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Autor Thema: Staatsanwalt ermittelt gegen Pflegeheim in Bremerhaven  (Gelesen 307 mal)
admin
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« Antworten #2 am: 14. Mai 2020, 09:10 »

Zitat von: NORDSEE-ZEITUNG
„Missstände sind nicht weiter tragbar“
Für eine Pflegekraft aus dem Pflegeheim Amarita sind die Missstände in der Einrichtung nicht mehr tragbar. Deshalb wendet sie sich jetzt an die Öffentlichkeit.


von Florian Zinn am 12. Mai 2020

Gut umsorgt alt werden – das wünscht sich jeder für sich und seine Angehörigen. Auch im Pflegefall. In einem Gespräch mit NORD|ERLESEN erhebt eine Pflegekraft, die anonym bleiben möchte, nun schwere Vorwürfe gegen das Amarita-Pflegeheim in Bremerhaven. Für viele Bewohner sei ein würdevolles Leben dort nicht möglich. „Es geht hier um Menschen und sie sollten so behandelt werden, wie man selbst auch im Pflegefall behandelt werden möchte.“ Sie arbeitet gerne in ihrem Beruf, deshalb seien die Umstände in der Einrichtung für sie nicht weiter tragbar. Emvia Living, der Träger des Heims, weist alle Vorwürfe zurück. ...

[zum Artikel >>]


Quelle: https://www.norderlesen.de/Heute/Missstaende-sind-nicht-weiter-tragbar-41710.html
« Letzte Änderung: 14. Mai 2020, 09:11 von admin » Gespeichert

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« Antworten #1 am: 12. Mai 2020, 00:51 »

Zitat von: NORDSEE-ZEITUNG
Die Routinekontrollen fehlen
Heimaufsicht zuständig bei Mängeln in Pflegeheimen – Gegen Amarita werden seit Jahren Vorwürfe laut

Von Laura Bohlmann-Drammeh und Tobia Fischer

BREMERHAVEN. Wenn die Pflege nicht gut ist, leiden die Patienten. Aktuell prangert der Bremerhavener Betreuungsverein grobe Pflegefehler im Amarita-Heim an. Angehörige von Heimbewohnern müssen Missstände nicht hinnehmen und können sich Hilfe holen. Die Wohn- und Betreuungsaufsicht in Bremen ist für Beschwerden über die Pflegequalität zuständig. Eine Übersicht der Angebote.

„Moderne Pflege schließt so was eigentlich aus“, sagt Silke Wiesner, Vertragsmanagerin für Pflege bei der AOK Bremen zu den Vorwürfen gegen das Pflegeheim Amarita in Bremerhaven. Die NORDSEE-ZEITUNG hatte am Mittwoch berichtet, dass drei Bewohner unter Druckgeschwüren, sogenannten Dekubiti, gelitten hätten, ein Bewohner habe ein Druckgeschwür von 20 mal 20 Zentimetern aufgewiesen. Die Staatsanwaltschaft ermittelt.

Wiesner ist zuständig für die regelmäßigen Qualitätsprüfungen der Pflegeheime im Land Bremen, für die sie der Medizinische Dienst der Krankenkasse beauftragt. Bis 2018 wurde aus den Ergebnissen regelmäßig der „Pflege-TÜV“ veröffentlicht, der Orientierung bei der Heimsuche geben sollte. Weil aber alle Heime immer sehr gut abschnitten, wurde das Prozedere geändert.

„Wer sicher gehen will, muss sich alle Heime persönlich anschauen“, sagt Wiesner. Das Gesamtbild sei entscheidend. „Wie riecht es da, wie ist der Umgang mit den Bewohnern“, seien Fragen, die man beachten sollte. „Und immer die Brille desjenigen aufsetzen, der dort wohnen soll“, sagt Wiesner.

Sollte es zu Schwierigkeiten im Heim oder Unzufriedenheit mit der Pflege geben, ist die WBA, die Wohn- und Betreuungsaufsicht (auch Heimaufsicht genannt) der erste Ansprechpartner für Angehörige, sagt Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts. „Kontaktieren Sie uns bei Beschwerden umgehend, wir prüfen das“, sagt Schneider.  Im vergangenen Jahr habe die WBA 191 Anlassprüfungen in Einrichtungen der Altenpflege im Land Bremen durchgeführt. „Alle Besuche haben weitere Besuche nach sich gezogen, oft mehrere, die aber nicht statistisch erfasst werden“, so Schneider.

