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Autor Thema: "Pflege-TÜV"/"Pflegenoten" - Zweifelhafte Bewertungen von Pflegeheimen  (Gelesen 2887 mal)
admin
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« Antworten #1 am: 16. November 2016, 01:06 »

Zitat
Fragwürdige Qualitätskontrollen bei Altenheimen
Gute Noten, schlechte Pflege

Trotz schlimmer Missstände bekommt ein Pflegeheim in Hedemünden die Note 1,6. Ronald Schminke (SPD) hält das Benotungssystem für Verbrauchertäuschung.


von Bremen-Redakteurin Simone Schnase

BREMEN taz | Sechs Ermittlungsverfahren sind bei der Staatsanwaltschaft Göttingen gegen die Verantwortlichen der Betreibergesellschaft der Pflegeeinrichtung „Haus der Heimat“ in Hedemünden im Kreis Göttingen anhängig – dabei konnte sich das Haus noch bis Juli mit der vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) vergebenen Note 1,6 schmücken.

Ermittelt wird inzwischen wegen des Verdachts des Abrechnungsbetrugs, der Untreue und der fahrlässigen Körperverletzung, außerdem gegen eine Pflegekraft wegen des Vorwurfs der körperlichen Misshandlung. Das geht aus einer Antwort der niedersächsischen Landesregierung auf eine mündliche Anfrage der SPD-Fraktion von Ende Oktober hervor, die auf Initiative ihres Abgeordneten Ronald Schminke erfolgt ist.

Der hatte all diese Vorwürfe öffentlich geäußert – und war dafür von Bettina K., nach wie vor Geschäftsführerin des Pflegeheims, wegen Verleumdung angezeigt worden. Schminke hatte das Heim mit dem Norderneyer Altenheim „Inselfrieden“ verglichen: Geschäftsführerin war auch hier Bettina K. Auch im Fall Inselfrieden ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf fahrlässige Körperverletzung.

Nach K. ’ s Anzeige gegen Schminke hatte die Staatsanwaltschaft die Aufhebung seiner Immunität beantragt. Das wollte der sich nicht bieten lassen: K. versuche ihn auf diesem Wege einzuschüchtern und mundtot zu machen, sagte Schminke und bat den Ältestenrat des Landtags, dem Antrag der Staatsanwaltschaft nicht stattzugeben – mit Erfolg: Die rotgrüne Mehrheit im Ältestenrat sprach sich gegen die Aufhebung von Schminkes Immunität aus.

In einer Mitteilung seiner Fraktion heißt es dazu: „Schminke hat Mängel angeprangert, die spätestens jetzt auch durch die Landesregierung dokumentiert sind.“ Er habe „damit seine Pflicht als Abgeordneter wahrgenommen und sich zum Schutze des Lebens Pflegebedürftiger eingesetzt“. Die Missstände im „Haus der Heimat“ seien noch schlimmer als bisher öffentlich gemacht.

Gegen das Pflegeheim gab es schon 2015 Vorwürfe: Die Hygiene sei nicht in Ordnung, Bewohner sollen kein Taschengeld erhalten haben. Im Juli 2016 fanden die Behörden dann Bewohner im eigenen Kot vor, Wechselwäsche fehlte, Menschen waren wochenlang nicht geduscht worden.

Dabei war das Heim regelmäßig überprüft worden: Vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung, der bundesweit regelmäßig Pflegeheime prüft und seine Ergebnisse in Form von Benotungen veröffentlicht. Die MDK-Gesamtbenotung wird gern von Pflegeheimbetreibern zu Werbezwecken auf ihre Internetseiten gestellt, denn sie ist immer positiv: Sowohl dem „Haus Inselfrieden“, in dem ähnlich schlimme Zustände vorgefunden wurden wie in Hedemünden, als auch dem „Haus der Heimat“ erteilte der MDK Gesamtnoten von 1,1 und 1,6.

Als Sprecher für Verbraucherschutz in der SPD-Fraktion will Schminke sich jetzt für eine Änderung des Heim-Bewertungssystems einsetzen. Er bezeichnet die MDK-Noten als Verbrauchertäuschung und hat an den Landtag eine Anfrage gestellt, in der er wissen will: „Welchen Aussagewert hat eine Qualitätsprüfung, wenn trotz schwerwiegender Mängel Bestnoten vergeben werden?“ Das klingt nur auf den ersten Blick nach einer rhetorischen Frage, denn tatsächlich haben die MDK-Benotungen einen Aussagewert – der freilich für Menschen auf der Suche nach einem Pflegeheim völlig intransparent bleibt.

Benotet werden vier Kategorien. Obwohl die sich aus unterschiedlich vielen Einzelkomponenten zusammensetzen, werden diese Noten gleich stark gewichtet. Bekommt ein Heim also beispielsweise für bis zu 32 Kriterien im Bereich „Pflege und medizinische Versorgung“ eine schlechte Bewertung, kann die „ausgeglichen“ werden durch ein „sehr gut“ für nur maximal neun Kriterien im Bereich „soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“.

