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03. Dezember 2021, 18:33
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News: BGH stärkt Verbraucherrechte von Pflegeheimbewohnern

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Autor Thema: Residenz-Gruppe: Hohe Rendite - zu Lasten von Pflegekräften + Pflegebedürftigen  (Gelesen 77374 mal)
admin
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« Antworten #34 am: 29. April 2021, 20:46 »

Zitat
Kommerzieller Pflegeheimbetreiber kündigt öffentlich die Überwachung von Betriebsräten durch Privatdetektive an
ver.di: "Neuer Tiefpunkt im Umgang mit Arbeitnehmerrechten"


Berlin, 29.04.2021 - Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) kritisiert entschieden das Vorgehen der Residenz-Gruppe gegen Betriebsräte in Bremen. Anlass ist die Äußerung des Rechtsanwalts des kommerziellen Pflegeheimbetreibers, der bei einer Anhörung vor dem Bremer Arbeitsgericht ankündigte, Betriebsräte von einer Detektei überwachen zu lassen. Mehrere Teilnehmende der Verhandlung, darunter die ver.di-Gewerkschaftssekretärin Kerstin Bringmann und der Rechtsanwalt Michael Nacken, bestätigen die Äußerungen.

Das zum französischen Orpea-Konzern gehörende Unternehmen scheiterte in erster Instanz damit, die örtliche Betriebsratsvorsitzende und ihre Stellvertreterin fristlos zu kündigen, sie aus der Interessenvertretung auszuschließen bzw. das Gremium komplett aufzulösen. "Statt nach dieser krachenden Niederlage endlich die gesetzliche Mitbestimmung zu achten, geht einer der größten Pflegeheimbetreiber sogar so weit, demokratisch gewählte Beschäftigtenvertreterinnen öffentlich mit Bespitzelung durch Privatdetektive zu drohen. Das ist ein neuer Tiefpunkt im Umgang des Orpea-Konzerns mit Arbeitnehmerrechten", sagte Sylvia Bühler, die im ver.di-Bundesvorstand für das Gesundheitswesen zuständig ist.

Die Orpea-Gruppe ist mit über 1.100 Einrichtungen in 23 Ländern nach eigenen Angaben europäischer Marktführer in der Altenpflege. Es ist nicht das erste Mal, dass sie in Deutschland durch einen rabiaten Umgang mit Beschäftigtenrechten auffällt. An der ebenfalls zum Konzern gehörenden Celenus Reha-Klinik im thüringischen Bad Langensalza versuchte das Management 2018 ebenfalls, zwei Gewerkschafterinnen fristlos zu kündigen. Diese blieben standhaft, am Ende eines langen Konflikts stellte das Unternehmen die Einschüchterungsversuche ein.

"Offenbar hat Orpea aus diesen Erfahrungen nichts gelernt", sagte Bühler. "Ein Konzern, der hierzulande sein Geschäftsfeld in der Altenpflege betreibt und sich aus Sozialbeiträgen finanziert, muss die demokratischen Rechte seiner Beschäftigten achten. Darauf müssen die Gerichte, aber auch die politisch Verantwortlichen und die Gesellschaft als Ganzes bestehen." Außer mit den Kündigungsbegehren ist das Unternehmen zeitweise auch mit Hausverboten und dem Zurückhalten von Gehaltszahlungen gegen Betriebsräte vorgegangen. Zudem hat es eine "Schadensersatzklage" wegen angeblicher "Rufschädigung" eingereicht. "Für die Rufschädigung von Orpea ist ausschließlich die Unternehmensleitung verantwortlich", stellte Bühler klar. "Sie muss die Bedrohung von Beschäftigten sofort beenden." Der Betriebsrat habe eine Klage wegen der Behinderung von Betriebsratsarbeit eingereicht. Leider dauerten solche Verfahren in Deutschland viel zu lang. "Das muss sich ändern. Es braucht effektive Möglichkeiten, illegale Praktiken zur Behinderung von Betriebsräten juristisch zu stoppen", forderte Bühler mit Blick auf den Gesetzgeber.

Auch international sorgen die Vorgänge in Bremen für Aufsehen. So protestierte der Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsverbands für den öffentlichen Dienst (EGÖD), Jan Willem Goudriaan, in einem Schreiben an das Unternehmen gegen die Maßnahmen. "Es sollte sich lieber darauf konzentrieren, die Gesundheitskrise zu managen und eine qualitativ hochwertige Versorgung sicherzustellen, statt gegen Betriebsräte vorzugehen, die die Beschäftigten in diesen schwierigen Zeiten vertreten", erklärte der Gewerkschafter.
Quelle: M e d i e n i n f o r m a t i o n - ver.di - Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft
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 was wir tun, sondern auch für das,
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« Antworten #33 am: 29. April 2021, 19:23 »

Zitat
Gericht untersagt Kündigung
Pflegeheim scheitert mit Klage gegen zwei Betriebsräte


von Timo Thalmann

Bremen. Der Versuch der Senioren Wohnpark-Weser GmbH, durch eine Klage vor dem Arbeitsgericht Bremen zwei ihrer Gesamtbetriebsräte zu kündigen, ist gescheitert. Das Gericht erteilte dem Vorhaben keine Zustimmung. Auch für die angestrebte Auflösung des Betriebsrates sah das Gericht keine ausreichenden Gründe.

Die Senioren Wohnpark-Weser GmbH aus Weyhe betreibt unter dem Namen Residenz-Gruppe in Nordwestdeutschland 40  Pflegeheime, unter anderem an sechs Standorten in Bremen mit mehr als 400 Pflegeplätzen. Der Gesamtbetriebsrat vertritt rund 2500 Mitarbeiter. Aufgelöst werden sollte der Betriebsrat-Nord, der die Belegschaft von 22 Pflegeheimen vertritt.

Sebastian Hollatz, Geschäftsführer der Senioren Wohnpark-Weser GmbH, hatte dem Gremium „grobe Pflichtverletzungen“ vorgeworfen. Bei den beiden Betriebsräten stand unter anderem der Vorwurf des Arbeitszeitbetrugs im Raum. Das Unternehmen bezweifelte etwa eine Tätigkeit der für die Betriebsratsarbeit freigestellten Mitarbeiter im Homeoffice. Als Beleg führt es die Log-in-Daten der jeweiligen Laptops an.

Doch das Gericht sah darin keinen ausreichenden Nachweis für die Behauptung, die Betreffenden seien nicht tätig gewesen. Die Arbeitgeberseite kündigte daraufhin noch im Gerichtssaal an, dass künftig eine „lückenlose Überwachung“ der beiden Betriebsräte durch eine Detektei in Erwägung gezogen werde. Auch werde man die nächste Instanz am Landesarbeitsgericht bemühen.

Der Streit zwischen dem Unternehmen und seinen Betriebsräten hatte sich ursprünglich an einem Konflikt über eine Betriebsvereinbarung entzündet, die der Betriebsrat für notwendig hielt, um eine neue Software in das Unternehmen einzuführen. Inzwischen ist die Auseinandersetzung auf vielfache Weise eskaliert. Neben diesem Streit in der Hauptsache gibt es zahlreiche weitere Klagen und Verfahren. So wurden den Betriebsräten zeitweise ein Hausverbot erteilt und Gehaltszahlungen gekürzt.

Die Betroffenen klagen inzwischen ihrerseits wegen systematischen Mobbings durch die Geschäftsleitung. Das Unternehmen wiederum hat den Mitarbeiterinnen gegenüber eine Schadensersatzklage über 150.000 Euro angestrengt, weil durch Äußerungen des Betriebsrates Kunden verloren gegangen seien, die sich gegen eine Pflege in den Einrichtungen der Senioren Wohnpark-Weser GmbH entschieden hätten.
Quelle: https://ezeitung.weser-kurier.de/titles/weserkurier/6372/publications/162465/articles/1342774/12/5

* Presseerklaerung_Arbeitsgericht_Bremen_202021-04-27.pdf (291.12 KB - runtergeladen 48 Mal.)
« Letzte Änderung: 28. Juli 2021, 18:55 von admin » Gespeichert

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« Antworten #32 am: 03. März 2021, 02:21 »

Zitat
Eskalation beim Pflegeheimbetreiber
Betriebsräten der Residenzgruppe soll gekündigt werden

von Timo Thalmann 24.02.2021

Weil sich Unternehmen und Betriebsrat nicht einig werden, will die Residenz-Gruppe die Arbeitnehmervertreter entlassen. Die Gewerkschaft Verdi spricht von einem völlig absurden und unhaltbaren Vorgehen.

