgesprochen. Die beschwerten sich: Mit derart vielen Besuchen seien die Einrichtungen überfordert. Schließlich einigten sich Behörde und Vertreter der Heime auf die nun geltenden Einschränkungen.

Für Reinhard Leopold von der Angehörigen-Vertretung „Heim-Mitwirkung“ richten die Regeln größeren Schaden an, als sie verhindern. „Die Lebenszeit der Menschen in den Heimen ist sehr begrenzt“, sagt er. „Wenn ich so wenige Besuche zulasse, geht der letzte Lebensmut verloren.“

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Reinhard Leopold, Angehörigen-Initiative „Heim-Mitwirkung“
„Erwachsene müssen mündige Entscheidungen treffen dürfen“
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Für Sterbende gelten andere Besuchsregeln. Aber wann gilt ein Mensch als Sterbender? Leopold berichtet von einem Mann in der letzten Stufe der Parkinson-Krankheit, der seinen Sohn nicht sehen darf. „Wie viel Kollateralschäden soll man zulassen?“.

„Allen ist klar, dass das unglaublich harte Regelungen für alle Beteiligten sind“, meint Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). „Tragisch“ sei die Pflicht, sich für einen einzigen Besucher zu entscheiden, ein „Eingriff in die Freiheitsrechte“. Aber: „Wer im Heim lebt, ist mit seiner Entscheidung nicht nur für sich verantwortlich“, so Schneider. „Man trägt Verantwortung für andere Bewohner.“ Die Sozialbehörde müsse auf die Bedenken der Träger eingehen: „Der Preis sonst sind im Zweifel Menschenleben.“

Die Bewohner*innen gehören zum überwiegenden Teil zur Risikogruppe: Von den bekanntermaßen infizierten Menschen über 80 starben in Bremen etwa 28 Prozent. Bei Pflegeheimbewohner*innen liegt das Durchschnittsalter bei über 85 Jahren. „Uns sind diese Menschen anvertraut“, erklärt kleine Bornhorst, „die Beschränkungen sind ein notwendiger Baustein, um ihre Gesundheit aufrecht zu erhalten“.

In Bremen gab es bereits Corona-Infektionen in zehn Heimen, in mindestens zweien davon größere Ausbrüche. Bernd Schneider ist nach den Erfahrungen dort trotzdem einigermaßen zuversichtlich: „Es gelingt mit strengen Maßnahmen, eine Infektion einzudämmen, wenn der erste Fall früh genug gemeldet wird“, so der Sprecher.

Kleine Bornhorst ist sich da weniger sicher. Natürlich gebe es Hygieneregeln und Konzepte, um Infizierte von Nicht-Infizierten zu trennen. Doch ob das reiche, um Bewohner*innen zu schützen, wenn der Virus im Haus ist, wisse sie nicht: „Wir können das Geschehen im Worst Case nicht aufhalten.“ Schließlich seien zahlreiche Bewohner*innen auch kognitiv eingeschränkt und könnten sich nicht an alle Abstandsregeln halten. Und nicht jede*r Infizierte zeige Symptome.

Lockern nur im Tausch gegen mehr Tests

Während die Sozialbehörde über erweiterte Besuchsregeln nachdenkt, stellt kleine Bornhorst dafür klare Bedingungen auf: „Für jede Lockerung, die wir im Pflegeheim bekommen, bestehe ich auf wöchentliche Testung von Mitarbeitern und Bewohnern“, sagt sie.

Hier scheint Einigung möglich: Die Gesundheitsbehörde hat diese Woche mehr Tests, auch in Heimen, angekündigt. Leopold bringt noch einen anderen Vorschlag ins Spiel: „Warum kann man im Pflegeheim nicht eigene Zonen einrichten“, fragt er, „für diejenigen, die das Risiko eingehen wollen? Erwachsene müssen doch mündige Entscheidungen treffen dürfen.“
Quelle: https://taz.de/Kontaktbeschraenkung-in-Pflegeheimen/!5685294/
« Letzte Änderung: 04. Juni 2020, 22:21 von admin » Gespeichert

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« Antworten #7 am: 12. Mai 2020, 23:54 »

Die häufigen Änderungen kann ich leider so kurzfristig nicht permanent nachhalten. Auf folgender Internetseite finden Sie Antworten auf Ihre Frage (zu Regelungen für Bremen):
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https://www.bremen.de/corona
"Die Maßnahmen des Senats zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus wurden in einer Rechtsverordnung (Stand: 26. Mai 2020) gebündelt. Sie wurde auf gesetzblatt.bremen.de als "Gesetzblatt 2020 Nr. 43" veröffentlicht. Die Verordnung steht in verschiedenen Sprachen zur Verfügung, eine Variante in Einfacher Sprache (Stand: 19. Mai 2020) wird ebenso angeboten."
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Bitte nehmen Sie auch an unserer Umfrage teil:
https://www.biva.de/biva-umfrage-erfahrungen-mit-den-pflegeheimbesuchen-unter-auflagen/



Zitat
Corona-Bestimmungen
Bremen beschließt weitere Lockerungen


Nach einem Bericht er Bremer Tageszeitungen sollen Besuche in Pflegeeinrichtungen schon ab diesem Mittwoch wieder möglich sein - sofern die Heime ausreichende Hygienekonzepte vorgelegt haben. Spätestens am 25. Mai müssen alle Pflegeheime die Voraussetzungen für Besuche geschaffen haben. ...

... Grundsätzlich gelten in allen Einrichtungen strenge Auflagen: Einzelpersonen ab 16 Jahren für bis zu zwei Stunden am Tag können nach Terminabsprache wieder ihre Lieben besuchen.

Sie dürfe keine Corona-Symptome zeigen, müssen nach Möglichkeit einen Mund-Nase-Schutz tragen und den Abstand von 1,50 Metern einhalten. Dafür sollen die Einrichtungen Barrieren oder Trennwände aufstellen, die Zimmer der Bewohner sollen Gäste nach Möglichkeit nicht betreten. Außerdem müssen sich Besucher beim Betreten und Verlassen des Heims registrieren lassen.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremen-beschliesst-weitere-lockerungen-_arid,1912885.html - 12.05.2020
https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-endlich-ein-wiedersehen-besuche-in-bremer-pflegeheimen-wieder-erlaubt-_arid,1912941.html - 13.05.2020



Details dazu: Gesetzblatt 2020 Nr. 34 - 12.05.2020
Dritte Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Dritte Coronaverordnung)[>>]

Ergänzung: Gesetzblatt 2020 Nr. 36 - 13.05.2020
Verordnung zur Änderung der Dritten Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Dritte Coronaverordnung)[>>]


Zitat
Lockerung der Corona-Maßnahmen
Endlich ein Wiedersehen:
Besuche in Bremer Pflegeheimen wieder erlaubt

von Lisa-Maria Röhling 13.05.2020

Mit der Lockerung des Besuchsverbots in Pflegeheimen endet auch für Angehörige eine belastende Zeit, in der die Distanz von den Familienmitgliedern ihnen zusetzte.