Die aufgeschlüsselten Bewertungen sind überdies schwer zu finden. Je nach Krankenkasse heißen die entsprechenden Internetportale „Gesundheitsnavi“, „Pflegefinder“, „Pflegekompass“ oder „Pflegelotse“. Bleibt also meist nur die zusammengefasste und fast immer gute Gesamtnote, die Verbraucher an exponierter Stelle auf den Internetseiten der Betreiber finden.

„Die Bewertungssystematik muss dringend verändert werden“, sagt Schminke. Oder verdrängt von den Berichten der bei den Sozialbehörden angesiedelten Heimaufsichten: Die sind nämlich ebenfalls für die Kontrolle von Pflegeeinrichtungen zuständig. Bloß: Ihre Ergebnisse werden nirgends veröffentlicht. „Die Behörden argumentieren immer mit Datenschutzgründen“, so Schminke. „Warum werden datenschutzrelevante Inhalte nicht einfach geschwärzt.“

Die Sozialbehörde des für das „Haus der Heimat“ zuständigen Landkreises Göttingen scheint offen zu sein für Schminkes Vorstoß: Die Berichte der Heimaufsicht seien „grundsätzlich ein geeignetes Mittel, die Öffentlichkeit transparent zu informieren“, sagt Landkreis-Sprecher Ulrich Lottmann. Das müsse jedoch „mit der Fachaufsicht abgestimmt sein“.
Quelle: http://www.taz.de/Fragwuerdige-Qualitaetskontrollen-bei-Altenheimen/!5353864/



Siehe dazu auch den taz-Artikel vom 18.10.2016:

Abgeordneter prangert Missstände an
Mieses Heim stichelt zurück

Der SPD-Landtagsabgeordnete Schminke prangerte schlimme Zustände in einem niedersächsischen Pflegeheim an. Nun steht seine Immunität in Frage ...


Quelle: http://www.taz.de/Abgeordneter-prangert-Missstaende-an/!5345758/
« Letzte Änderung: 16. November 2016, 01:12 von admin » Gespeichert

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"Wir sind nicht nur für das verantwortlich,
 was wir tun, sondern auch für das,
was wir nicht tun" (Jean Molière)
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« am: 22. Juni 2016, 00:30 »

Zitat
Mühsame Suche nach Pflegeheimen
Eine Eins heißt nicht „Sehr gut“


von SIMONE SCHNASE, Bremen Redakteurin

BREMEN taz | Bei der Suche nach einem Pflegeheim soll die Bewertung des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) für Orientierung sorgen: Er kontrolliert und bewertet Heime. Das Ergebnis findet sich fast immer auf den Internet-Seiten der Pflegeeinrichtungen wieder, denn mit der Gesamtnote können die sich schmücken: Stets bewegt sich die MDK-Note zwischen „sehr gut“ und „gut“ – selbst die „Seniorenresidenz Kirchhuchting“ bekam noch im Juli 2015 die Note 2,1 – und das, obwohl ihr gut drei Monate später aufgrund schwerer Pflegemängel der Betrieb untersagt wurde (taz berichtete).

Der MDK vergibt Noten für vier Kategorien. Obwohl sie sich aus unterschiedlich vielen Einzelkomponenten zusammensetzen, werden alle vier Noten gleich stark gewichtet. Bekommt ein Heim also für bis zu 32 Kriterien im Bereich „Pflege und medizinische Versorgung“ eine schlechte Bewertung, kann die „ausgeglichen“ werden durch ein „Sehr gut“ für nur maximal neun Kriterien im Bereich „Soziale Betreuung und Alltagsgestaltung“.

Dass die Seniorenresidenz Kirchhuchting im pflegerischen und medizinischen Bereich im vergangenen Juli nur die Note 3,3 erhielt, die sich wiederum im Detail aus teils erschreckenden Ergebnissen zusammensetzte, konnte also durch die MDK-Gesamtnote verschleiert werden.

Keine Vereinbarung mit den Verbänden
Hinzu kommt, dass kaum jemand weiß, wo genau die Zusammensetzung der vordergründig guten Gesamtbewertung zu finden ist – je nach Krankenkasse heißen die entsprechenden Internetportale „Gesundheitsnavi“, „Pflegefinder“, „Pflegekompass“ oder „Pflegelotse“.

Für eine Alternative und mehr Transparenz auf dem Markt der bremischen Altenheim-Anbieter sollte das Bremische Wohn- und Betreuungsgesetz (BremWoBeG) sorgen. Dort heißt es unter anderem, dass die der Sozialbehörde unterstellte Heimaufsicht ihre Prüfberichte über Pflegeeinrichtungen gemeinsam mit einer Liste aller bremischen Heime veröffentlicht. Die Liste findet sich auf der Internetseite der Sozialsenatorin, die Berichte der Heimaufsicht aber nicht: Die „Transparenzoffensive“ setzte eine Vereinbarung mit den Verbänden der Einrichtungsträger voraus – und die ist nie zustande gekommen.