Mit zahlreichen Vorwürfen ihres Arbeitgebers sieht sich der Gesamtbetriebsrat der Senioren Wohnpark-Weser GmbH konfrontiert. Das Unternehmen aus Weyhe betreibt unter dem Namen Residenz-Gruppe in ganz Nordwestdeutschland 40 Pflegeheime, unter anderem an sechs Standorten in Bremen mit insgesamt über 400 Pflegeplätzen. Der Gesamtbetriebsrat vertritt rund 2500 Mitarbeiter.

Gegenüber allen vier Gesamtbetriebsratsangehörigen wird derzeit die Kündigung betrieben. Das Unternehmen hat dazu eine sogenannte Zustimmungsersetzung beim Arbeitsgericht beantragt, weil der Betriebsrat seine Zustimmung zu den Kündigungen verweigert. Ein erster Gütetermin für eine Einigung ohne Gerichtsverfahren in der vorigen Woche am Bremer Arbeitsgericht endete mit der Festsetzung eines Prozesstermins am 27. April für die Betriebsratsvorsitzende. Weitere Verfahren für die übrigen Betriebsräte werden im März vor dem Arbeitsgericht Osnabrück eröffnet.

Am Tag nach dem gescheiterten Gütetermin hat die Senioren Wohnpark-Weser GmbH den betroffenen Mitarbeiterinnen Hausverbot erteilt und angekündigt, ab April keine Gehälter mehr zu bezahlen. Auch die Teilnahme an Betriebsratssitzungen wurde untersagt. Das Unternehmen rechtfertigt diesen Schritt mit dem Verdacht auf „herabsetzende Äußerungen und unwahre Tatsachenbehauptungen über uns gegenüber Dritten“, wie es auf Anfrage des WESER-KURIER mitteilt.

Vorwurf der Zermürbungstaktik

„Ein solches Verhalten auf Arbeitgeberseite habe ich in 45 Jahren als Arbeitsrechtler nicht erlebt“, sagt der Bremer Rechtsanwalt Michael Nacken, der die Betriebsratsvorsitzende vertritt und dem Unternehmen Verstöße gegen das Betriebsverfassungsgesetz vorwirft. Wie auch Kerstin Bringmann von der Gewerkschaft Verdi sieht er eine Zermürbungstaktik, um die Betriebsräte loszuwerden. „Es geht dem Arbeitgeber offenbar darum, ein Zeichen zu setzen, um alle, die sich engagieren und für ihre Interessen eintreten, zum Schweigen zu bringen“, sagt Bringmann. Genau dies wertet die Senioren Wohnpark-Weser GmbH allerdings als die „herabsetzende Äußerung“, mit der sie nun die geplanten Kündigungen rechtfertigt.

Aus Gewerkschaftssicht berührt der Vorgang die Grundsatzfrage der Mitbestimmung, sodass zahlreiche Solidaritätsbekundungen für die betroffenen Betriebsräte veröffentlicht wurden, unter anderem von der IG Metall und der SPD-Fraktion in der Bürgerschaft. In der vergangenen Woche hat Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) mit den betroffenen Betriebsräten gesprochen und kommentiert, er sei entsetzt über das Vorgehen des Arbeitgebers.

Verdacht auf Falschaussage

Juristisch beurteilt Nacken die Chancen der Senioren Wohnpark-Weser GmbH als aussichtslos, den Betriebsrat und die Betriebsräte zu kündigen. Entzündet hat sich der Konflikt unter anderem am Plan des Unternehmens, die Software Citrix einzuführen. Weil diese grundsätzlich geeignet ist, die Arbeitnehmer zu überwachen, hielt der Betriebsrat eine Betriebsvereinbarung für notwendig. Das Unternehmen war der Ansicht, dass der Gebrauch von Citrix bereits in einer vorhandenen Vereinbarung geregelt ist und verweigerte Verhandlungen.

Darum haben die Arbeitnehmervertreter beim Arbeitsgericht Bremen eine Einigungsstelle beantragt. Mit einem neutralen Vorsitzenden – zumeist ein Arbeitsrichter – spielt sie die Rolle eines innerbetrieblichen Schlichters. Die Geschäftsführung der Senioren Wohnpark-Weser GmbH hat gegen eine solche Einigungsstelle geklagt, hat aber durch alle Instanzen bis zum Landesarbeitsgericht Bremen verloren.

Aussagen der Betriebsräte in diesem Verfahren sind nun der Anlass für das Kündigungsvorhaben. Sebastian Hollatz, Geschäftsführer der Senioren Wohnpark-Weser GmbH spricht in einer Stellungnahme von „möglicherweise unwahren Behauptungen über Betriebsratskollegen“ die vor Gericht mit Urkunden belegt worden seien, „deren Herkunft und Tatsachengehalt wir für mehr als zweifelhaft halten". Dies sei ein „massiver Vertrauensbruch“.

Zugleich betreibt das Unternehmen die Auflösung des Betriebsrates-Nord, der die Belegschaft von 22 der insgesamt 40 Pflegeheime vertritt. Hollatz begründet diesen Schritt mit „groben Pflichtverletzungen“ des Gremiums, unter anderem weil der Betriebsrat „es unterlässt, eine Erklärung abzugeben, aus einer Gerichtsentscheidung keine Rechte mehr herzuleiten zu wollen.“ Diese Erklärung wird vom Arbeitgeber gefordert, weil die Entscheidung des Landesarbeitsgerichts pro Einigungsstelle auf „möglicherweise wahrheitswidrigen Tatsachenbehauptungen gegenüber dem Gericht“ beruht.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-betriebsraeten-der-residenzgruppe-soll-gekuendigt-werden-_arid,1961298.html
« Letzte Änderung: 03. März 2021, 02:22 von admin » Gespeichert

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« Antworten #31 am: 03. März 2021, 02:13 »

Zitat
Betriebsrat-Kündigung vor Gericht
Ein bizarres Verfahren

Die Residenz-Gruppe will eine Bremer Betriebsratsvorsitzende los werden. Bei der Güteverhandlung kritisiert die Richterin die Argumentation.


von Lotta Drügemöller, taz Nord/Bremen, 18.02.2021

BREMEN taz | Der Pflegeheimbetreiber Residenz-Gruppe fährt große Kaliber auf: Der Betriebsratsvorsitzenden der Pflegeeinrichtung „Senioren Wohnpark Weser“ in Arsten soll fristlos gekündigt werden, drei weiteren Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats der Residenz-Gruppe für Bremen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen ebenso. Die Geschäftsführung droht außerdem damit, ihnen kein Gehalt mehr zu zahlen, und hat ein Hausverbot ausgesprochen.

Rechtskräftig ist all das nicht: Der Kündigung eines Betriebsratsmitglieds hätte der Betriebsrat zustimmen müssen; vor dem Arbeitsgericht soll mit einem Verfahren entschieden werden, ob diese Zustimmung ausnahmsweise ersetzt werden kann. Am Dienstag fand die vorgeschaltete Güteverhandlung statt.

Hoffnungen auf Erfolg dürfte sich der Arbeitgeber dabei nicht machen. Denn eine fristlose Kündigung darf nur aus einem wichtigen Grund erfolgen: Diebstahl wäre ein klassischer Fall. Der Arbeitgeber wirft den Vieren aber im Wesentlichen Protokollfehler und Lügen vor: Eine protokollierte Sitzung habe in Wahrheit gar nicht stattgefunden, mutmaßt die Geschäftsführung; schließlich habe eines der Mitglieder später keine Reisekostenabrechnung dazu vorgelegt.