Jutta Fernholz ist erleichtert. In den vergangenen Wochen hat sich die ehemalige Schulleiterin oft hilflos gefühlt, wenn sie ihre 95-jährige Mutter nicht sehen durfte. „Ich habe sehr darunter gelitten“, sagt sie. Wie viele Angehörige konnte sie wegen der seit Mitte März geltenden Besuchsverbote in den Bremer Pflegeheimen nur noch telefonisch Kontakt mit ihrer Mutter aufnehmen; wie viele andere Angehörige hat sie das extrem belastet. Das soll mit den Lockerungen der Besuchseinschränkungen, die ab diesem Mittwoch gelten, nun ein Ende haben.

Fernholz' Mutter lebt in einer Wohnung in einer Residenzeinrichtung, eine Mischung aus betreutem Wohnen und Pflege. Normalerweise hilft sie ihr im Haushalt und beim Duschen, erledigt Wege für die Mutter. Vor Corona, sagt die Tochter, habe sie oft diese Mischung aus Pflege- und Haushaltsaufgaben übernommen, ab dem Besuchsverbot sei damit Schluss gewesen. Fernholz konnte nur noch Wäsche an der Tür entgegennehmen oder Einkäufe abstellen. Viele der Aufgaben, die sie sonst bei ihren Besuchen dreimal pro Woche erledigte, übernahm das Personal des Trägers. „Das hat gut geklappt“, sagt sie.

Weil die alte Dame aber im Rollstuhl sitzt, „ansonsten aber total fit und kommunikativ ist“, sorgte sich Fernholz vor allem um die seelische Gesundheit ihrer Mutter. Denn Spaziergänge an der frischen Luft gingen eigentlich nur in Begleitung. Das habe die Mutter vor allem deshalb belastet, weil andere, mobilere Bewohner der Residenz immer noch nach draußen gingen, während die 95-Jährige zu Hause bleiben musste. „Das war kaum auszuhalten“, sagt die Tochter. Auch deshalb freut sie sich auf die Lockerungen: Nun seien die Spaziergänge endlich wieder möglich.

Belastungen für Betroffene
Reinhard Leopold, Regionalbeauftragter der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA), erklärt, dass das Kontaktverbot von Angehörigen unterschiedlich aufgenommen worden sei. Viele fänden den Schutz der Bewohner zwar gut, allerdings sei aus ihrer Sicht problematisch, dass sie nicht mehr mitbekämen, was in den Einrichtungen passiere. Auch sei die Belastung für das Personal gestiegen, da einige Angehörige bei ihren Besuchen auch immer wieder Aufgaben und Erledigungen übernähmen. Die Lockerungen sind deshalb aus seiner Sicht überfällig. „Fakt ist, dass die Isolation etwas mit den Menschen macht.“ Von den Pflegebedürftigen werde sie oft als Strafe empfunden, weil sie sich allein gelassen fühlten, den Angehörigen gehe es ähnlich.

Dieter Prasse hat wegen des Besuchsverbotes nicht die Möglichkeit gehabt, sich von seiner Tante zu verabschieden: Nur eine Woche nach den Besuchsbeschränkungen verstarb die 96-Jährige, ohne dass die Angehörigen sie noch einmal sehen konnten. In dem Pflegeheim arbeiteten viele Zeitarbeiter, sagt er, die demente Frau habe deshalb in ihren letzten Tagen mutmaßlich oft mit Fremden zu tun gehabt. Zwar durften er und seine Frau danach von der Toten im Heim Abschied nehmen, ganz logisch sei ihm das aber nicht vorgekommen. „Die Menschen werden um einen würdigen Tod betrogen“, sagt Prasse. Auch seine 100-jährige Mutter lebe in einem Pflegeheim, bei ihr bemerke er in Telefonaten, dass ihre Demenz durch die fehlenden Besuche immer schlimmer werde. „Die Regelungen waren idiotisch“, sagt er.

Peer-Alexander Kulla hingegen hat zwar Verständnis für die Besuchseinschränkungen, allerdings hat er sich in den vergangenen Wochen aus anderen Gründen um seine Mutter gesorgt: Wegen der Kontaktverbotes habe das Personal viele Bewohner daran gehindert, das Haus für Spaziergänge zu verlassen oder sich im Garten aufzuhalten. Das sei zu gefährlich für sie, so die Begründung. „Es ist erschütternd, das man die alten Herrschaften daran hindert, das Haus zu verlassen.“ Seine 82-jährige Mutter habe zwar körperliche Einschränkungen, geistig sei sie aber noch fit. Gerade an den sonnigen Tagen sei die Ausgangssperre eine zusätzliche Belastung zu den Besuchsverboten gewesen.

Knapp sechs Wochen konnte Kullas Mutter nicht an die frische Luft, das habe sie selbst und auch ihn belastet. Als ihr dann noch ein Besuch beim Zahnarzt verwehrt wurde, schritt Kulla ein; seit knapp einer Woche darf seine Mutter nun jeden Tag in den Garten – als einzige Bewohnerin, wie der Sohn sagt.

Neben den Lockerungen hat der Senat beschlossen, die Arbeit des Pflegepersonals zu würdigen: Von einem vom Bund angekündigten Corona-Pflegebonus von 1500 Euro für jeden Beschäftigen will Bremen ein Drittel übernehmen.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-endlich-ein-wiedersehen-besuche-in-bremer-pflegeheimen-wieder-erlaubt-_arid,1912941.html
« Letzte Änderung: 27. Mai 2020, 14:51 von admin » Gespeichert

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« Antworten #6 am: 07. Mai 2020, 10:30 »

Zitat
Kontaktsperre in Bremen: Heime bleiben isoliert

Eigentlich sollte das Kontaktverbot in Bremer Pflegeeinrichtungen gelockert werden – allerdings wurden die Träger nicht einbezogen.

von SIMONE SCHNASE - taz-Redakteurin Bremen, 06.05.2020

BREMEN taz | Am gestrigen Dienstag wollte der Senat eine Lockerung der Besuchsverbote in Alten- und Behindertenpflegeeinrichtungen verkünden, in Kraft treten sollte sie bereits heute. Das jedenfalls berichteten sowohl der Weser-Kurier als auch „buten un binnen“ am Wochenende. Die Lockerungen kommen aber nicht. Zumindest noch nicht.

„Aus Sicht der Senatorin wäre eine Entscheidung im Senat schon heute auch wünschenswert gewesen“, sagte dazu auf Nachfrage am gestrigen Dienstag Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). „Die von den Trägern gewünschte engere Einbindung für die Frage der operativen Umsetzung soll nun aber vorgeschaltet werden.“

Über Letzteres ist Arnold Knigge, Vorstandssprecher der Landesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege (LAG) sehr froh. Denn obwohl er die angestrebten Lockerungen des Kontaktverbots zwischen Angehörigen und HeimbewohnerInnen begrüße, seien noch viel zu viele Fragen offen.

So müsse geklärt werden, wie die Lockerungen personell und organisatorisch umgesetzt werden könnten: „Kontrollen der Regeln und der administrative Aufwand können nur mit mehr Personal durchgeführt werden – und da muss geklärt werden, wie das finanziert werden soll“, sagt Knigge. Hier müssten dringend schnelle und unbürokratische Hilfen geleistet werden.

Darüber hinaus müssten sinnvolle Konzepte erarbeitet werden, „und zwar einrichtungsspezifische, denn die Maßnahmen betreffen ja ganz unterschiedliche Arten von Einrichtungen“.