Doch ein Problem sind die zu geringen Routinekontrollen. Im Januar 2020 hat eine Senatsantwort auf eine Anfrage der CDU-Bürgerschaftsfraktion ergeben, dass die Wohn- und Betreuungsaufsicht 2019 fast keine der regulären und gesetzlich vorgeschriebenen Überprüfungen durchgeführt hat. Nur zwei von 190 Heimen im Land Bremen sind für routinemäßige Kontrollen besucht worden. Stattdessen stieg die Zahl der Kontrollen nach Hinweisen auf Mängel. Allerdings wurden 47 Einrichtungen im Land Bremen zwei Jahre lang gar nicht überprüft, hieß es in der Senatsantwort.

Hilfe und Beratung bei Missständen können Angehörige sich bei der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen e.V., kurz „BIVA“ holen. Regionaler Ansprechpartner für Bremen/Bremerhaven ist Reinhard Leopold. Der Bremer hört seit Jahren von Problemen im Bremerhavener Amarita-Pflegeheim. Er ist auch Initiator der Selbsthilfeinitiative für Pflegebetroffene „Heim-Mitwirkung.“ In Bremen treffen sich dort monatlich Angehörige von Menschen in Pflegeeinrichtungen.

Selbsthilfegruppe
„Für Bremerhaven wäre es wünschenswert, wenn wir hier einen Ansprechpartner hätten, der ein regelmäßiges Treffen für pflegebetroffene Menschen organisieren könnte“, sagt Leopold. 2017 habe er versucht, eine Selbsthilfegruppe zu organisieren. Die Auftaktveranstaltung sei sehr gut besucht gewesen, leider habe sich niemand gefunden, der die Organisation übernehmen wollte. Der Austausch in einer Selbsthilfegruppe könne auch wichtig sein, um systematische Pflegemängel in einer Einrichtung zu erkennen.

»Wer sicher gehen will, muss sich alle Heime persönlich anschauen.«
Silke Wiesner, Vertragsmanagerin für Pflege bei der AOK Bremen

Auch der Pflegestützpunkt des Landes hilft bei der Organisation von Pflege und Antragstellungen. Die „SeniorPartner“ der Diakonie helfen bei der Suche nach ambulanten Pflegeeinrichtungen.

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Ansprechpartner

› Iris Hinrichsen ist die Leiterin der Wohn- und Betreuungsaufsicht Bremen und unter T 0421/36 11 61 81
oder per Mail (Iris.Hinrichsen@soziales.bremen.de) zu erreichen.

› Reinhard Leopold ist bei der Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen per
Mail (leopold@biva.de) oder unter T 0421/33 65 91 20 zu erreichen.

› Der Pflegestützpunkt ist zu erreichen unter T 0471/3 09 77 90 oder per Mail unter info@bremerhaven-pflegestuetzpunkt.de.

› Die Seniorpartner sind zu erreichen unter T 0471/9 55 52 12.

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Quelle: https://www.norderlesen.de/Heute/Wo-Angehoerige-von-Amarita-Bewohnern-Hilfe-bekommen-41421.html

* 381_0029_925282_Nordsee_Zeitung_9_10-05-2020.pdf (251.15 KB - runtergeladen 14 Mal.)
« Letzte Änderung: 14. Mai 2020, 09:12 von admin » Gespeichert

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« am: 07. Mai 2020, 22:00 »

Zitat von: NORDSEE-ZEITUNG
Schwere Vorwürfe gegen Pflegeheim Amarita

von Laura Bohlmann-Drammeh am 5. Mai 2020

Sein Klient hatte ein Druckgeschwür, so groß wie eine Wandkachel. Für Hans-Josef Göers vom Bremerhavener Betreuungsverein ist das glasklar ein Pflegefehler. Deshalb hat er Strafanzeige gegen das Pflegeheim Amarita gestellt, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Die Wohn- und Betreuungsaufsicht hat einen Belegungsstopp verhängt. Amarita wehrt sich gegen die Vorwürfe.

Bei dem Klienten, der im Pflegeheim Amarita gewohnt hat, sei der Dekubitus, wie der medizinische Fachbegriff für ein Druckgeschwür lautet, auf 20 mal 20 Zentimeter Größe gewachsen, erklärt Hans-Josef Göers, Geschäftsführer des Betreuungsvereins Bremerhaven. „Das ist eigentlich immer ein Pflegefehler“, sagt Göers. Und es gehe nicht um einen Einzelfall. Drei seiner Klienten, die im Pflegeheim an der Deichstraße gewohnt haben, hätten unter Druckgeschwüren gelitten. „Das waren zwei Frauen und ein Mann, alle älter als 80 Jahre“, sagt Göers. Die beiden Frauen seien inzwischen verstorben, den Mann, der an Demenz leide, habe er in einem anderen Heim untergebracht. Als seine Klienten noch lebten, hat Göers im Januar die Wohn- und Betreuungsaufsicht, die Kontrollbehörde des Landes, kontaktiert und von den Missständen berichtet.