Vor allem aber, so der Anwalt der Arbeitgeberseite, Franz Michael Koch, habe der Betriebsrat „fast schon inflationär“ Betriebsratsmitglieder bei Sitzungen als unentschuldigt fehlend gemeldet, obwohl diese nur verhindert gewesen seien. Das sei „unkollegial“ und ein „völliger Vertrauensbruch“. „So ein Verhalten ist nicht tolerierbar.“

Kündigung als Zermürbetaktik

„Es ist bizarr, dass Sie sich hier zum Anwalt der Betriebsratskollegen machen wollen“, meint Anwalt Michael Nacken als Vertreter des Betriebsrats dazu. Tatsächlich sei das Protokoll korrekt geführt worden: Fehle ein Betriebsratsmitglied bei einer Sitzung, ohne zuvor Bescheid gesagt zu haben, werde das Mitglied standardmäßig als „unentschuldigt fehlend“ eingetragen. „Das ist sogar dann der Fall, wenn jemand ins Koma gefallen ist und nicht absagen konnte“, erklärt Nacken.

Auch Richterin Sarah Bogner kritisierte während der Verhandlung die Argumentation. „Wenn überhaupt, haben wir hier einen Anfangsverdacht“, so Bogner. „Für eine Kündigung bräuchten wir aber einen dringenden Tatverdacht. Das wird hier nicht ganz leicht.“ Ihr werde nicht ganz klar, was der Arbeitgeber mit dem Verfahren eigentlich bezwecke.

Eine mögliche Erklärung liefert Elmar Wigand vom Verein „Arbeitsunrecht in Deutschland“: „Es geht dem Betrieb nicht darum, ein Verfahren zu gewinnen“, so der Sprecher des Vereins. „Die Strategie solcher Unternehmen ist es stattdessen, Betriebsräte durch im Kern unsinnige Verfahren zu zermürben und von anderen wichtigen Aufgaben abzulenken.“

Die Betriebsratsmitglieder seien sozial von den Unternehmen und der Stimmung in der Belegschaft abhängig. Die Drohungen und langwierigen Prozesse könnten sie in die Aufgabe treiben. „Dass die Arbeitsgerichte dieses Spiel mitspielen, ärgert uns seit Jahren“, so Wigand. Verhandlungen dauerten viel zu lang, Güteverhandlungen dürfe es laut Wigand in diesen Fällen gar nicht geben.

Im Bremer Fall folgt im April der eigentliche Prozessauftakt. Den Vorschlag des Betriebsrats zur Einigung über eine Mediation hat der Arbeitgeber im Güteverfahren am Dienstag abgelehnt. Nicht ohne eine eigene Idee zu unterbreiten – das Verfahren könne ganz einfach beendet werden, so Koch: durch die Entlassung der vier Gesamtbetriebsratsvorsitzenden.
Quelle: https://taz.de/Betriebsrat-Kuendigung-vor-Gericht/!5747307/



Zitat
Betriebsratskündigung im Pflegeheim:
„Die wollen ein Zeichen setzen“

Der Pflegeheimbetreiber Residenz-Gruppe kündigt seinen Bremer Betriebsratsvorsitzenden. Der Fall kann einem größeren Muster zugeordnet werden.


von Lotta Drügemöller, taz Nord/Bremen, 16.02.2021

BREMEN taz | „Betriebsräte sind auch für uns das gewählte und vor allem wichtige Gremium, welches die Interessen der von uns sehr geschätzten Mitarbeiter vertreten sollte“, schreibt die Pressestelle der Residenz-Gruppe auf Nachfrage der taz. In Bremen und mittlerweile auch in den Betrieben in Niedersachsen/ Nordrhein-Westfalen versucht die Pflegeheim-Kette momentan aber, ihren Betriebsrat möglichst schnell und restlos loszuwerden – zum einen durch Auflösung eines Bremer Betriebsrats, zum anderen durch fristlose Kündigung.

Ursprünglich sollte nur die Bremer Betriebsratsvorsitzende und zugleich Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats für Bremen und Niedersachsen/Nordrhein-Westfalen entlassen werden; sie bekam ihre Kündigung am Tag vor Weihnachten zugestellt. Mittlerweile haben auch die drei anderen Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats fristlose Kündigungen erhalten. Der Betriebsrat in Bremen wird zudem mit Auflösung bedroht.

„Grobe Pflichtverletzung“ wirft Sebastian Hollatz, Geschäftsführer in Weyhe, Mitte Januar in einem Rundschreiben an die Beschäftigten den Be­triebs­rats­ver­tre­te­r*in­nen vor. Die sei so gravierend, dass man sich zur Kündigung „gezwungen gesehen“ habe.

Das Vergehen laut Geschäftsführung: Der Betriebsrat habe „über einzelne Betriebsratsmitglieder behauptet“, sie würden zu Sitzungen unentschuldigt fehlen. Tatsächlich seien die Mitglieder aber nur verhindert gewesen. „Solche (möglicherweise unwahren) Behauptungen über Betriebsratskollegen halten wir für unanständig und […] unkollegial“, antwortet die Pressestelle des Unternehmens auf eine taz-Anfrage.

Darüber hinaus zweifelt der Arbeitgeber die Urkunden (vermutlich Sitzungsprotokolle) an, die das unentschuldigte Fehlen belegen sollen. Die fristlose Kündigung beruht also auf diversen Mutmaßungen.

In dem unterstellten Verhalten sieht die Residenz-Gruppe einen massiven Vertrauensbruch. „Jeder Arbeitnehmer, der seinen Arbeitgeber schädigt oder sein Vertrauen missbraucht, sollte abhängig vom Einzelfall ggf. gekündigt werden“, schreibt die Presseabteilung der Residenz-Gruppe.

Die Gewerkschaft findet die Vorwürfe lächerlich

„Absolut lächerlich“ findet Kerstin Bringmann, Bremer Ver.di-Gewerkschaftssekretärin im Bereich Pflege, die Vorwürfe. Unentschuldigtes Fehlen bei einer Betriebsratssitzung gebe es schon dann, wenn jemand vergäße, seinen Urlaub anzugeben. So etwas im Protokoll zu vermerken, sei nicht unkollegial, sondern reine Formsache.

Ver.di stellt in einem offenen Brief andere Vermutungen über die Hintergründe an: In dem Rundschreiben von Mitte Januar, in dem die Geschäftsleitung die Kündigung der Bremer Betriebsratsvorsitzenden und die angedrohte Auflösung des Betriebsrats den Beschäftigten bestätigt, klagt Geschäftsführer Sebastian Hollatz auch über eine Entscheidung des Betriebsrates: Dieser hatte Ende 2020 eine geplante Prämie abgelehnt, weil sie Mit­ar­bei­te­r*in­nen mit Krankheitstagen nicht voll ausgezahlt werden sollte.

Ver.di vermutet, dass die Geschäftsführung den eigentlichen Affront in dieser Entscheidung sehe. „Hier hat der Betriebsrat keine Pflicht verletzt, sondern genau das getan, wofür er gewählt wurde“, schreibt die Gewerkschaft im offenen Brief. „Es geht dem Arbeitgeber offenbar darum, ein Zeichen zu setzen, um alle, die sich engagieren und für ihre Interessen eintreten, zum Schweigen zu bringen“, sagt Bringmann.

Der Fall kann einem größeren Muster zugeordnet werden: Die Residenz-Gruppe gehört seit einigen Jahren zum französischen Konzern Orpea. Mit Union-Busting und schlechter Behandlung von Mit­ar­bei­te­r*in­nen ist dieser viertgrößte Pflegeheimbetreiber Deutschlands nicht zum ersten Mal aufgefallen.

