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Autor Thema: „Dementia Fair Congress“ übertraf alle Erwartungen  (Gelesen 4731 mal)
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« am: 15. Februar 2007, 11:59 »

„Dementia Fair Congress“ übertraf alle Erwartungen
Fauxpas des Bremer DIKS überschattet überragenden Demenzkongress


Der zertifizierte Fortbildungskongress, der am 7. und 8. Februar mit über 120 freien Fachvorträgen national bekannter Dozenten rund um das Thema Demenz in Bremen stattfand, war eine regelrechte Mammutveranstaltung und übertraf alle Erwartungen. Als zertifizierter Fortbildungskongress brachte er für Fach- und Führungskräfte aus ambulanter, stationärer und akutklinischer Pflege begehrte zwölf Fortbildungspunkte. Doch die Zielgruppe der Teilnehmer war deutlich weiter gesteckt. Der als „interdisziplinär“ angekündigte Demenz-Fachkongress war letztlich auch für Laien, wie Angehörige und ehrenamtlich Engagierte, von großem Interesse. Nach Auskunft des Veranstalters kamen über 1.400 zu der Veranstaltung ins Bremer Congress Centrum.

Eine kleine Gruppe Bremer Heimbewohnerfürsprecher und externer Heimbeiratsmitglieder nahm an der Veranstaltung teil und berichtet darüber. Die Bremer „Ehrenamtlichen in der Heim-Mitwirkung“ hatten im Vorfeld den Veranstalter des, in dieser Form und Größe bisher einmaligen, Demenz-Fachkongresses um vergünstigte Bedingungen für ehrenamtlich Engagierte gebeten. Der aus Delmenhorst stammende Veranstalter CTS - Congress Organisation, Tim Siggelkow, gewährte einen von einhundertsechzig auf fünfzig Euro für beide Tage großzügig ermäßigten Eintrittpreis für Ehrenamtliche. Die Erwartungen der Teilnehmer wurden weit übertroffen.

In der Eröffnungspressekonferenz erläuterten die Programmbeiratsmitglieder Professor Dr. Gabriele Meyer und Professor Dr. Günther Schwendemann, daß der Kongress Plattform sein wolle, für einen konstruktiven Austausch und eine Vernetzung von Berufs- und Personengruppen, die in das Thema Demenz involviert sind. Zum aktuellen Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse hieß es, daß derzeit leider „noch kein Kraut gegen Demenz gewachsen“ sei. Neueste Gen-Forschungen würden zwar Hoffnung machen. Vielleicht werde es in Zukunft sogar Möglichkeiten von Impfungen geben. Bis dahin sei es allerdings noch ein langer Weg. Aktuell praktizierte Theapien und begleitende Maßnahmen wie Validation, Basale Stimulation, Snoezelen, könnten in Einzelfällen helfen. - Ein wissenschaftlicher Nutzen sei aber noch nicht beweisbar. Bester Schutz vor einer demenziellen Erkrankung sei eine ausgewogene Ernährung, viel Bewegung und eine geistige und körperliche Fitness. Dagegen wurden insbesondere hoher Blutdruck, Blutfettstörungen, Rauchen und Bewegungsmangel als ausgesprochene Risikofaktoren genannt.

Die Eröffnung des Kongresses übernahm Bremens ehemaliger Bürgermeister Henning Scherf. Als Besonderheit dieser Veranstaltung sei insbesondere die Unabhängigkeit von der Pharmaindustrie und anderen Sponsoren hervorzuheben. Er lobte besonders auch den Mut und die Entschlossenheit des jungen Kongressorganisators. Daß er trotz der großen Belastungen durch seine ebenfalls an Demenz erkrankte Mutter diese Veranstaltung realisiert habe, sei außergewöhnlich und bewundernswert. Im weiteren ging Henning Scherf kurz auf die Wohngemeinschaft ein, in der er selbst seit vielen Jahren lebt. Die damit verbundenen positiven Erfahrungen würden seiner Meinung nach Mut machen. Er könne diese Art der gegenseitigen Unterstützung Jedem nur empfehlen. Auch, wenn es nicht immer einfach sei, mit Krankheit und Tod, der mit ihm in dieser alternativen Wohnform lebenden, umzugehen.