So bleiben Informationen über Altenheime in Bremen weitestgehend im Dunkeln – selbst jene wie die, dass der Aufnahmestopp in der Kirchhuchtinger Seniorenresidenz, die unter einem neuen Träger weiterbetrieben wird, seit Anfang des Monats aufgehoben ist. „Unter Auflagen“, sagt Bernd Schneider, Sprecher der Bremer Sozialbehörde, „und unter enger Begleitung der Wohn- und Betreuungsaufsicht darf die Einrichtung bis zu sechs Bewohner zusätzlich im Monat aufnehmen, bis die Kapazität wieder erreicht ist.“

Schwerpunkt auf Einzelbenotungen
„Auch die Verbraucherzentrale in Bremen hat das Thema Pflegeheime bisher vernachlässigt“, sagt Reinhard Leopold, Pflege-Experte und Gründer der Bremer Angehörigeninitiative „Heim-Mitwirkung“. Auf Internet-Bewertungsportalen seien die Ergebnisse nicht verifizierbar und die persönliche Inaugenscheinnahme eines Heims bringe nicht viel, denn Pflegemängel seien so nicht erkennbar.

Das in Berlin und Essen ansässige Recherchezentrum „Correctiv“ versucht nun, Licht ins dieses Dunkel zu bringen: 18 Monate lang hat es Daten zu allen 13.000 Pflegeheimen in Deutschland ausgewertet. Im „Wegweiser Pflege“ auf der Internetseite von Correctiv sind seit Anfang Juni sämtliche Heime aufgelistet, auch die bremischen. Verständlich formuliert, wird der Schwerpunkt hier nicht auf die MDK-Gesamtnote gelegt, sondern auf die Einzelbenotungen relevanter Kriterien.

Bezogen auf die, übrigens noch nicht aktualisierte, MDK-Bewertung der Kirchhuchtinger Seniorenresidenz, liest sich das so: „Das Heim (…) hat für seine pflegerische und medizinische Versorgung die Schulnote 3,3 erhalten. Das ist schlechter als der Durchschnitt aller Heime in Bremen. Wichtig: Fast alle Pflegeheime bekommen eine sehr gute Note. Diese Note allein sollte also nicht Grundlage Eurer Entscheidung sein. Dieses Pflegeheim ist normal bepreist und ihr müsst im Vergleich mit anderen Heimen in Bremen 3% weniger bezahlen. (…) Seniorenresidenz Kirchhuchting ist ein sehr großes Pflegeheim mit 84 belegten Betten in der vollstationären Pflege. Das Heim wird von einem privaten Betreiber geführt. Es könnte sein, dass die Pfleger hier nicht nach Tarif bezahlt werden.“

Werbewirksames Laufband
Daneben werden Bewertungs-Details hervorgehoben, zum Beispiel: „Dieses Heim hat bei der Nahrungs- oder Flüssigkeitsversorgung nicht die volle Punktzahl erreicht. Dies kann ein Hinweis darauf sein, dass es hier in der Vergangenheit Mängel gegeben hat“.

„Gut ist hier auch“, sagt Leopold, „dass man alle Heime eines Trägers miteinander vergleichen kann.“ So kämen die Einrichtungen der Mediko-Gruppe, zu der bis Anfang 2016 das Heim in Kirchhuchting gehört hat, bundesweit schlecht weg – ein wichtiger Anhaltspunkt für Heimsuchende.

Auch die Correctiv-Ergebnisse für die 17 Heime der Curata-Gruppe sind aufschlussreich: Die nämlich ist neue Betreiberin der Seniorenresidenz und präsentiert die durchschnittlich sehr guten MDK-Noten ihrer Einrichtungen als Laufband auf ihrer Internetseite. Wie die sich zusammensetzen, ist nicht zu ersehen – lediglich, von wann sie sind: Ebenfalls werbewirksam animiert, springt dem Besucher der Homepgae direkt ins Auge: „Curata: 1. Platz in 2012 bei den MDK-Bewertungen der 50 größten Pflegeheimbetreiber Deutschlands.“

Die Auswertungen im „Wegweiser Pflege“ klingen freilich anders, zum Beispiel für das „Seniorenzentrum Bassum“, das auf der Curata-Homepage mit der Note 1,1 beworben wird – was im übrigen für die Mehrheit aller Pflegeheime in Deutschland gilt: Für 60 Prozent von ihnen gibt es in den entscheidenden Kategorien der MDK-Prüfungen Hinweise auf Mängel.
Quelle: http://www.taz.de/Muehsame-Suche-nach-Pflegeheimen/!5311058/, 20.06.2016



Siehe dazu auch:

CORRECT!V / NDR / WELT: Überwiegend schlechte Pflege in Deutschland [>>]


Mediko-Heim „Residenz Kirchhuchting“ geht nach Pflege-Skandal an Curata-Gruppe [>>]
« Letzte Änderung: 16. November 2016, 01:08 von admin » Gespeichert

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was wir nicht tun" (Jean Molière)
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