Orpea hat schon früher Gewerkschaftsmitglieder entlassen

2018 sollte es laut Ver.di in der Orpea-Untergruppe Celenus in Thüringen zu Entlassungen kommen, weil Mit­ar­bei­te­r*in­nen einer Rehaklinik für höhere Löhne gestreikt hatten: Zwei Gewerkschafterinnen wurden dabei fristlos gekündigt, fünf Beschäftigte der Physiotherapie ausgesperrt, zwölf Reinigungskräfte entlassen. Und im Mutterland Frankreich machte der Konzern 2014 Schlagzeilen, als herauskam, dass Angestellte von eigens bestellten Be­ob­ach­te­r*in­nen überwacht wurden.

Die Gewerkschaft will das Verfahren deshalb genau beobachten: Den Gütetermin zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat am Dienstag wird sie mit einer Soli-Aktion vor dem Arbeitsgericht begleiten.
Quelle: https://taz.de/Betriebsratskuendigung-im-Pflegeheim/!5746922/
« Letzte Änderung: 03. März 2021, 02:31 von admin » Gespeichert

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« Antworten #30 am: 01. Mai 2019, 19:06 »

Zitat
Bremerhaven:
Hospiz in privater Trägerschaft sorgt für Misstrauen


Von Klaus Mündelein, 14. März 2019 // 18:00

Investor Rolf Specht will in Bremerhaven und Geestland jeweils ein Hospiz bauen und betreiben. Bei der Anhörung der Grünen in der Bürgerschaft zur Hospizversorgung im Land Bremen wurden ihm kritische Fragen gestellt wie: Kann ein Privatinvestor ein Hospiz betreiben, bei dem Sterbende rund um die Uhr betreut werden müssen?

Hoher Pflegeaufwand für Sterbende

Der Pflegeaufwand in Hospizen, in denen Sterbende ihre letzten Tage oder Wochen verbringen, ist enorm hoch. „Damit kann man kein Geld verdienen“, warnten Vertreter von Institutionen, die bereits Hospize in Bremen oder Niedersachsen betreiben. Unter den Experten gab es ebenfalls kritische Nachfragen, ob nicht die Pflicht, Gewinne zu erzielen, auf Kosten der Qualität gehe.

„Private verdienen sich keine goldene Nase“

Investor Specht hielt dagegen. „Private Betreiber verdienen sich keine goldene Nase“, sagte er, auch nicht in der Altenpflege. Ohne die privaten Investoren gebe es in Deutschland einen Pflegenotstand.


[Artikel der Nordsee-Zeitung lesen >>]

https://www.nordsee-zeitung.de/
Quelle: https://nord24.de/bremerhaven/mit-einem-hospiz-kann-man-kein-geld-verdienen



Zitat
Geplantes Hospiz in Bremerhaven soll noch 2019 gebaut werden

  • Vorvereinbarung für Neubau eines Hospizes ist unterschrieben
  • Wo gebaut wird, ist noch unklar
  • Bauarbeiten könnten in der zweiten Jahreshälfte beginnen

Bremerhaven soll voraussichtlich noch in diesem Jahr ein Hospiz bekommen. Das sagte Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD) am Nachmittag nach einem Gespräch mit einem Investor. Grantz und der Bremer Unternehmer Rolf Specht haben laut Grantz am Nachmittag eine Vorvereinbarung für den Neubau eines Hospizes unterschrieben. In Frage kommen zwei Standorte: In Geestemünde oder in Speckenbüttel. Wo gebaut wird, ist noch unklar. Die Bauarbeiten könnten in der zweiten Jahreshälfte beginnen.

In Bremerhaven wird seit Jahren über ein Hospiz diskutiert. Erst kürzlich war ein geplantes Projekt gescheitert, weil sich die AWO als Betreiberin und ein Investor nicht über die Finanzierung einigen konnten. Pläne für ein Hospiz gibt es auch im benachbarten Geestland. Die Gemeinde hat mit dem Unternehmer Specht eine gemeinsame Absichtserklärung zur Einrichtung eines Hospizes vereinbart. Standort könnte die AMEOS-Klinik Seepark in Debstedt sein.
Quelle: https://www.butenunbinnen.de/nachrichten/gesellschaft/hospiz-bremerhaven-102.html, 05.02.2019



Siehe dazu auch Plakatwerbung (Bremen, März 2019):
Rendite vs. Pflegequalität




Specht Gruppe und das Angebot von Pflegeimmobilien zur Kapitalanlage [>>]

Quelle: https://www.diebewertung.de/specht-gruppe-und-das-angebot-von-pflegeimmobilien-miese-bilanz-2016-des-unternehmens-ist-keine-empfehlung/



Siehe auch: https://www.northdata.de/Specht,+Rolf,+Bremen/cpx

* Specht baut Bremerhavener Hospiz_NZ-190314.pdf (145.79 KB - runtergeladen 356 Mal.)
« Letzte Änderung: 03. März 2021, 02:06 von admin » Gespeichert

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« Antworten #29 am: 08. Mai 2018, 11:03 »

Zitat
200 Millionen Euro für 17 Pflegeheime
Specht-Gruppe investiert Rekordsumme


von Jürgen Theiner 17.08.2017

Die Bremer Specht-Gruppe macht das größte Geschäft ihrer bisherigen Firmengeschichte: Rund 200 Millionen Euro fließen in den Bau von 17 Seniorenheimen, die der belgische Aedifica-Fonds übernimmt.

Es ist der größte Deal in der Geschichte der Bremer Specht-Gruppe: Das auf Pflegeheime spezialisierte Immobilienunternehmen mit Sitz in der Überseestadt hat am Donnerstag eine Vereinbarung über den Bau von 17 Seniorenresidenzen geschlossen, darunter drei in der Bremer Region. In Oberneuland entsteht an der Rockwinkeler Straße die „Kaemena-Residenz“ mit 76 Pflegeplätzen. Zwei weitere Objekte sollen in Weyhe und Achim gebaut werden. Die übrigen Standorte verteilen sich über mehrere norddeutsche Bundesländer und Nordrhein-Westfalen. Drei der Objekte sind in Wolfsburg, Cuxhaven und Schwerin geplant. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf insgesamt rund 200 Millionen Euro. Abnehmer der Pflegeimmobilien ist der belgische Aedifica-Fonds, der europaweit in Immobilien für Senioren investiert. Insgesamt entstehen in den Neubauten, die innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre errichtet werden sollen, rund 1500 stationäre Pflegeplätze.

Dass sein Großprojekt mit der aktuellen Pflegepolitik der Bundesregierung nicht im Einklang steht, ist Rolf Specht bewusst. Mit mehreren Gesetzesänderungen hatte Berlin in den vergangenen Jahren den Grundsatz „ambulant vor stationär“ verankert. Das bedeutet: Senioren sollen, so lange es eben geht, in den eigenen vier Wänden versorgt werden, statt in Pflegeheimen untergebracht zu werden. Doch das ist nach Spechts Einschätzung Wunschdenken des Gesetzgebers. Angesichts der demografischen Entwicklung steige der Bedarf an stationären Pflegeplätzen weiterhin. „Viele Seniorenheime, auch in Bremen, sind voll belegt. Da gibt es Wartelisten.“ Vor diesem Hintergrund sei neben der ambulanten Pflege auch ein weiterer Ausbau stationärer Angebote erforderlich.

Es sei überdies ein Irrtum, dass ambulante Pflege durchweg günstiger ist als die Versorgung von Alten in Einrichtungen. Beispiel: Eine Person mit Pflegegrad 4 erhält von den Kostenträgern für die Unterbringung in einem Heim einen Zuschuss von 1612 Euro. Privat müssen, je nach Einrichtung, zwischen 1000 und 1600 Euro draufgelegt werden. Wer sich im Pflegegrad 4 ambulant versorgen lässt, dem stehen neben den 1612 Euro noch 125 Euro „Entlastungsbetrag“ zu. Darüber hinaus bekommt er oder sie noch einmal bis zu 1612 Euro im Monat, um eine Tagespflege zu besuchen. Zudem hat der Pflegebedürftige jährlich noch einmal Anspruch auf 1612 Euro für die sogenannte Verhinderungspflege. Addiert man all diese Leistungen, können  bis zu 3483 Euro monatlich abgerufen werden, rechnet Specht vor. Dabei seien neben der Pflegeversicherung auch die Krankenkassen mit im Boot, „und die werden dagegen irgendwann rebellieren“, ist sich der Immobilienunternehmer sicher.