Kolportierte Pläne, nach denen es BesucherInnen unter anderem erlaubt werden soll, ihre Angehörigen draußen zu treffen, hält Knigge für nicht umsetzbar: „Die Mitarbeitenden der Einrichtungen können doch gar nicht kontrollieren, ob da tatsächlich der gebotene Abstand eingehalten wird.“ Für ihn sind eigens eingerichtete Besuchsräume vorstellbar „oder Besuchscontainer nach niederländischem Vorbild“. Und absolut unverzichtbar, sagt Knigge, sei es, „umfassend und engmaschig zu testen“.

Das sieht auch Stahmann so, die ankündigte, man wolle „mit aller gebotenen Vorsicht zu Lockerungen kommen und dann entschiedene Schritte gehen“. Welche das konkret sein sollen, ließ sie insgesamt im Dunklen, aber: Eine Erweiterung der Tests soll dazugehören, um sicherzustellen, dass Angehörige keine Viren in die Einrichtungen tragen. Aber nicht nur an dieser Stelle, sagt Knigge, müsse konsequent getestet werden: „Menschen, die aus Krankenhäusern in Pflegeeinrichtungen überstellt werden, werden bisher nicht regelhaft getestet – das muss ebenfalls unbedingt getan werden.“

Die Kontaktbeschränkungen seien „eine ganz große Härte“, sagte Stahmann, denn „auch soziale Isolation macht die Menschen krank“. Deswegen sei es wichtig, die Türen nun vorsichtig zu öffnen. Wie das geschehen solle, werde „in dieser Woche“ mit den diversen Trägern der Wohlfahrtsverbände und Hospize besprochen.

„Kleine Helferlein“

Sigrid Grönert, sozialpolitische Sprecherin der CDU-Bürgerschaftsfraktion, ist darüber empört. Denn die Ministerpräsidentenkonferenz hatte bereits am 15. April beschlossen, dass Regularien entwickelt werden sollten, um BewohnerInnen von Pflegeeinrichtungen nicht länger vollständig zu isolieren.

„Alle warten bereits auf Lockerungen und jetzt erst werden Gespräche angekündigt“, sagt Grönert. „Die Leidtragenden sind weiterhin die Betroffenen, von denen einige nicht zu Unrecht sagen, dass man sie entmündigt, nur weil sie in einer Einrichtung leben.“

Auch für Reinhard Leopld, Gründer der Bremer Selbsthilfe-Initiative „Heim-Mitwirkung“ und Regionalsprecher des Biva-Pflegeschutzbundes, sind Lockerungen der Kontaktsperre längst überfällig: „Isolation macht krank“, sagt er. Darüber hinaus seien angesichts des chronischen Personalmangels BesucherInnen als Kontroll­instanz und „kleine Helferlein“ in den Pflegeeinrichtungen immer schon wichtig gewesen, „und jetzt erst recht“. Denn die Wohn- und Betreuungsaufsicht kontrolliert die Einrichtungen nach wie vor nur anlassbezogen.
Quelle: https://taz.de/Kontaktsperre-in-Bremen/!5680063/[/url]



Gesetzblatt 2020 Nr. 32
Datum der Veröffentlichung: 05.05.2020
Hinweistext: Zweite Verordnung zum Schutz vor Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (Zweite Coronaverordnung)
Quelle: https://www.gesetzblatt.bremen.de/sixcms/detail.php?template=20_gesetzblatt_init_d&pfad=
(S. 244 - 264)
« Letzte Änderung: 07. Mai 2020, 10:35 von admin » Gespeichert

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« Antworten #5 am: 04. Mai 2020, 18:30 »

Zitat
Begegnungen mit Auflagen
Bremen will Besuche in Seniorenheimen erlauben

von Sara Sundermann und Carolin Henkenberens 02.05.2020

Die Kritik an der Isolation der Menschen in Pflegeheimen zum Schutz vor dem Coronavirus wächst. Nun legt die Bremer Sozialbehörde einen Plan zur Lockerung des Besuchsverbots für Heimbewohner vor.

Die Seniorenvertretung und der Pflegerat fordern eine Lockerung des Besuchsverbots, das seit fast acht Wochen in Pflegeheimen gilt. Sie betonen, wie stark Bewohner und ihre Angehörigen unter den Kontaktbeschränkungen leiden. Der derzeitige Umgang mit alten Menschen sei „nicht angemessen“, so ein Sprecher der Seniorenvertretung. Nach Informationen des WESER-KURIER soll am Dienstag im Senat eine Lockerung des Besuchsverbots beschlossen werden. Die Sozialbehörde hat dazu mit dem Gesundheitsamt eine Verordnung vorbereitet.

Bewohner von Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und Hospizen sollen demnach wieder Besuch bekommen dürfen – aber nur, wenn sie und ihre Besucher eine Reihe von Auflagen einhalten. Einzelne Bundesländer wie zum Beispiel Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg haben bereits beschlossen, Besuche unter Hygiene-Auflagen wieder zu erlauben. Zuletzt forderte auch der Pflegebevollmächtigte der Bundesregierung eine Lockerung des Besuchsverbots in Heimen.

Die Befürworter von Lockerungen betonen, es sei unmenschlich, ältere Menschen noch länger von ihren Familien abzuschirmen. ­Diejenigen, die für eine Fortsetzung des Besuchsverbots plädieren, warnen davor, dass es bei Heimbewohnern um eine höchst gefährdete Gruppe gehe, für die eine Corona-Infektion zum Tod führen könne. In Bremen wurden nach Zahlen der Gesundheitsbehörde von Donnerstag bislang 57 Corona-Fälle bei Heimbewohnern bekannt, 17 von ihnen starben.

In Niedersachsen sorgen sich die Ärztekammer und die Kirchen seit Wochen um isolierte Heimbewohner. Niedersächsische Pflegeverbände dagegen wollen am Besuchsverbot festhalten: Es sei gesundheitlich nicht vertretbar, Heime wieder für Besucher zu öffnen.

Besuch unter Auflagen
In Bremen sollen Bewohner von Pflegeeinrichtungen künftig wieder von einer Person über 16 Jahren für maximal ein bis zwei Stunden pro Tag Besuch bekommen dürfen, wenn Bewohner und Besucher symptomfrei sind, mindestens anderthalb Meter Abstand halten und einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Das geht aus der vom Bremer Sozialressort erarbeiteten Verordnung hervor, die dem ­WESER-KURIER vorliegt.

Treffen können auf dem Außengelände von Heimen oder in größeren Räumen stattfinden, nicht aber in den Zimmern der Bewohner – es sei denn, Bewohner sind bettlägerig oder haben eine Behinderung. „Jeder Besuch muss sich beim Betreten und Verlassen der Einrichtung für den Fall einer Kontaktnachverfolgung registrieren lassen“, betont die Sozialbehörde. Essen werde während des Besuchs nicht erlaubt sein. Die Lockerungen sollen in Bremen für Seniorenheime, Einrichtungen der Behindertenhilfe und Kurzzeitpflege sowie Pflege-Wohngemeinschaften gelten. Noch etwas weiter gehende Besuchsmöglichkeiten sind für stationäre Hospize geplant, in denen Menschen ihre letzten Tage verbringen. Wenn der Senat am Dienstag die Verordnung beschließt, soll sie ab 6. Mai in Kraft treten.