In Vorträgen und Workshops gab es interessante und teils spannende Referate aus Medizin und Forschung, Betreuung, Pflege und Rehabilitation. Neueste Forschungsergebnisse, Behandlungsmethoden und Therapieansätze fesselten die  gespannten Zuhörer. Festgestellt und beklagt wurde die teilweise noch bei Hausärzten anzutreffende Diagnoseproblematik. Noch zu wenige könnten halbwegs sicher die Symptome von Demenzen, von denen anderer, beispielsweise psychischer Erkrankungen oder Morbus Parkinson, unterscheiden. So wies auch der renommierte Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. Konrad Beyreuther in seinem Referat zum Schluß des zweiten Veranstaltungstages auf die Bedeutung einer möglichst frühzeitigen Diagnose hin. Dabei sei das möglichst frühzeitige Erkennen und Einleiten entsprechender Therapien von großer Bedeutung. Nur so könnte schon heute mit entsprechenden Medikamenten und begleitenden Therapien versucht werden, die Fortentwicklung einer beginnenden Alzheimer-Demenz hinauszuzögern. Ganz aufhalten oder gar heilen sei zum jetzigen Zeitpunkt bedauerlicherweise noch nicht möglich. Die jüngsten Forschungsergebnisse seien aus seiner Sicht aber hoffnungsvoll. Uneins sind sich Forscher noch bei der Bewertung des Nutzens von Antidementiva, also der derzeit verfügbaren Demenzmedikamente. Es bleibe zu hoffen und wünschen, daß man sich eines Tages vielleicht sogar mithilfe einer Impfung vor Demenz schützen könne.

Alle Themen und Referate waren gut bis sehr gut besucht. Die Vielzahl der Vorträge und Themen stellte selbst für gut vorbereitete Kongressteilnehmer eine große Herausforderung dar. So war immer wieder zu vernehmen, daß es schwierig zu entscheiden sei, welchen der vielen Vorträge man als nächstes besuchen wolle. Teilweise wurde den Besuchern diese Entscheidung allerdings unfreiwillig abgenommen: wegen Überfüllung des Raums kein Zutritt mehr. Aber die Zahl an „Ausweichreferaten“ war ja groß genug. Ein kleiner Themenausschnitt von A bis Z:  Angehörige, Ausbildung, Bauen u. Planen, Medizin & Forschung, Menschen mit Demenz, Seelsorge, Versorgungsmodelle, Wohnformen, Zukunftsaussicht. Alles hier wiedergeben zu wollen ist schier unmöglich. Daher nachfolgend nur noch die „Highlights“ der Veranstaltung.

Highlight
Übergreifend sprach der Bereich Ethik, Politik und Gesellschaft alle Teilnehmer an.  Themen wie „Demenz als gesellschaftliche Herausforderung“, „Selbstbestimmung und Demenz“ waren sehr interessant. Als herausragenden Referenten konnten Besucher Claus Fussek mit „Menschenrechtsverletzungen in Pflegeheimen“ erleben. Der von den Medien als Kritiker und Pflegeexperte geschätzte Münchener zog alle Register der Vortragskunst. Die konkreten Beispiele, wie bizarr es in Heimen zugehe, löste bei den Zuhörenden Betroffenheit aus. Wenn die Pflege gegen die Uhr regelmäßige Toilettengänge für Pflegebedürftige nicht mehr zulasse und die Industrie für dieses Problem Windeln mit noch größerem Fassungsvermögen entwickle, empfinde er es als pervers. Mit seinen teils polemischen, ironisch-provokanten Angriffen auf die Mißstände in der deutschen Heimlandschaft traf er auch so manche Pflegefachkraft. Immer wieder erklang sein Appell: „Wehrt Euch endlich!“, „Macht den Mund auf!“, „Schaut nicht mehr weg!“ Er könne es nicht verstehen, wenn sich gute und wirklich motivierte Pflegekräfte nicht wehren. Nachts zu zweit bis zu hundert Heimbewohner oder gar mehr versorgen zu wollen sei ein Irrsinn. Das könnten auch die Besten nicht leisten. Der Pflegenotstand müsse endlich beendet werden. Das setze allerdings gut ausgebildetes, ausreichendes Personal voraus. Er kenne durchaus Heime, die sich positiv von der Masse der Anbieter unterscheiden. Das mache Hoffnung.