Das größte Problem ist der Fachkräftemangel

Egal ob ambulant oder stationär: Zum wohl größten Problem in der Pflege wächst sich derzeit der Fachkräftemangel aus. Damit werden sich auch die Betreiber der jetzt projektierten Einrichtungen in Bremen, Achim und Weyhe auseinandersetzen müssen. „Pflege ist ein schwerer Job. Der müsste besser bezahlt werden“, findet Rolf Specht. Auf der Grundlage der derzeit geltenden Pflegesätze sei das jedoch kaum möglich. In der Tat sind examinierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt kaum noch zu kriegen. In der Branche wurden zuletzt Klagen über Zeitarbeitsfirmen laut, die in die Pflegeheime gehen und dort Fachkräfte gezielt abwerben, indem sie ihnen beispielsweise 19 Euro Stundenlohn statt der üblichen 17 Euro anbieten. Die so unter Vertrag genommenen Altenpfleger werden anderen Heimen dann für das doppelte angeboten.

Noch muss Rolf Specht als reinen Bauherrn diese Entwicklung nicht bekümmern. Aus dem Betrieb von Pflegeeinrichtungen war er 2015 ausgestiegen, nachdem er zwei seiner Firmen an den französischen Orpea-Konzern verkauft hatte. Doch im Gespräch mit dem WESER-KURIER deutet Specht einen Sinneswandel an. Er könne sich vorstellen, mittelfristig wieder ins Betreibergeschäft zurückzukehren, so Specht.
Quelle: https://www.weser-kurier.de/bremen/bremen-stadt_artikel,-spechtgruppe-investiert-rekordsumme-_arid,1637082.html
« Letzte Änderung: 23. April 2019, 11:56 von admin » Gespeichert

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« Antworten #28 am: 13. September 2017, 03:02 »

Zitat
Drei neue Immobilien
Specht-Gruppe investiert weiter


Bremen. Die Specht-Gruppe hat drei Immobilien der ehemaligen „Nordsee-Pflege-Immobilien“ in Bremerhaven und Cuxhaven erworben. Seit Mitte Dezember 2016 führt die Specht-Gruppe bereits dort die Pflegedienste unter dem Markennamen „Weser Pflegedienst“ fort sowie an den beiden Beratungsstellen Schiffdorf und Langen. Erst vor einem Monat hatte die Bremer Unternehmensgruppe außerdem angekündigt, für 200 Millionen Euro 17 Seniorenresidenzen zu bauen – drei davon in Bremen.
Quelle: weser-kurier.de, 13.09.2017
« Letzte Änderung: 13. September 2017, 03:03 von admin » Gespeichert

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« Antworten #27 am: 07. September 2017, 19:19 »

Zitat
Immobilie an der Mühlenstraße
Postgebäude verkauft
Bunte und Specht Gruppe erwerben Haus an Mühlenstraße


Delmenhorst. Die Delmenhorster Postimmobilie an der Mühlenstraße ist verkauft worden. Damit ist sie eine von insgesamt fünf Postimmobilien, die die Bauunternehmung Johann Bunte zusammen mit der Specht Gruppe erworben hat. Das Investitionsvolumen beläuft sich insgesamt auf rund elf Millionen Euro.

Neben dem Delmenhorster Standort erwarb die Gruppe auch noch Gebäude in Stuhr-Brinkum, Leer, Borken sowie Norderstedt. Zuvor waren die Immobilien im Besitz eines kanadischen Immobilienfonds, dem rund 100 Filialen des Brief- und Paketkonzerns gehören. „Die Postimmobilien zeichnen sich durch verkehrsgünstige und zentrale innerörtliche Lagen aus“, betont Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der Specht Gruppe. Dadurch würden sich dort laut Bunte-Chef Jan Schütz zukünftig diverse Möglichkeiten für spannende Projektentwicklungen, etwa im Bereich Wohnen, Handel oder Gewerbe, ergeben.
Quelle: www.weser-kurier.de / Delmenhorster Kurier, 07.09.2017
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« Antworten #26 am: 07. September 2017, 18:57 »

Zitat
Specht-Gruppe kassiert Korb,

wenigstens vorerst. Sehr reserviert zeigten sich die Kommunalpolitiker bei der Präsentation des geplanten Heimneubauprojektes im niedersächsischen Kreis Oldenburg durch Vertreter der Specht-Gruppe - überraschend präsentierten sie zusätzlich eine Kooperation mit der örtlichen Wohnungsbaugesellschaft, die angrenzend zusätzliche Seniorenwohnungen errichten möchte. Die Kommunalpolitiker fühlten sich davon überrumpelt. Auf wenig Verständnis stieß auch die Aussage auf der Unternehmenswebsite, man habe bereits "grünes Licht" von der Gemeinde. Die Präsentation wurde von einigen der Stadtoberen als "Verkaufsveranstaltung" empfunden, die Entscheidung über das Vorhaben vorerst vertagt. Es ist Teil des Aedifica-Deals.

Hintergrund ist die Wettbewerbssituation mit weiteren Heimneubauvorhaben im Ort: die Lindhorst-Gruppe möchte ein 2014 geschlossenes Pflegeheim reaktivieren und erweitern. Die (Wieder)eröffnung ist für 2018 angestrebt, es werden bereits Pflegefachkräfte gesucht. Ein Investor möchte in einem dritten Bauprojekt stationäre Pflegeleistungen (von 100 Plätzen ist die Rede) in einem Ortsteil mit generationenübergreifendem Wohnen verbinden.

Für die gut 14.000 Einwohner Hattens stehen bisher rund 100 Pflegeplätze zur Verfügung.
Quelle: www.marktdialog.com, Newsletter vom 12.09.2017



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17 neue Seniorenheime für 200 mio. Euro
wird die Specht-Gruppe (vormals Residenz Gruppe Bremen) bis Ende 2019 für die belgische Aedifica AG errichten. Rund 1500 neue Pflegeplätze sollen dadurch entstehen. Für beide Gesellschaften handelt es sich um den jeweils größten Einzeldeal ihrer Geschichte. Die neuen Immobilien werden von "namhaften deutschen Pflegeunternehmen betrieben (werden), die die hohen Qualitätsanforderungen...kennen", so die Spechtgruppe.

Aedifica ist auf Pflegeimmobilien spezialisiert und verfügt bereits über gut 20 Pflegeeinrichtungen mit rund 2400 Pflegeplätzen im Land. Mit der Realisierung dieses Vorhabens werden es rund 40 Heime mit fast 4000 Betten werden. Alle neuen Residenzen sollen in einen Pflegecampus eingebettet, in denen auch ambulante Pflege wie Seniorenwohnungen und Tagespflegen  angeboten werden, in einigen Fällen auch Kinderkrippen bzw. -tagesstätten. Teilweise sollen die Angebote im Einzelverkauf vermarktet werden. Als Standorte sind Niedersachsen (6), Mecklenburg-Vorpommern (2), NRW (6), Schleswig-Holstein (2) und Bremen (1) vorgesehen. Die Specht- bzw. Residenzgruppe hat nach eigenen Angaben bisher über 100 Pflegeeinrichtungen in Deutschland gebaut, davon bereits mehrere für Aedifica.
Quelle: www.marktdialog.com, Newsletter vom 28.08.2017



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200 Millionen Euro für 17 Pflegeheime
Specht-Gruppe investiert Rekordsumme


von Jürgen Theiner 17.08.2017

Die Bremer Specht-Gruppe macht das größte Geschäft ihrer bisherigen Firmengeschichte: Rund 200 Millionen Euro fließen in den Bau von 17 Seniorenheimen, die der belgische Aedifica-Fonds übernimmt.