„Nach annähernd acht Wochen mit Betretungsverboten für Pflegeeinrichtungen müssen wir dringend Wege finden, Besuche wieder möglich zu machen“, sagt Sozialsenatorin Anja Stahmann (Grüne). Es sei „auch in der Pandemie weder Angehörigen noch Bewohnerinnen und Bewohnern auf Dauer zuzumuten, ohne die familiären Kontakte zu leben“.  

Kritik an dauerhaften Besuchsverbote gewachsen
In den vergangenen Tagen ist die Kritik an dauerhaften Besuchsverbote gewachsen: Der Biva-Pflegeschutzbund, eine Interessenvertretung von Pflegeheim-Bewohnern, richtete eine Petition an die Gesundheitsministerien der Bundesländer und forderte, Besuche in Heimen möglich zu machen. Mehr als 8000 Menschen unterschrieben, auch die Bremer Seniorenvertretung unterzeichnete. „Ich finde es nicht angemessen, wie man derzeit mit alten Leuten umgeht“, sagte Dirk Mittermeier, Sprecher der Seniorenvertretung vor Bekanntwerden der Bremer Pläne.

„Es wird diskutiert, wie man Fußballspiele wieder möglich machen kann, aber gleichzeitig ist man bei lebenswichtigen Dingen wie Besuche für Heimbewohner besonders harsch. Das kann doch nicht sein.“ Auch der Bremer Pflegerat als Zusammenschluss mehrerer Berufsverbände im Pflegebereich befürwortete eine Öffnung der Heime für Besucher: „Es ist jetzt an der Zeit zu gucken, dass man zu Besuchsmöglichkeiten individuelle Entscheidungen trifft“, sagte die Vorsitzende Heidrun Pundt.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-bremen-will-besuche-in-seniorenheimen-erlauben-_arid,1911125.html



Zitat
Auswirkungen der Corona-Maßnahmen
Was das Besuchsverbot mit Bremer Heimbewohnern macht

von Sara Sundermann und Carolin Henkenberens 02.05.2020

Manche verstehen nicht, warum ihre Angehörigen sie nicht mehr besuchen, andere haben Angst vor Pflegerinnen mit Masken: Die Einschränkungen zum Schutz vor Corona haben Folgen für die Menschen in Bremer Heimen.

Wenn Cordula Leefmann derzeit ihren Vater besuchen will, muss sie mit großem Abstand über den Gartenzaun rufen oder zum Fenster seines Zimmers hinauf. Der 83-Jährige lebt in einem Bremer Pflegeheim und hat Demenz. „Mir kommen nur noch die Tränen, wenn ich zum Pflegeheim gehe, obwohl wir Glück haben, weil mein Vater ein Zimmer mit Fenster zur Straße hat“, erzählt die 55-Jährige. „Sonst gehen mein Vater und ich oft spazieren, und wenn wir dabei Kinder oder Hunde treffen, freut sich mein Vater besonders.“ Spazieren gehen, aus der Nähe anlächeln – das alles fällt momentan weg.

Das Personal des Pflegeheims sei sehr bemüht, dass man trotz der momentanen Situation Kontakt halten könne, erzählt die Tochter. „Aber ich möchte meinen Vater gerne in die Arme nehmen. Er braucht die Nähe, und die hat er jetzt nicht. Ich glaube, er vereinsamt gerade.“ Das Pflegepersonal könne es nicht leisten, die fehlenden Besuche auszugleichen.

Die 55-jährige Verwaltungsangestellte erzählt auch, was es für ihren Vater bedeutet, dass nun Pflegekräfte einen Mund-Nasen-Schutz tragen: „Er hat Angst vor diesen Masken, er kommt damit nicht zurecht.“

Cordula Leefmann würde gerne ihren Vater wieder besuchen können, und sei es auch mit Auflagen. Aber sie macht sich zugleich Sorgen darüber, was eine Aufhebung des Besuchsverbots bedeuten könnte: „Ich hätte kein Problem damit, den Abstand bei Treffen mit meinem Vater einzuhalten, aber ich habe schon die Sorge, dass sich andere Angehörige vielleicht nicht daran halten.“ Auch sie selbst möchte nicht gern das Risiko eingehen, möglicherweise andere Pflegeheimbewohner anzustecken. „Vielen in der Einrichtung geht es gesundheitlich noch deutlich schlechter als meinem Vater, sie würden eine Infektion wahrscheinlich nicht überleben.“

Bisher nur Verbote für Pflegeheime
„In vielen Heimen sitzen die Bewohner auf 13 oder 14 Quadratmetern und gucken die Wand an“, sagt Dirk Mittermeier von der Bremer Seniorenvertretung. Er kritisiert den bisherigen Umgang mit Heimbewohnern in Zeiten von Corona. „Bisher gab es für Pflegeheime erst mal nur Verbote, es fehlt an Hirnschmalz, wie man Besuchsmöglichkeiten intelligent umsetzt.“ Mittermeier erzählt von einer Bekannten, einer alten Dame, deren Ehemann im Rollstuhl sitze und in einem Pflegeheim lebe. „Sie erzählt mir, sie kann ihn nicht mehr anrufen, weil er jedes Mal weint, wenn sie ihn anruft und sie das kaum aushält.“ Die Frau sage, ihr Mann verstehe nicht, was los sei und frage sie immer, warum sie ihn nicht mehr besuchen komme. „Was da momentan alles kaputt geht, auch für die Angehörigen, das ist schon heftig“, sagt Mittermeier. „Da werden Menschen getrennt, die fünfzig oder sechzig Jahre zusammen waren.“

Ist eine Aufhebung des Besuchsverbots der richtige Weg? „Mit den notwendigen Schutzvorkehrungen oder Besuchen draußen kann ich mir eine Lockerung gut vorstellen“, sagt Kerstin Bringmann, Verdi-Gewerkschaftssekretärin aus Bremen, bevor die Pläne der Sozialbehörde für eine Lockerung bekannt wurden. „Klar muss aber sein, dass man nicht sofort in die Normalität starten und da weitermachen kann, wo man am 17. März aufgehört hat.“ Der Schutz der Pflegeheimbewohner und Mitarbeitenden müsse bei Lockerungen absolut gewährleistet sein.

Welch kreative Lösungen sich mancher ausdenkt, damit alte Menschen wieder Besuch bekommen können, zeigt ein Geschäftsmann aus Chemnitz. Er baute eine „Besucherbox“ für ein Altenheim. Die Box mit einer Scheibe in der Mitte steht nun in der Caféteria eines Seniorenheims, berichtet der MDR. Nach jedem Besuch werde sie desinfiziert.

Heidrun Pundt, Vorsitzende des Bremer Pflegerats, forderte vor Bekanntwerden der Bremer Pläne dazu auf, darüber nachzudenken, wie das Besuchsverbot in Pflegeheimen gelockert werden könne. Die sei wichtig, damit die Isolation nicht auf unbestimmte Zeit das Leben von Heimbewohnern bestimme.

Krank durch die Isolation
„Die Gefahr durch das Coronavirus bleibt groß“, sagt Pundt. „Aber Menschen können auch in der Isolation krank werden.“ Das Besuchsverbot bezeichnet sie als „immensen Eingriff“. Sie sagt, es brauche dringend mehr Tests in Heimen – für Pflegekräfte, Bewohner und Angehörige. Das hatten zuletzt auch Bremer Wohlfahrtsverbände gefordert.