„Die Wohn- und Betreuungsaufsicht (WBA) war im Dezember 2019, im Januar und Februar im Amarita-Pflegeheim. Die Beschwerden haben sich vollumfänglich bestätigt“, sagt Bernd Schneider, Sprecher des Sozialressorts in Bremen. Deshalb habe die Kontrollbehörde am 25. Februar umfangreiche Auflagen und einen Belegungsstopp erlassen. Mehr als 160 Personen dürfe das Heim im Moment nicht aufnehmen, auch wenn 200 Plätze zur Verfügung stehen. Die Anordnungen umfassen verschiedene Bereiche. „Bezüglich der Dekubitus-Prophylaxe sind eine differenzierte Behandlungsplanung sowie eine Dokumentation des Verlaufs und der Behandlung notwendig“, erklärt Schneider. Auch das Medikamentenmanagement müsse verbessert werden, ebenso die Mund- und Zahnpflege sowie die Reaktion auf Notrufe.

Nachdem es Ende Februar erneut Beschwerden gegeben habe, sei die WBA am 8. April wieder vor Ort gewesen und habe weitere Auflagen erteilt. „Auch was die Personalstärke und die Fachkraftquote sowie die Präsenzregelungen angeht, sind Auflagen erteilt worden“, sagt Schneider. Die WBA sei im ständigen Austausch mit der Einrichtung, führe regelmäßige Begehungen vor Ort durch und lasse sich Dokumente vorlegen, aus denen Details zur Personalplanung, Pflege und Reaktionszeit auf Notrufe hervorgingen. Im Vorfeld habe es mehrere unangemeldete Anlassprüfungen gegeben, bei denen nicht nur den Beschwerden nachgegangen wurde, sondern die pflegerische Versorgung der Einrichtung insgesamt auf den Prüfstand gestellt worden ist.

Anklage wegen möglicher Misshandlung

Auch die Staatsanwaltschaft ermittelt. „Wir ermitteln in einem konkreten Fall, die Anzeige ist Ende Februar bei uns eingegangen. Einen Tag später haben wir die Pflegedokumentation sichergestellt“, sagt Sprecher Oliver Constien. Was im Einzelnen passiert sei und ob jemand persönlich haftbar gemacht werden könne, sei noch Teil der Ermittlungen. „Als Straftatbestand kämen hier Körperverletzung oder Misshandlung von Schutzbefohlenen infrage“, so der Staatsanwalt. Die Anzeige hat Göers erstattet. „Das machen wir nur, wenn wir das Gefühl haben, dass Verbesserungen nicht mit Nachdruck betrieben werden“, so Göers. Die Einrichtung habe die Verantwortung für die Patienten.

Die Pressestelle der Emvia-Living-Group, die Träger von Amarita in Bremerhaven ist, bestätigt die Beanstandungen. „Es wurde behauptet, Maßnahmen zur Behandlungspflege seien unterlassen worden oder nicht ausreichend mit dem/den jeweils behandelnden Ärzten abgestimmt gewesen.“ Die Einrichtung sei den Vorhaltungen nachgegangen und habe festgestellt, dass die Vorwürfe sich als falsch herausgestellt hätten. Die Anordnungen der WBA sehe die Einrichtung als formell und materiell rechtswidrig an und habe entsprechende Rechtsmittel eingelegt. Die Behörde habe darauf noch nicht reagiert. „Erfahrene Berufsträger in der Pflegebranche wissen, dass das Prüfverhalten von Heimaufsichten immer wieder zu gewissen Beanstandungen oder kleineren Fehlerquoten führt. Gefährliche Pflege sei dem Pflegeheim nicht vorzuhalten, so ein Sprecher. Göers sieht das anders. „Wir haben im Zweifel Bilder von den Druckgeschwüren, die sind absolut aussagekräftig“, sagt er.
Quelle: https://www.norderlesen.de/Heute/Schwere-Vorwuerfe-gegen-Pflegeheim-Amarita-41369.html
« Letzte Änderung: 14. Mai 2020, 09:12 von admin » Gespeichert

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