Es ist der größte Deal in der Geschichte der Bremer Specht-Gruppe: Das auf Pflegeheime spezialisierte Immobilienunternehmen mit Sitz in der Überseestadt hat am Donnerstag eine Vereinbarung über den Bau von 17 Seniorenresidenzen geschlossen, darunter drei in der Bremer Region. In Oberneuland entsteht an der Rockwinkeler Straße die „Kaemena-Residenz“ mit 76 Pflegeplätzen. Zwei weitere Objekte sollen in Weyhe und Achim gebaut werden. Die übrigen Standorte verteilen sich über mehrere norddeutsche Bundesländer und Nordrhein-Westfalen. Drei der Objekte sind in Wolfsburg, Cuxhaven und Schwerin geplant. Das Auftragsvolumen beläuft sich auf insgesamt rund 200 Millionen Euro. Abnehmer der Pflegeimmobilien ist der belgische Aedifica-Fonds, der europaweit in Immobilien für Senioren investiert. Insgesamt entstehen in den Neubauten, die innerhalb der nächsten zweieinhalb Jahre errichtet werden sollen, rund 1500 stationäre Pflegeplätze.

Dass sein Großprojekt mit der aktuellen Pflegepolitik der Bundesregierung nicht im Einklang steht, ist Rolf Specht bewusst. Mit mehreren Gesetzesänderungen hatte Berlin in den vergangenen Jahren den Grundsatz „ambulant vor stationär“ verankert. Das bedeutet: Senioren sollen, so lange es eben geht, in den eigenen vier Wänden versorgt werden, statt in Pflegeheimen untergebracht zu werden. Doch das ist nach Spechts Einschätzung Wunschdenken des Gesetzgebers. Angesichts der demografischen Entwicklung steige der Bedarf an stationären Pflegeplätzen weiterhin. „Viele Seniorenheime, auch in Bremen, sind voll belegt. Da gibt es Wartelisten.“ Vor diesem Hintergrund sei neben der ambulanten Pflege auch ein weiterer Ausbau stationärer Angebote erforderlich.

Es sei überdies ein Irrtum, dass ambulante Pflege durchweg günstiger ist als die Versorgung von Alten in Einrichtungen. Beispiel: Eine Person mit Pflegegrad 4 erhält von den Kostenträgern für die Unterbringung in einem Heim einen Zuschuss von 1612 Euro. Privat müssen, je nach Einrichtung, zwischen 1000 und 1600 Euro draufgelegt werden. Wer sich im Pflegegrad 4 ambulant versorgen lässt, dem stehen neben den 1612 Euro noch 125 Euro „Entlastungsbetrag“ zu. Darüber hinaus bekommt er oder sie noch einmal bis zu 1612 Euro im Monat, um eine Tagespflege zu besuchen. Zudem hat der Pflegebedürftige jährlich noch einmal Anspruch auf 1612 Euro für die sogenannte Verhinderungspflege. Addiert man all diese Leistungen, können  bis zu 3483 Euro monatlich abgerufen werden, rechnet Specht vor. Dabei seien neben der Pflegeversicherung auch die Krankenkassen mit im Boot, „und die werden dagegen irgendwann rebellieren“, ist sich der Immobilienunternehmer sicher.

Das größte Problem ist der Fachkräftemangel
Egal ob ambulant oder stationär: Zum wohl größten Problem in der Pflege wächst sich derzeit der Fachkräftemangel aus. Damit werden sich auch die Betreiber der jetzt projektierten Einrichtungen in Bremen, Achim und Weyhe auseinandersetzen müssen. „Pflege ist ein schwerer Job. Der müsste besser bezahlt werden“, findet Rolf Specht. Auf der Grundlage der derzeit geltenden Pflegesätze sei das jedoch kaum möglich. In der Tat sind examinierte Fachkräfte auf dem Arbeitsmarkt kaum noch zu kriegen. In der Branche wurden zuletzt Klagen über Zeitarbeitsfirmen laut, die in die Pflegeheime gehen und dort Fachkräfte gezielt abwerben, indem sie ihnen beispielsweise 19 Euro Stundenlohn statt der üblichen 17 Euro anbieten. Die so unter Vertrag genommenen Altenpfleger werden anderen Heimen dann für das doppelte angeboten.

Noch muss Rolf Specht als reinen Bauherrn diese Entwicklung nicht bekümmern. Aus dem Betrieb von Pflegeeinrichtungen war er 2015 ausgestiegen, nachdem er zwei seiner Firmen an den französischen Orpea-Konzern verkauft hatte. Doch im Gespräch mit dem WESER-KURIER deutet Specht einen Sinneswandel an. Er könne sich vorstellen, mittelfristig wieder ins Betreibergeschäft zurückzukehren, so Specht.
Quelle: www.weser-kurier.de
« Letzte Änderung: 13. September 2017, 01:23 von admin » Gespeichert

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« Antworten #25 am: 08. August 2016, 19:26 »

Einfältigkeit läßt grüßen:

Zitat
FDP-Abgeordnete Marco Genthe und Sylvia Bruns auf Sommertour
Pflegenotstand bekämpfen: Liberale von Weyher Idee begeistert


Von Sigi Schritt.

Um das Problem des Pflegenotstands in Deutschland zu lösen, hat Rolf Specht, geschäftsführender Gesellschafter der Residenzgruppe, eine aus seiner Sicht schnell umsetzbare Idee entwickelt. Die hat er gestern auf der Sommertour der FDP-Landtagsfraktion in der Seniorenresidenz Lerchenhof in Leeste vorgetragen. Sie fand bei Sylvia Bruns, sozial- und gesundheitspolitische Sprecherin, beim Abgeordneten Marco Genthe (Leeste) und beim ehemaligen Bundestagsabgeordneten Jürgen Timm (Stuhr) breite Zustimmung.

... Specht sieht als mögliche Lösung, ähnlich wie in der Schifffahrt bei den Matrosenbezügen, dass der Staat für examinierte Pflegekräfte in allen Gesundheitssparten auf die Lohnsteuer des Arbeitnehmers verzichtet. ...

... Als „praktikable und schnell umsetzbare Lösung“ bezeichnete Jürgen Timm Spechts Vorschlag. Allerdings sei das eine Sache des Bundes. „Aber das Land Niedersachsen könnte über eine Bundesratsinitiative das Verfahren in Berlin einbringen“, ergänzte Genthe. ...

Die Politiker besuchten neben dem Lerchenhof auch die Senioreneinrichtung „Deutsche Eiche“ in Syke und das „Haus Am Brunnen“ in Brinkum.
Quelle: http://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/weyhe-ort54198/pflegenotstand-bekaempfen-liberale-weyher-idee-begeistert-6637601.html, 05.08.2016



ANMERKUNG:
Dass die FDP bereitwillig Unternehmer unterstützt, gehört bekanntermaßen zum Handlungsprinzip und zur Wahl-Taktik der Partei. Dass nun aber FDP-Parteigrößen aus Niedersachsen und ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Partei den abstrusen und wirklichkeitsfremden Ideen des Immobilienhais und Heimbetreibers Rolf Specht willfährig Lob spenden, macht die Partei noch unwählbarer, als sie ohnehin schon ist!