Dieser Forderung erteilt die Gesundheitsbehörde allerdings eine Absage: Reihentests in Heimen seien fachlich nicht sinnvoll, sagt Behördensprecher Lukas Fuhrmann: „Theoretisch müssten wir dann Pflegekräfte und Bewohner alle drei Tage testen.“ Solche Tests würden „eine reine Momentaufnahme“ liefern, so Fuhrmann. Negativ getestete Personen könnten sich kurz nach dem Test anstecken und Tests falsch negative Ergebnisse produzieren, wenn eine Person getestet werde, die sich gerade erst angesteckt habe.

Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-was-das-besuchsverbot-mit-bremer-heimbewohnern-macht-_arid,1911113.html
« Letzte Änderung: 04. Mai 2020, 18:33 von admin » Gespeichert

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« Antworten #4 am: 02. April 2020, 10:29 »

Zitat
Corona in Bremer Pflegeheimen
Zwei Tote, viele Fragen

Die ersten Corona-Toten in Bremen lebten in einem Pflegeheim. Weitere Bewohner*innen sind infiziert. Eine Ideallösung für Heime ist nicht in Sicht.


von Lotta Drügemöller - Autorin taz-Bremen, 31.03.2020

BREMEN taz | In Wolfsburg grassiert das Coronavirus aktuell in einem Altenpflegeheim, etwa die Hälfte der Bewohner*innen ist infiziert, 15 von ihnen sind bis Montagmorgen gestorben. Auch in Bremen sind zwei Einrichtungen der Risikogruppe betroffen – mitbekommen hatte das die Öffentlichkeit, weil der erste in Bremen am Coronavirus Verstorbene ein 76-jähriger Bewohner des Heims war. Mittlerweile ist ein zweiter 90-jähriger Patient aus dem Heim gestorben.
Der zweite Verstorbene ist der Bewohner, bei dem Corona im Heim als erstes diagnostiziert worden war. Bei diesem Index-Patienten war die Krankheit schon am 16. März festgestellt worden. Danach waren neun weitere Bewohner*innen positiv auf das Virus getestet worden. Er war bereits im Krankenhaus untergebracht, bis zum Wochenende hieß es aber, sein Zustand sei stabil.

Der erste Verstorbene dagegen soll laut Gesundheitsbehörde am 22. März, einem Sonntag, erste leichte Symptome gezeigt haben – sechs Tage nach Patient eins. Am Montag wurde er getestet, das positive Ergebnis lag dann am Dienstag vor. In der Nacht war er ins Krankenhaus Bremen-Mitte gebracht und dort sofort auf die Intensivstation gelegt worden. Am Mittwochmorgen starb er dort an Herzstillstand.

Obwohl der 76-Jährige schwere Vorerkrankungen hatte, war er also weder beim ersten Verdacht noch direkt nach dem positiven Testergebnis in die Klinik verlegt worden. „Es war vorher medizinisch nicht angezeigt“, sagt Lukas Fuhrmann, Sprecher der Gesundheitssenatorin. Seine Symptome seien schließlich nur leicht gewesen. „Bislang werden die betreut, die eine Krankenhausbehandlung nötig haben.“ Die Entscheidung sei vom Personal vor Ort gefällt worden – ob von Pflegenden oder Ärzt*innen lässt die Gesundheitsbehörde indes unbeantwortet.

Zitat
„Die Pflegenden sind die ersten, die den Virus in die Heime tragen können. Hier ließe sich die Gefahr sinnvoll verkleinern“
Reinhard Leopold, Interessensvertretung alter und pflegebetroffener Menschen

Dass künftig – solange es die Krankenhauskapazitäten zulassen – auch Fälle mit leichten Verläufen früher in die Klinik kommen, wenn sie unter Vorerkrankungen leiden, sei im Bereich des Möglichen, so Fuhrmann auf Nachfrage. Rolf Dembinski, Klinikleiter der Intensivmedizin am Klinikum Bremen-Mitte, bleibt zurückhaltend: „So eine Empfehlung kann man keinesfalls generell aussprechen“, so Dembinski. „Ob ein Patient stationär im Krankenhaus aufgenommen werden muss, ist eine Einzelfallentscheidung.“

Dembinski hatte den ersten Verstorbenen behandelt und hält für unwahrscheinlich, dass ihn eine frühere Einweisung gerettet hätte. „Wir müssen vielmehr davon ausgehen, dass es sich um einen ungewöhnlich schnellen, schicksalhaften Verlauf gehandelt hat“, so der Klinikleiter. Das Leben in der Pflegeeinrichtung geht derweil weiter. Für die nachgewiesen Infizierten wurde eine Isolierstation eingerichtet.

Der Verstorbene selbst hatte die ersten Symptome sechs Tage nach dem positiven Test­ergebnis von Patient eins. Bis dahin war er auf der normalen Station untergebracht – obwohl er zu den direkten Kontaktpersonen des ersten Erkrankten gehört hatte. Dass weitere Bewohner*innen infiziert sind und sich infizieren werden, ist auch in Bremen nicht ausgeschlossen, auch wenn man von Wolfsburger Verhältnissen weit entfernt ist.

Laut Behörde wird die Gesundheit aller Heim-Bewohner*innen täglich durchs Amt überprüft. Das weitere Vorgehen müsse im Laufe der Pandemie entwickelt und angepasst werden: Ursprünglich hatte man die Heime auf Pläne des Robert-Koch-Instituts von 2005 und 2013 verwiesen, die sich allgemein auf Atemwegserkrankungen beziehen und auch bei einer normalen Grippewelle Anwendung finden.

In der Praxis ergreift man mittlerweile strengere Maßnahmen: Es gilt nicht nur das Besuchsverbot der Allgemeinverfügung, sondern das gesamte Heim steht unter Quarantäne: Alle, also auch Bewohner*innen ohne Symptome, bleiben auf ihren Zimmern, wo sie versorgt werden.

Die Ideallösung für Pflegeheime gibt es dabei nach Ansicht von Expert*innen nicht. Wenn auch für bisher nicht betroffene Heime vorsorglich ähnliche Isolationsregeln gelten würden, würde das die Risikogruppe wohl effektiver vor dem Virus schützen – aber dabei große Probleme mit sich bringen. Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) warnt davor, die Rechte von Heimbewohner*innen über Gebühr einzuschränken.

Zumal Demenzkranke hätten Probleme, nachzuvollziehen, warum kein Besuch mehr käme. „Das Ziel, mehr Schutz und Sicherheit für die Bewohner zu erreichen, kann sich dadurch ins Gegenteil verkehren: Isolation, Vernachlässigung oder fehlende Mobilität aufgrund der Schutzmaßnahmen werden gravierende Folgen für die psychische und körperliche Gesundheit haben“, heißt es in einem Positionspapier der BIVA.

Heime sind weitgehend unkontrolliert

Auch Reinhard Leopold, Vorsitzender der Bremer Angehörigen-Selbsthilfegruppe Heim-Mitwirkung und Regionalbeauftragter der BIVA, sieht in den Schutzmaßnahmen selbst eine Gefahr: „Sämtliche soziale Kontakte werden aufgegeben, es gibt keine Beschäftigungsangebote mehr. Die psychischen Schäden, die das hervorrufen kann, bleiben völlig unberücksichtigt.“

Erschwerend komme hinzu, dass der Medizinische Dienst der Krankenkassen momentan nicht zu Kontrollbesuchen in die Heime kommen. Die Wohn- und Betreuungsaufsicht hat laut Sozialbehörde nach wie vor keine freien Kapazitäten für anlasslose Regelkontrollen. Sie kommt wie bisher weiterhin in die Heime, sofern es Beschwerden gibt. Da die Angehörigen die Lage vor Ort aber nicht mehr sehen können, sind die Kontrollmöglichkeiten de facto stark eingeschränkt.