Fauxpas
Ausgerechnet die Demenz Informations- und Koordinierungsstelle (DIKS) Bremen wird vielen Besuchern negativ in Erinnerung bleiben. Sie hatten unter anderem zu einem Workshop „Demenzkranker oder Angehöriger – Wer ist mein Patient?“ angeboten. Der provokante Titel zog viele magisch an: der Vortragsraum war bis zum letzen Platz gefüllt. Alle warteten gespannt auf den Beginn der Veranstaltung. „Wollen wir denn jetzt anfangen? Oder besser: Können wir denn jetzt anfangen?“ Dann kam die große Enttäuschung. Der Workshop sei ausschließlich für Mediziner beziehungsweise Ärzte gedacht. Ungläubiges Abwarten der erstaunten Zuhörer. Und weiter hieß es: sie wollten mit den Ärzten den Praxisalltag besprechen, wie man mit Demenzkranken umgehen, beziehungsweise wie man Angehörige in den Praxisalltag einbeziehen könne. Nach einer weiteren kleinen Pause verließen die ersten Besucher unter Protest den Saal. Ein entsprechender Hinweis, daß ausschließlich Ärzte an diesem Workshop teilnehmen sollten, war nirgends zu finden gewesen. Bis auf zwei, drei letzte Zuhörer verließen alle den Saal. Die Enttäuschung war riesig. Aus den Reaktionen der Menschen, die hinauskomplimentiert wurden, war die Verärgerung deutlich spürbar. Immer wieder war zu hören: „Das kann ja wohl nicht wahr sein. Darauf hätten die doch vorher hinweisen müssen!“ Übrigens fand der Workshop dann „mangels Beteiligung“ nicht statt. Was die Referentinnen sich bei diesem Fauxpas gedacht haben ist nicht überliefert …

Fazit
Dem jungen Delmenhorster Kongressorganisator gebührt allergrößte Achtung. Er hat geschafft, was selbst ausgewiesene Fachleute nicht für möglich hielten. Einen Demenz-Fachkongress mit dieser Zahl an überwiegend hochkarätigen Referenten sowie einem solch großen Interesse der Teilnehmer hat es wohl noch nicht gegeben. Der Veranstalter hat bereits für das nächste Jahr eine erneute Veranstaltung angekündigt. Man darf gespannt sein.

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INFO FÜR DIE REDAKTIONEN

Für Fragen und Informationen zum DEMENTIA FAIR CONGRESS 2007 stehen Ihnen gern zur Verfügung:

Tim Siggelkow, CTS - Congress Organisation, Telefon (04221) 2987010, Mobil (0176) 23445218, Fax (04221) 2986655, E-Mail: congress-orga.ts@t-online.de

Kongressinfos mit Programm- und Referentenübersicht usw. im Internet:   http://www.dfc-online.eu


Ansprechpartner für diese Presse-Info:

Reinhard Leopold c/o
Ehrenamtliche in der Heim-Mitwirkung
- Internet & Öffentlichkeitsarbeit -
Rembertistr. 9, 28203 Bremen
Telefon   0421 / 33 65 91-20
eMail:        presse{at}heim-mitwirkung.de
Internet:    http://www.heim-mitwirkung.de

Abdruck honorarfrei, Beleg wäre schön ;-)


Fotos Jörg Klampäckel:
# 35:   Prof. Dr. Gabriele Meyer, Prof. Dr. Günther Schwendemann (v.l.)
# 47:   Dr. Henning Scherf, Bürgermeister a.D. Hansestadt Bremen
# 65:   Eröffnung des „Dementia Fair Congress“

Fotos Reinhard Leopold:
# P1010110_1   Claus Fussek
# P1010148       Prof. Dr. Dr. Konrad Beyreuther

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Infos über die Ehrenamtlichen in der Heim-Mitwirkung gibt es hier:
http://www.heimmitwirkung.de/smf/index.php?board=39.0


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