Denn wenn Pflegekräfte von der Lohsteuer befreut werden sollen, sollten dann Krankenschwestern und -pfleger leer ausgehen? Und was ist mit KindergärtnerInnen, Rettungssanitätern, Feuerwehrleuten, Polizisten, Lehrern usw., bei denen ebenfalls Personalnotstände zu beklagen sind - und was ist mit all den anderen Berufszweigen, in denen ebenfalls Fachkräftemange herrscht ?!!!
« Letzte Änderung: 25. September 2016, 01:03 von admin » Gespeichert

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« Antworten #24 am: 03. April 2016, 22:20 »

Zitat
Rolf Specht kauft Pflegeheim zurück

... Da weder seine Tochter Britta noch jemand aus der Familie des einzigen verbliebenen Partners Kattau das Geschäft übernehmen will, hatte Specht im vergangenen Jahr unter anderem die Senioren Wohnpark Weser GmbH von der Residenz-Gruppe getrennt. Dazu zählte auch der Leester Lerchenhof. Erst im Januar hat Specht das Gebäude von der Cux-Fondsgesellschaft, die das Gebäude zehn Jahre lang an die Residenz-Gruppe vermietet hatte, zurückgekauft. Jetzt haben Einzelinvestoren die Möglichkeit, 85 „vermietete“ rund 20 Quadratmeter große Zimmer samt Gemeinschaftseigentumsanteilen im 2005 eröffneten Haus zu erwerben. Dazu kommen beispielsweise die Küche und Funktionsräume etwa für das Essen sowie für die Therapieanwendungen. ...
Quelle: http://www.kreiszeitung.de/lokales/diepholz/weyhe-ort54198/rolf-specht-kauft-pflegeheim-zurueck-veraeussert-einzelinvestoren-6134541.html, 18.02.2016
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« Antworten #23 am: 28. Dezember 2015, 11:13 »

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„Care-Hotels“ für Urlaub von der Pflege
Angebot für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen
Rolf Specht investiert am Tegernsee 45 Millionen Euro

VON SILKE HELLWIG

Bremen. Rolf Specht ist Profi im Bereich der stationären Pflege. Er hat mit seinen Partnern eine Unternehmensgruppe aufgebaut, die zu den 15 größten privaten Seniorenheimbetreibern in Deutschland zählte und mehr als 1000 Mitarbeiter beschäftigte. Nun schmiedet er neue Pläne: Er will eine „Care-Hotel“-Kette aufbauen. Darunter seien Häuser zu verstehen, „in denen man nicht nur erstklassige Hotel-, sondern auch Pflegeleistungen beziehen und dazu buchen kann, die von den Kassen gefördert und bezahlt werden“.

Im Sommer dieses Jahres hat sich der geschäftsführende Gesellschafter der Residenz-Gruppe Bremen von der Senioren Wohnpark Weser GmbH und der Senioren Wohnpark Stade GmbH getrennt, die 34 Einrichtungen mit 2496 stationären Pflegeplätzen in Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen betrieben hat. Er wolle im Alter von 63 Jahren kürzer treten, so hatte Specht seinen Entschluss kommentiert. Von einer Hotel-Kette war noch keine Rede. „Es macht mir einfach Spaß, Neues zu entwickeln. Das nennt man wohl Unternehmergeist“, sagt Specht.

Das erste „Care-Hotel“ – Kategorie vier Sterne Superior – soll am Tegernsee entstehen. Motto: „genießen, genesen, erholen“. Das Grundstück ist gekauft, 7500 Quadratmeter „fast direkt am See“, das Genehmigungsverfahren läuft laut Specht. Investitionsvolumen: rund 45 Millionen Euro. Mit einem solchen Hotel werde eine Marktlücke geschlossen, sagt Rolf Specht: Insbesondere für pflegende Angehörige sei es wichtig, sich gelegentlich eine Auszeit zuzugestehen, um sich regenerieren zu können. Bislang sei das nur über die Kurzzeitpflege möglich. Die Pflegebedürftigen in entsprechenden Einrichtungen alleine zu lassen, falle vielen Angehörigen schwer. Für die Pflegebedürftigen sei eine solche Situation ebenfalls oft belastend, da sie sich in einer fremden Umgebung ohne Bezugspersonen zurecht finden müssten. „Da fehlt einfach ein Angebot.“

Wellness-Hotels boomen, allerdings wenden sich die meisten nicht an pflege-, sondern an erholungsbedürftige Gäste, die ausspannen und sich mit verschiedenen Anwendungen umsorgen lassen wollen. Seit einigen Jahren gibt es laut dem „Deutschen Seniorenportal“ überdies eine Reihe von „Kur- und Pflegehotels“, die Tages- und Kurzzeitpflegeplätze anbieten, aber auch Angehörige aufnehmen, die sich erholen und dabei in der Nähe ihres Angehörigen bleiben oder so weit wie möglich gemeinsam Urlaub machen möchten.

„Es gibt Pflegehotels, die schon nach wenigen Jahren ihre Pforten wieder für immer schließen. Eine Ursache könnte sein, dass diese Unterkünfte zu wenig Urlaub und zu viel Pflege verkörpert haben. Ein gutes Pflegehotelkonzept sollte seinen Gästen ebenso viel Urlaubsgefühl vermitteln, wie ein ,normales’ gehobenes Hotel. Und das ganz unabhängig vom Alter der Gäste“, heißt es auf dem Portal. Und: „Noch ist der Markt in Deutschland recht übersichtlich.“

Am Nidda-Stausee in Hessen wurde im September der Grundstein zu einem „Care-Hotel“ gelegt. Es soll im Frühjahr 2017 eröffnet werden. Bauherr ist, wie die „Oberhessische Presse“ mitteilt, die Hopag Hotel Property AG, die ein weiteres „Care-Hotel“ in Bad Liebenzell plant. Betrieben werden soll die Einrichtung von der „Carehotel GmbH & Co. KG“. Das Konzept stammt laut Unternehmen von Karina-Anna Dörschel, Geschäftsführerin einer Hotelkette. Ihr Motiv: „Eigene Erfahrungen aus dem persönlichen Umfeld haben mich beeindruckt: Einschränkungen und Handicaps sind immer noch ein Tabuthema und Reisen, ob allein, mit dem Partner oder mit der Familie nur schwer zu realisieren. Das möchte ich ändern.“

Die Pflegereform der Bundesregierung im Jahr 2012 verankerte den Grundsatz „ambulant vor stationär“ im entsprechenden Gesetz. Dadurch, so Specht, veränderten sich die Möglichkeiten – sowohl für Dienstleister als auch für die Pflegebedürftigen und ihre Angehörigen: „Verhinderungspflege“ nennt sich eine Leistung der Pflegeversicherung, mit der einmal im Jahr Kosten übernommen werden, die entstehen, wenn die pflegende Person Urlaub macht oder der Betreuung nicht nachkommen kann. Der finanzielle Aufwand muss nachgewiesen werden, erstattet werden bis zu 1612 Euro. Obendrein kann auch Geld, das für die Kurzzeitpflege zur Verfügung steht, aber nicht abgerufen wird, zur „Verhinderungspflege“ genutzt werden – damit steigt die Summe auf 2418 Euro.

Damit, sagt Specht, sei ein gemeinsamer Urlaub möglich, der zugleich „Urlaub von der Pflege“ sei, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen. Man verbringe die Ferien gemeinsam, die nötigen Assistenzleistungen und Rehabilitationsangebote werden zu dem Urlaub hinzugebucht. Auch alleinstehende Pflegebedürftige hätten meist Schwierigkeiten, eine geeignete Ferienunterkunft zu finden. Beatmungs- und Dialysepatienten sollen in seinem „Care-Hotel“ ebenso gut aufgehoben sein, wie Geh- und Sehbehinderte. Eine Reisebegleitung soll ebenfalls zum Angebot zählen. „Wir werden versuchen, alles möglich zu machen, was für die Gäste und die Pflegebedürftigen nötig ist“, sagt Specht. Das entsprechende Fachpersonal, das sich um die Hotelgäste kümmert, soll in einem eigenen ambulanten Pflegedienst organisiert werden.

Specht will in Tegernsee nicht nur das Hotel mit 120 Zimmern und Suiten bauen, sondern auch 90 Wohnungen, darunter ein Drittel, das explizit für junge Familien gedacht ist, „und wo die Miete und der Kaufpreis limitiert sind“. Das sei ein Wunsch der Stadt Tegernsee (rund 3600 Einwohner), die großes Interesse daran habe, dass sich junge Familien ansiedelten und neues Publikum gewonnen wird.