Eine Lösung für das Problem der infizierten Heime kennt auch Leopold nicht. Um Infektionen besser vorzubeugen,z schlägt er aber regelmäßige Tests des Personals vor: „Die Pflegenden sind die ersten, die den Virus in die Heime tragen können. Hier ließe sich die Gefahr sinnvoll verkleinern.“ Und tatsächlich: Neben den beiden Einrichtungen mit kranken Bewohner*innen ist mittlerweile in einem dritten Heim der Coronavirus festgestellt werden – bei einer Pflegekraft.
Quelle: https://taz.de/Corona-in-Bremer-Pflegeheimen/!5672644/

* taz-HB_Tote aus dem Heim_200331.pdf (1811.79 KB - runtergeladen 22 Mal.)
« Letzte Änderung: 07. April 2020, 12:04 von admin » Gespeichert

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« Antworten #3 am: 28. März 2020, 02:52 »

Zitat
Besuchssperren wegen Corona:
„Bleib bloß weg, hat sie gesagt“


Wie gehen Angehörige und Bewohner:innen damit um, dass sie wegen der Corona-Pandemie ihre Lieben nicht sehen können? Fünf Protokolle von Betroffenen.

von Teresa Wolny - Freie AutorIn | taz 20.03.2020

Bettina Peters besucht ihre Mutter normalerweise vier Mal pro Woche in einem Pflegeheim in Bremen-Schwachhausen. Als Heimfürsprecherin vertritt sie die Interessen der Menschen im Heim

Seitdem ich sie nicht mehr besuchen kann, telefoniere ich jeden Tag mit meiner Mutter. Die Heimleitung hat mich telefonisch über das Besuchsverbot informiert, das ich verstehe. Auf keinen Fall möchte ich das Virus in die Pflegeeinrichtung tragen.

Meine Mutter, die 78 ist, findet die Entscheidung ebenfalls richtig. „Bleib bloß weg“, hat sie gesagt. Für andere Menschen im Heim ist es jedoch teilweise nur schwer nachvollziehbar, was draußen passiert.

Wir sind alle verunsichert aufgrund der Situation und haben alle ein bisschen Angst. Ich bin dankbar, dass Politik und Heimleitung diese Maßnahmen ergriffen haben. Das Pflegepersonal ist sehr liebevoll und im Moment ist eine Einrichtung schließlich auch ein Ort, wo sich jemand um die Menschen kümmert. Ich finde es wichtig, Pflegeheime als Orte zu betrachten, wo Menschen gut aufgehoben sind, oft besser als bei sich zu Hause. Die alten Menschen, die jetzt isoliert zu Hause sind, vereinsamen total. Bei meinem Vater etwa kommt zwar noch der Pflegedienst, der ist aber nicht da, um Gesellschaft zu leisten, dafür fehlt die Zeit. Im Heim versucht man so gut wie möglich aufzufangen, was jetzt an Kontakt fehlt.

Bei mir hat sich bisher auch noch niemand gemeldet und sich über die Maßnahmen beschwert. Die Trauer, sich nicht mehr sehen zu können, ist natürlich trotzdem da. Aber wir müssen unsere Alten schützen, sie sind nun mal Risikogruppe.

Michaela Babitzke, besucht ihren Sohn normalerweise täglich in seiner Einrichtung in Bremen-Nord

Mein Sohn lebt in einem Heim für junge Erwachsene mit Schädel-Hirn-Trauma. Wir als Angehörige wurden schon vor zwei Wochen telefonisch über die Besuchssperre informiert, weil es einen Verdachtsfall gab, der sich allerdings nicht bestätigt hat. Am Anfang hielt ich das für übertrieben, das hat sich im Laufe der Zeit aber geändert. Es ist natürlich traurig und es fällt mir extrem schwer, dass ich meinen Sohn nicht sehen kann, andererseits möchte ich auch, dass er geschützt wird.

Normalerweise sehen wir uns täglich, das letzte Mal ist jetzt zwei Wochen her. Eigentlich haben wir ihn an einem Wochenendtag bei uns zu Hause, auch das geht nicht mehr.

Auch für das Pflegepersonal ist die Situation nicht leicht, einige Angehörige machen sich so große Sorgen, dass sie durch die Fenster schauen, da gibt es durchaus auch Misstrauen. Mein Sohn ist zwar aus dem Wachkoma raus, braucht aber wie die anderen Patienten jeden Tag Therapie und Mobilisierung. Auch diese Therapien sind aber nur noch sehr, sehr eingeschränkt möglich, obwohl gerade junge Menschen ganz besonders viel Input brauchen. Die Sozialpädagogin im Haus versucht da gerade, ein Programm aufzubauen.

Ich habe das Gefühl und bin froh darüber, dass man sich über die Lage Gedanken macht. Mein Sohn kann nicht sprechen, aber er bekommt viel mit, mithilfe eines Pflegers konnte ich zumindest am Telefon mit ihm reden. Wir sind gerade erst am Anfang, eine Kommunikation über Pupillenbewegungen am Computer aufzubauen. Das pausiert jetzt allerdings alles und es wird Rückschritte geben.

Gestern konnte ich meinen Sohn kurz sehen, eine Pflegerin hat seinen Rollstuhl vor eine Zwischentür geschoben. Es gibt Schilder, auf denen „Bis hierhin und nicht weiter“ steht. Das war für mich okay. Zwar war das eine Ausnahme, aber da mein Sohn nächste Woche Geburtstag hat, ist es dann hoffentlich wieder möglich, ihn zumindest auf diese Art zu sehen.

Jonas Korte, besucht seinen Vater normalerweise vier Mal pro Woche in einem Pflegeheim in der Bremer Neustadt

Schon das letzte Mal vor einer Woche waren Besuche bei meinem Vater nur noch eingeschränkt möglich. Es wurde darum gebeten, sie auf zwei Mal pro Woche und auf eine Kontaktperson einzuschränken. Das hatte ich auch für sinnvoll gehalten. Wegen der schnellen Veränderungen ist die Informationslage momentan etwas schwierig: Einen Tag, nachdem der Brief mit der Ankündigung der moderaten Einschränkungen kam, wollte ich meinen Vater noch einmal besuchen. Das war dann schon nicht mehr möglich und ich habe den Kuchen, den ich ihm mitgebracht hatte, dem Pflegepersonal übergeben. Das soll wohl auch weiterhin gehen.

Vor der Einrichtung stehen große Schilder, auf denen „Stopp, keine Besuche“ steht. Ich mache mir keine wahnsinnigen Sorgen, sondern gehe mit der Sache eher pragmatisch um, man kann an der Situation mit Corona derzeit nichts ändern. Eine andere Frage ist allerdings, wie das weitergehen soll. Irgendwann werden die Maßnahmen gelockert werden müssen und ich frage mich, ob es dann zu einer zweiten Welle kommt. Mit den geschlossenen Heimen ist die Lage relativ sicher, aber das Risiko erhöht sich wahrscheinlich, wenn die Pflegeheime die Tore wieder öffnen.