Die anderen Wohnungen sollen seniorengerecht ausgestattet werden, die Bewohner ebenfalls von den Angeboten des Hotels profitieren – von der Versorgung mit Mahlzeiten bis hin zu Pflegeleistungen. „Tegernsee ist als beliebter Urlaubsort ideal für unser Pilot-Hotel“, so Specht. Denn bei einem will es der Bremer Unternehmer nicht belassen: In Bad Oeynhausen, Bad Reichenhall, am Chiemsee, am Starnberger See und in Duhnen hat er sich ebenfalls umgesehen, ob sich ein Standort für ein „Care-Hotel“ findet. Selbstverständlich stehe auch Bremen auf seiner Liste.
Quelle: www.weser-kurier.de, 28.12.2015
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« Antworten #22 am: 17. September 2015, 00:01 »

Interview im Bremer "WESER-KURIER" am Mo., 14.09.2015

„Qualität ist das Wichtigste“
Orpea-Deutschland-Chef Marc Hildebrand über die Übernahme der Pflegeheime der Bremer Residenz-Gruppe


... Bei der Pflege geht es immer um das ganz individuelle Schicksal der Bewohner und ihrer Angehörigen. Ein Unternehmer, der nur Geld verdienen möchte, ist da vollkommen fehl am Platz. ...

Quelle: www.weser-kurier.de



KOMMENTAR:
Da wird ORPEA beweisen müssen, dass sie nicht nur Geld verdienen, sondern Pflegebedürftige menschenwürdig versorgen wollen und können!

* weserkurier_150914-S15.pdf (138.4 KB - runtergeladen 603 Mal.)
« Letzte Änderung: 17. September 2015, 00:08 von admin » Gespeichert

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« Antworten #21 am: 30. Juli 2015, 14:20 »

Zitat
Senioren gegen Kommerzialisierung
Pflege auf dem Markt

Bewohnervertretung kritisiert den Verkauf von Pflegeheimen der „Residenz Gruppe“ an einen internationalen Investor.


Der jüngste Eigentümerwechsel von Bremer Seniorenheimen sorgt für Unruhe bei einer Selbsthilfe-Initiative für HeimbewohnerInnen. Vergangene Woche hatte Unternehmer Rolf Specht seine Anteile an zwei Betreibergesellschaften der „Residenz-Gruppe“ an den internationalen Investoren Orpea verkauft. Daran hängen insgesamt 34 Einrichtungen mit rund 2.500 Pflegeplätzen in Bremen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Hessen. Die in Frankreich ansässige Orpea-Gruppe unterhält bereits 64.000 Heimplätze. Der vier Milliarden Euro schwere Pflegekonzern gehört zu den größten Europas.

Für Reinhard Leopold von der Selbsthilfe-Initiative „Heim-Mitwirkung“ ist die Größe des börsennotierten Unternehmens ein Grund zur Sorge. „Aktienunternehmen haben primär die Interessen ihrer Anleger zu befriedigen“, sagte er zur taz. Daraus resultierten Sparzwänge, die langfristig unweigerlich beim Personal landen und so Pflegestandards weiter aushöhlen würden.

Zur Größe des Käufers äußerte sich auch Unternehmer Specht, nur sieht er gerade darin eine Chance für die Zukunft der Pflege. Derartige Unternehmensstrukturen, sagte er, seien nämlich eher als kleine Einrichtungen in der Lage, als politische Einheit aufzutreten. So könnten sie für den „gesellschaftspolitischen Stellenwert von stationären Pflegeeinrichtungen für die letzte Phase des Lebens der Menschen“ eintreten, sagte Specht.

Für den Aktivisten Leopold ist das nicht nur Schönfärberei, sondern auch inhaltlich eine „hochgefährliche Aussage“. Denn dieses politische Auftreten, von dem Specht spreche, sei nichts anderes als „gefährlicher Lobbyismus“. Und der habe in der Vergangenheit nie im Sinne von HeimbewohnerInnen gewirkt. Ganz im Gegenteil sei etwa das gerade Anfang des Jahres in Kraft getretene „Pflegestärkungsgesetz I“ auf Druck aus der Wirtschaft politisch durchgewunken worden. Das Gesetz ermöglicht den Einsatz niedrig qualifizierter Hilfskräfte, die ausgelasteten PflegerInnen Arbeiten abnehmen sollen. „Eigentlich sind die nur zum Bespaßen vorgesehen“, sagt Leopold. Tatsächlich aber würden sie regelmäßig auch in der Pflege eingesetzt. Das sei nicht nur ein arbeitsrechtliches Problem: Wenn jemand unausgebildet etwa mit dementen Menschen arbeite, so Leopold, könne das schlimmstenfalls sogar zu Gewalt führen.

Specht hatte bereits vor zwei Jahren versucht, Heime abzustoßen. Der geplante Deal mit der bayrischen „Silver Care Holding“ kam nicht zustande, inzwischen wurde dieser Interessent seinerseits von Orpea übernommen. Loswerden will Specht die Heime nach eigenen Angaben aus Altersgründen. Im Geschäft mit der Pflege wird der 63-Jährige aber weiterhin tätig sein – etwa als geschäftsführender Gesellschafter eines ambulanten Pflegedienstes sowie eines Trägers seniorengerechter Wohnungen.

Immerhin scheinen die Jobs der derzeit in den verkauften Einrichtungen Beschäftigten nicht auf dem Spiel zu stehen. Alle Angestellten und auch die Geschäftsführer Frank Markus und Carsten Adenäuer sollen nach Unternehmensangaben bleiben. Zudem soll ihre Bremer Niederlassung zu Orpeas neuer Norddeutschlandzentrale ausgebaut werden, was möglicherweise weitere Arbeitsplätze in der Verwaltung schaffen oder nach Bremen verlagern könnte.

Für Leopold ist das ein schwacher Trost. Denn selbst wenn die Stellen tatsächlich auch langfristig bleiben sollten, müsse man doch sehr genau hinsehen, mit welcher Qualifikation sie besetzt würden, wenn MitarbeiterInnen ausstiegen oder in den Ruhestand gingen. Das könne man nur abwarten, sagt Leopold – „sonderlich optimistisch bin ich allerdings nicht“.
Quelle: http://www.taz.de/Senioren-gegen-Kommerzialisierung/!5216174, 29.07.2015/
« Letzte Änderung: 03. August 2015, 13:15 von admin » Gespeichert

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« Antworten #20 am: 25. Juli 2015, 19:57 »

KOMMENTAR

Gewinn-Maximierung versus Menschenwürde in der Pflege

Heuschrecken im Pflegebereich


24.07.2015 · Die französische ORPEA-Gruppe schluckt die Residenz-Gruppe mit ihren insgesamt 38 Pflegeheimen in Deutschland. Das ist seit Mittwoch (22.07.2015) bekannt. Inhaber Rolf Specht hatte schon einmal im Juni 2013 versucht 20 seiner damals 30 Heime an die Silver Care Holding in München zu veräußern. Aus nicht weiter bekanntgewordenen Gründen platzte damals allerdings der Deal.

Im April letzten Jahres wurde dann die Münchner Silver Care Holding selbst zum Übernahme­kandidaten und von der ORPEA-Gruppe übernommen. Das trieb den Aktienkurs in die Höhe: Laut Finanznachrichten.de liegt die Kursveränderung innerhalb eines Jahres bei knapp 40 Prozent im Plus. Ob die pflegebedürftigen Menschen und ihre Angehörigen von der aktuellen Entwicklung ebenfalls begeistert sein können, darf stark bezweifelt werden.

Die jetzige Übernahme durch den französischen Pflege-Konzern wirft einige Fragen auf. Rendite- und Gewinnmaximierung stehen im krassen Widerspruch zur Pflegequalität und Menschen­würdige in der Pflege. Pflege war und ist personal- und damit kostenintensiv. Was also ist nach solchen Übernahmen durch große Konzerne zu erwarten? Wie werden die neuen Inhaber der Residenz-Gruppe die finanziellen Erwartungen der Aktionäre versuchen zu befriedigen?

Um die Erwartungen und Ziele des Aktien-Unternehmens zu erfüllen werden vermutlich harte Einschnitte im Personalbereich und andere Einsparungen unausweichlich und eine Verschlechterung der Versorgungs­qualität somit kaum zu vermeiden sein. Bei Gewinn-Maximierung bleibt der Mensch und seine Menschenwürde eben auf der Strecke.

Quelle: Presse-Info vom 24.07.2015
« Letzte Änderung: 25. September 2015, 14:46 von admin » Gespeichert

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