Ich versuche, meinen Vater momentan täglich anzurufen. Er ist 69 und durch seine Krankheit eingeschränkt, ist aber im Pflegeheim mobil und besitzt ein Handy. Es klappt allerdings nicht immer, ihn zu erreichen. Bisher sind die Telefonate eher oberflächlich, ich glaube aber, dass er mit der Situation momentan relativ gut zurechtkommt.

Sabine Albrecht, geht normalerweise wöchentlich mit ihrem Sohn schwimmen, der in einem Wohnheim für schwerstbehinderte Menschen in der Bremer Neustadt lebt

Gestern wurden mein Mann und ich angerufen und über die Besuchssperre informiert. Unser Sohn ist 36 Jahre alt und lebt seit 17 Jahren in einem Wohnheim mit 25 schwerstbehinderten Menschen. Das letzte Mal habe ich ihn vor einer Woche gesehen, als wir wie jeden Freitag mit ihm schwimmen gegangen sind. Wie viele im Wohnheim, sitzt er im Rollstuhl, als Gehörloser ist er noch einmal besonders eingeschränkt, weil die körperliche Zuwendung dann besonders fehlt und es auch keine Möglichkeiten gibt, zu telefonieren.

Es fällt uns schwer, ihn jetzt nicht mehr sehen zu können. Die Einrichtung hat allerdings angeboten, dass Angehörige mit den Menschen im Rollstuhl spazieren gehen können, wenn sie die Abstandsregeln einhalten. Das ist natürlich erst mal gut, allerdings halte ich es bei schwerbehinderten Menschen für schwer umsetzbar, wirklich nur hinter dem Rollstuhl zu bleiben.

Meine anderen Kinder sind außerdem strikt dagegen, dass wir Eltern das machen, da wir ebenfalls zur Risikogruppe gehören. Das Virus macht uns durchaus Angst. Wir hatten auch überlegt, unseren Sohn zu uns nach Hause zu holen, aber auch das ist keine Lösung, weil wir das körperlich über einen längeren Zeitraum schlicht nicht können. Unsere beiden anderen Kinder kümmern sich auch und können jetzt also mit ihrem Bruder spazieren gehen, dieses Glück haben nicht alle.

Herwarth Poppe, bekommt normalerweise regelmäßig Besuch in seinem Pflegeheim in Bremen Horn, wo er Vorsitzender des Bewohnerbeirats ist

Seit gestern sind auch hier die Besuche gesperrt worden. Ich kann das gutheißen, denn wir sehen ja, wie es in Italien aussieht und ich glaube, dass wir den Ausgangssperren auf diese Weise aus dem Weg gehen könnten. Ich bin nicht immer der Meinung der Bundeskanzlerin, diesmal stimme ich aber voll und ganz mit ihr überein. Ich habe viele Kontakte, aber es ist nicht so, als ob ich von der Menge von Besuchen abhängig wäre. Man kann schließlich telefonieren und ich fühle mich außer dem Essen hier ganz wohl.

Natürlich gibt es Leute, die das Besuchsverbot bejammern und mit denen ich deswegen auch diskutiert habe. Auch ich habe Kinder, die gerne kommen würden, aber wir sollten uns jetzt so diszipliniert verhalten, dass wir einer Ansteckung aus dem Weg gehen. Das fällt mir durchaus nicht leicht, aber ich habe mich in meinem Leben schon auf viele Situationen einstellen müssen. Ich bin 84 und hab noch das Ende des zweiten Weltkriegs mitgekriegt. Es ist, wie es ist.

Quelle: https://taz.de/Besuchssperren-wegen-Corona/!5669259/

* taz-HB_Besuchssperren_200320.pdf (967.66 KB - runtergeladen 24 Mal.)
« Letzte Änderung: 28. März 2020, 02:58 von admin » Gespeichert

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« Antworten #2 am: 28. März 2020, 02:31 »

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Bremer Klinikkonzern
Geno will Infizierte arbeiten lassen

von Jürgen Theiner und Carolin Henkenberens 19.03.2020

Ist ein Einsatz Corona-infizierter Mitarbeiter am Krankenbett denkbar? Der Bremer Klinikkonzern Gesundheit Nord bejaht das grundsätzlich. Ein entsprechendes Rundschreiben an die Mitarbeiter sorgt für Wirbel.

Im Zeichen der Corona-Krise zeigt das Bremer Gesundheitswesen erste Stresssymptome. In der Belegschaft des städtischen Klinikverbundes Gesundheit Nord (Geno) sorgt seit Dienstag ein Rundschreiben der Konzernspitze für große Irritationen.

In der Mitarbeiterinformation geht es unter anderem um das Verhalten des Personals bei eigener Covid-19-Ansteckung. Dabei werden mehrere Szenarien beschrieben. Eines davon: „Ich bin selbst mit dem Corona-Virus infiziert, fühle mich aber gut. Auch in diesem Fall kann ich grundsätzlich weiter arbeiten“, heißt es in dem Schreiben wörtlich. Vorher sei aber mit den Hygiene-Experten der Geno Rücksprache zu halten.

Diese Ansage der Geno-Spitze hat viele Beschäftigte aufgebracht. „Das ist in dieser Form nicht tragbar“, sagte ein Arzt, der an einer der beiden Corona-Ambulanzen der Geno beschäftigt ist, dem WESER-KURIER. Selbst wenn infizierte Kollegen mit einem Mund-Nasen-Schutz ausgestattet seien und alle Hygiene-Regeln befolgten, könne es nicht sein, dass sie Nicht-Corona-Patienten behandeln. So sieht das auch Bremens führender Experte, Andreas Dotzauer, Leiter des Laboratoriums für Virusforschung an der Universität Bremen: „Das irritiert mich.“ Für denkbar hält Dotzauer einen Einsatz infizierten Personals erst zwei bis drei Wochen nach Symptombeginn, wenn keine Ansteckungsgefahr mehr besteht. „Vorher geht das nicht, selbst wenn ein Arzt oder Pfleger eine Maske trägt.“

Empfehlung war abgestimmt

Nach Darstellung von Geno-Sprecherin Karen Matiszick war die Empfehlung in der Mitarbeiter-Information mit den Infektiologen des Klinikverbundes abgestimmt. Natürlich sei es weder wünschenswert noch angestrebt, dass Corona-infizierte Mitarbeiter im Krankenhausalltag eingesetzt werden. „Es könnten aber im weiteren Verlauf der Pandemie Situationen entstehen, in denen wir jede ­helfende Hand gebrauchen können“, sagt ­Matiszick.

Unterdessen richten sich nicht nur die Geno-Häuser, sondern auch die übrigen Bremer Kliniken auf steigende Corona-Patientenzahlen ein. Noch sind nur wenige Infizierte auf eine Behandlung im Krankenhaus angewiesen. „Wir rechnen damit, dass sich das rasant ändern wird“, sagt Karen Matiszick. Im Land Bremen gibt es laut Gesundheitsressort 314 Intensivbetten und 31 Betten in der Intensivüberwachungspflege, einer Zwischenstufe zwischen Normal- und Intensivstation. Die Zahl der Intensivbetten sei im Bundesvergleich ein guter Wert, so Matiszick. Sie werde aber weiter aufgestockt.

Um dem Personalengpass zu begegnen, würden Ruheständler oder Angestellte aus den Krankenpflegeschulen angeschrieben. Man habe auch Mitarbeiter der Verwaltung mit entsprechender Qualifikation aufgerufen, wieder in den Dienst am Patienten einzusteigen. „Es ist eine ernste Lage, wir merken aber auch eine unglaubliche Bereitschaft der Mitarbeiter, diese Herausforderung zu stemmen“, sagt Matiszick. Ärzte und Pfleger verschöben etwa bereitwillig ihren Urlaub.

Schutzkleidung und Masken

Auch das Rotes-Kreuz-Krankenhaus in Bremen versucht, möglichst viele Betten auf der Intensivstation freizuhalten. Operationen, die sich verschieben lassen, werden abgesagt, sagt Sprecherin Dorothee Weihe. Auch das Personal rotiere: Wer die entsprechende Qualifikation habe, wechsele von einer Normal- auf eine Intensivstation. Bei einigen werde mittels Schulungen das entsprechende Wissen aufgefrischt. Ein täglicher Krisenstab beratschlage über die Schritte. Eine der drängendsten Fragen des Krankenhauspersonals ist der Sprecherin zufolge, ob die vom Gesundheitsministerium georderte Ausrüstung wie Schutzkleidung und Masken rechtzeitig ankommt.

Klarheit besteht seit Mittwoch darüber, wann genesene Corona-Patienten ihre häusliche Quarantäne beenden können. Zu dieser Frage hatten Betroffene in den vergangenen Tagen zum Teil sich widersprechende Informationen vom Bremer Gesundheitsamt erhalten. Das Robert-Koch-Institut hat hierzu jetzt eindeutige Vorgaben gemacht. Demnach gelten Corona-Infizierte, die bei leichtem Krankheitsverlauf häuslich interniert waren, als aus der Quarantäne entlassen, sofern der Symptombeginn mindestens 14 Tage zurückliegt und seit 48 Stunden keine Symptome mehr erkennbar waren. Voraussetzung für die Beendigung der Quarantäne ist zudem eine vorherige Rücksprache mit dem Hausarzt. Für Patienten mit schweren Verläufen, die zeitweilig im Krankenhaus behandelt wurden, gilt: Ende der häuslichen Isolierung frühestens 14 Tage nach der Entlassung aus dem Krankenhaus.

Wie lange hält sich das Coronavirus auf ­Oberflächen? Können Kinder noch mit den Nachbarskindern spielen? Diese und andere ­Fragen von WESER-KURIER-Lesern beantwortet ­Professor Andreas Dotzauer, Virologe an der Uni Bremen, im Podcast unter www.weser-­kurier.de/virologe.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-geno-will-infizierte-arbeiten-lassen-_arid,1903737.html
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« Antworten #1 am: 28. März 2020, 02:26 »

Zitat
Coronavirus und die Folgen
„Angst kann auch ansteckend sein“

von Sabine Doll 11.03.2020

Die Bremer Gesundheitspsychologin Sonia Lippke über die Angst vor dem Coronavirus, Erfahrungen aus früheren Ausbrüchen und darüber, warum Menschen in solchen Zeiten anfälliger sind für Verschwörungstheorien.

Frau Lippke, Menschen bevorraten sich mit Lebensmitteln und Toilettenpapier. Schutzmasken und Desinfektionsmittel sind ausverkauft. Warum ist die Angst so groß vor dem Coronavirus?

Sonia Lippke: Risiken sind für Menschen grundsätzlich immer bedrohlich. Wenn man an andere gesundheitliche Risiken denkt, wie etwa an die Grippe, daran sind wir ein stückweit gewöhnt. Sie kommt jedes Jahr, beginnt im Herbst und ist im März oder April wieder weg, viele Menschen sind betroffen, man kann sich dagegen impfen lassen. Wenn man sich selbst ansteckt, bleibt man zu Hause, kuriert sich aus, und die Erkrankung ist in der Regel nach zwei Wochen überstanden. Insofern ist die Grippe etwas Normales und Beherrschbares. Und das, obwohl auch jedes Jahr Tausende Menschen in Deutschland daran schwer erkranken und leider auch einige daran versterben.

Was ist jetzt anders – abgesehen davon, dass das Coronavirus neu ist?

Die Medienaufmerksamkeit ist viel größer. Es wird viel mehr darüber berichtet, wie groß die Ansteckungsgefahr ist, wie viele Menschen weltweit täglich daran erkranken und auch sterben. Das Virus kommt aus China herübergeschwappt, und es ist nicht gewöhnlich. Das bedeutet: Menschen fühlen sich einer Bedrohung ausgesetzt, die sie als nicht kontrollierbar wahrnehmen und womit sie keine Erfahrung haben. ...

[zum vollständigen Artikel >>]


Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-angst-kann-auch-ansteckend-sein-_arid,1902389.html

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« am: 14. März 2020, 02:36 »

"Corona-Pandemie" - Gesetzliche Anordnungen sorgen für große Schäden

Seit Wochen berichten Medien in immer kürzeren Abständen über Corona-Infizierte und Tote aus der ganzen Welt und auch aus Deutschland. Auffällig ist daran, dass anfänglich keine weiteren Hintergrundinfos bekannt wurden über Alter und weiterer Erkrankungen der vom Corona-Virus infizierten Menschen. ...

Und in der nun als "Pandemie" eingestuften Situation werden Kitas, Schulen und andere Einrichtungen geschlossen, werden zig Veranstaltungen abgesagt, Pflegeeinrichtungen für Angehörige geschlossen und so weiter.

Ist das alles notwendig und gerechtfertigt? Die wahrscheinlich größte Ansteckungsmöglichkeit besteht meiner Meinung nach in öffentlichen Verkehrsmitteln. Zigtausend Pendler fahren morgens und abends jeden Tag von A nach B und stehen teilweise dicht gedrängt in den Fahrzeugen oder sitzen in Großraumabteilen der Bahn. Anschließend sitzen sie - möglicherweise auf der Fahrt schon angesteckt - in ihren Großraumbüros. Komisch, dass die Politiker das ignorieren ;-)

Der wirtschaftliche Schaden durch die eingeleiteten Massnahmen ist noch nicht absehbar, dürfte aber ein ähnliches Ausmaß annehmen, wie damals die Bankenkrise. Ob das den politischen Entscheidungsträgern wirklich bewußt ist?



Zitat
BUNDEGESUNDHEITSMINISTERIUM
SARS-CoV-2 / Covid-19 - Tagesaktuelle Informationen zum Coronavirus

Stand: 13.03.2020

Am 12. März hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn die Ministerpräsidenten der Länder über den aktuellen Stand der Ausbreitung des Coronavirus informiert. „In dieser Zeit ist es wichtig, dass Bund und Länder gut zusammenarbeiten“, so Spahn. Ein wichtiger Beschluss der Besprechung der Bundeskanzlerin mit den Regierungschefinnen und Regierungschefs der Länder war, dass sich die Krankenhäuser in Deutschland auf den erwartbar steigenden Bedarf an Intensiv- und Beatmungskapazitäten zur Behandlung von schweren Atemwegserkrankungen durch COVID-19 konzentrieren. ... [>>]
Quelle: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/
« Letzte Änderung: 14. März 2020, 02:58 von admin » Gespeichert

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